Mehr Bestandsvorsorge und Waldschutz

Hessen
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Angesichts der zum Teil dramatischen Baumschäden, die sich im trockenen Sommer 2019 vor allem in monotonen Fichtenplantagen zeigten, forderte die Delegiertenversammlung des NABU Hessen die Landesregierung am 20. Oktober dazu auf, eine umfassende Waldstrategie für das Bundesland zu entwickeln.

„Eine zukunftsfähige Antwort auf die Trockenschäden in den Forsten muss vom Dreiklang Wiederbewaldung, Bestandsvorsorge und Waldschutz geleitet sein“, fasste NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler die Erwartungen der 120 Delegierten aus allen hessischen Landkreisen zusammen. Das Land müsse hierbei im bürgereigenen Staatswald vorbildlich vorangehen.

Der NABU Hessen begrüßt, dass sich das Land auf höchster Ebene mit den Baumschäden befasst und Abstand davon genommen hat, bei der Bewirtschaftung des Landeswaldes in den nächsten Jahren Überschüsse erzielen zu wollen. Zu kritisieren sei, dass sich die Landesstrategie bislang nur auf eine Wiederbewaldung der 2 Prozent Schadensflächen beschränke. Zu einer umfassenden Waldschutz-Strategie gehöre aber auch die Betrachtung der restlichen 98 Prozent des Waldes. „Die in Zukunft häufigeren trocken-heißen Sommer verlangen, dass wir eine effektive Vorsorge gegen weitere Schädigungen der bestehenden Laubwälder treffen“, so Eppler. Darüber hinaus sei auch die Ausweisung mehrerer größerer Klimaschutzwälder mit natürlicher Entwicklung nötig.

Wiederbewaldung
Bei der Wiederbewaldung der nun baumfreien Bereiche müsse die Naturverjüngung klaren Vorrang vor maschinellem Aufräumen und risikoreichen Experimenten mit neuen Baumarten haben. „Natürlich keimende Jungbäume erschließen sich den Wurzelraum besser als gepflanzte Bäume, deren Wurzeln vor dem Einsetzen gekappt werden. So entstehen naturnahe Wälder, die besser an die klimatischen Anforderungen der Zukunft angepasst sind“, erläuterte NABU-Waldexperte Mark Harthun.

Bestandsvorsorge
Im Rahmen der Bestandsvorsorge gelte es, den Holzeinschlag in alten Laubwaldbeständen künftig über längere Zeitträume zu strecken, um die Kronendächer geschlossen zu halten. Geschlossene Bestände mit einem kühl-feuchteren Innenklima seien besser vor Austrocknung geschützt als aufgelichtete oder offene. Überall in Hessen seien derzeit kranke oder absterbende Buchen in durch Schirmschlag geöffneten Waldbereichen zu beobachten. „Durch die Streckung von Baumfällungen entstehen vielstufige Dauerwälder, die deutlich klimastabiler sind“, so Harthun. Dazu sei es notwendig, den Baumeinschlag im zehnjährigen Planungszeitraum auf maximal 30 Prozent des Holzvorrates zu begrenzen.

Waldschutz
Als dritter Schritt einer zukunftsfähigen Waldstrategie müsse ein Teil der typisch hessischen Laubwälder dauerhaft geschützt werden. „Wir brauchen acht Klimaschutzwälder mit einer Größe von jeweils über 1.000 Hektar Größe, in denen die Bäume alt werden dürfen“, erklärte Harthun. In solchen Naturwäldern könne sich der Wald selbstgesteuert an die neuen Bedingungen in der Klimakrise anpassen. Aus den Entwicklungen in diesen Waldgebieten könnten deshalb wertvolle Erfahrungen für die Praxis im Wirtschaftswald der Zukunft gewonnen werden. Ihre Ausweisung ermögliche es zudem, das Ziel der Hessischen Biodiversitätsstrategie zu erreichen, 5 Prozent des Waldes bis zum Jahr 2020 in natürliche Entwicklung zu überführen. Derzeit seien erst 3,8 Prozent der hessischen Wälder entsprechend geschützt. Wichtig sei es deshalb, in diesen acht Gebieten vorsorglich einen sofortigen Einschlagsstopp zu verfügen.

Gerade weil die hessentypische Buche durch die Klimaerwärmung in den nächsten Jahrzehnten immer mehr Probleme bekommen könnte, müsse die Landesregierung besondere Anstrengungen zum Schutz der heimischen Buchenwälder unternehmen. Eine weitere Nadelholz-Fixierung mit dem Ersatz von abgestorbenen Bäumen durch standortfremde Arten wie Douglasie und Küstentanne sei nicht nachhaltig.

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