Goethe-Plakette: Land beleuchtet NS-Vergangenheit

Hessen
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Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst lässt untersuchen, ob Trägerinnen und Träger der seit 1949 vom Land Hessen vergebenen Goethe-Plakette Mitglied in der NSDAP waren und inwieweit sie im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung gewirkt haben.

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Die Studie zur NS-Belastung von Trägerinnen und Trägern der Plakette im Hessischen Landesarchiv startet zum 1. Dezember und ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Das Ministerium hat Dr. Albrecht Kirschner aus Marburg für die Aufgabe gewinnen können, einen ausgewiesenen Experten für die NS-Zeit, der unter anderem auch die Vorstudie zur NS-Vergangenheit hessischer Abgeordneter erstellt hat. Die dokumentierten Nachweise zu den einzelnen Biographien sollen analog und digital der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und darüber hinaus im Hessischen Landesarchiv gesichert und für spätere Forschungsarbeiten zugänglich gemacht werden.

„Als der damalige Kultusminister Erwin Stein 1949 zum 200. Todestag des Geheimrats die erste Goethe-Plakette vergab, glaubte man sich in der ,Stunde Null‘: Die Schrecken des NS-Regimes waren vorbei, die demokratische Bundesrepublik war noch jung. Wer die Plakette erhielt, war es naturgemäß nicht mehr: Er oder (damals seltener) sie hatte bereits Verdienste um Kunst und Kultur in Hessen erworben“, erklärt Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn (Grüne). „Aus heutiger Sicht ist wahrscheinlich, dass einige von ihnen zwischen 1933 und 1945 auch Schuld auf sich geladen haben. Alle Trägerinnen und Träger der Plakette, die vor 1928 geboren wurden, wollen wir uns deshalb genauer anschauen – rund die Hälfte der insgesamt 240 Menschen, die bis heute die Plakette erhalten haben. Dabei ist uns wichtig, dass es nicht um reines Schwarz und reines Weiß gehen kann. So sagt die Mitgliedschaft in der NSDAP allein noch wenig aus. Es gab auch Parteimitglieder, die zwar brav ihren Mitgliedsbeitrag zahlten, aber kein weiteres Engagement zeigten, vielleicht sogar jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger zu schützen versuchten oder ihnen zur Flucht verhalfen. Andere spielten als Funktionäre, als Aktivisten und Unterstützer eine aktive Rolle im NS-System spielte. Und eine Rolle soll auch spielen, wie die Personen nach 1945 mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen.“

Wie schwierig die Einordnung einer NS-Belastung sein kann, zeigt der Fall Eitel Oskar Höhne. Der Landrat des Landkreises Eschwege und des dann neu gebildeten Werra-Meißner-Kreises, langjährige Vorsitzende des Verwaltungsrates des Hessischen Rundfunks und Präsident des Landeswohlfahrtsverbandes bekam 1995 die Goethe-Plakette. Er war 1941, mit 18 Jahren, in die NSDAP eingetreten – mehr ist über seine Beziehung zum NS-Regime nicht bekannt. Vom 1. Dezember 1950 bis zum 30. November 1970 war Höhne Mitglied des Hessischen Landtages, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender seiner Fraktion. Als wahrscheinlich gilt, dass Höhne als Jugendlicher von der NSDAP indoktriniert wurde, sich aber spätestens nach 1945 schnell von der NS-Ideologie löste.

Die ersten, die 1949 die Goethe-Plakette bekamen, waren Johann Hoffmann und Lily Hohenstein. Hoffmann saß von 1921 bis 1933 für das Zentrum im Landtag. Die Nationalsozialisten schickten den Lehrer in den Ruhestand und brachten ihn 1944 in das Konzentrationslager Dachau. Nach dem Krieg arbeitete er im Regierungspräsidium Darmstadt und im Hessischen Kultusministerium. Die Schriftstellerin Lily Hohenstein war vor allem für ihre Biografien von Dichtern wie Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe und Adalbert Stifter bekannt.

Die Goethe-Plakette ist die höchste Auszeichnung, die das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu vergeben hat. Sie wird in unregelmäßigen Abständen an Menschen verliehen, die mit ihrer Arbeit die Kunst und Kultur des Landes gefördert und geprägt haben. Mehr Informationen: wissenschaft.hessen.de/goethe-plakette



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