„Das Museum Wiesbaden ist klimaneutral“

Hessen
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Wie wird ein ganzes Landesmuseum klimaneutral? Wie wird im Museum geheizt, wie die An- und Abfahrt der Exponate organisiert, welche Emissionen erzeugt das Museum für die richtige Temperierung der Exponate, können Dienstreisen eingespart werden oder auch der Papierverbrauch gesenkt?

„Ein Nachhaltigkeitsteam hat alle Prozesse im Landesmuseum Wiesbaden analysiert und eine Klimabilanz erstellt.  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen und externe Fachleute haben geholfen, so den CO2-Fußabdruck des Museums zu ermitteln. Was das Landesmuseum an diesem klimaschädlichen Gas ausstößt, gleicht es nun durch Investitionen in Klimaschutzprojekte aus und ist damit nach dem archäologischen Landesmuseum Keltenwelt am Glauberg das zweite klimaneutrale Museum in Hessen. Herzlichen Glückwunsch! Ein toller und nachhaltiger Erfolg für das Museum, vor allem aber für unsere Umwelt“, erklärte Hessens Finanzstaatssekretär Dr. Martin Worms. „Nach der Bilanz und den Investitionen in den Ausgleich der Emissionen wird das Museum nun auch versuchen, Schritt für Schritt weniger Kohlendioxid zu erzeugen.“

Im laufenden Museumsbetrieb und während Corona war das Erstellen der Klimabilanz eine besondere Herausforderung. Sie wurde vom TÜV-Nord geprüft, der dem Landesmuseum daraufhin das Zertifikat Klimaneutrale Organisation ausgestellt hat. Die Bilanzierung erfolgte nach dem Greenhouse Gas Protocol, einem internationalen Standard, sowie der ebenfalls international anerkannten Norm DIN EN ISO 14064-1-2019.

Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen, erläutert: „Unsere Fachleute haben die Gebäudedaten analysiert und direkte Treibhausgas-Emissionen betrachtet, also etwa aus Heizkesseln oder dem Fuhrpark.  Hinzu kommen indirekte Emissionen, wie der Energiebezug von anderen Unternehmen – etwa Fernwärme, Strom oder Dampf. Außerdem ging es um den relevanten Verbrauch, den das Museum direkt oder indirekt verursacht, wie zum Beispiel durch die Arbeitswege der Beschäftigten.“

Finanzstaatssekretär Worms: „Das Landesmuseum für Kunst und Natur ist ein Aushängeschild unserer Kultur und Anziehungspunkt für viele Hessinnen und Hessen. Da möchten wir natürlich Vorbild sein. Unser Ziel ist die CO2-neutrale Landesverwaltung bis 2030. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams können stolz sein auf das, was sie geleistet haben. Um eine langfristige Tendenz des Verbrauchs erkennen zu können, haben sie nicht nur ein Jahr bilanziert, wie es erforderlich gewesen wäre, sondern mit den Jahren 2019 und 2020 gleich zwei Bilanzen erstellt, die eine valide Grundlage für den nächsten Schritt, weiter Energie einzusparen, bilden. Wer so viel positive Energie investiert wie das Nachhaltigkeitsteam, wird auch erfolgreich sein, die Klimabilanz weiter zu verbessern.“

Museumsdirektor des Landesmuseums Wiesbaden, Andreas Henning: „Wir sind sehr erfreut darüber, im Rahmen des Pilotprojektes des Landes Hessen als erstes kunst- und naturhistorisches großes Landesmuseum unseren CO2-Fußabdruck in einer präzisen Datenschärfe ermittelt zu haben. Das Wissen über das Ausmaß der erzeugten Emissionen ist ein wichtiger Schritt für deren konsequente Reduzierung. Die aufwendig ermittelten Werte machen den CO2-Ausstoß unterschiedlicher Kategorien – wie Leihtransporte, Kältemittelverluste oder Werbeerzeugnisse –  und deren Bedeutung sichtbar. Die Zahlen werden uns helfen, nun gezielte Maßnahmen einzuleiten. Allen Beteiligten auf diesem unerlässlichen Lernweg gilt mein großer Dank. Und wer Inspirationen für eigenes alltägliches Handeln sucht, sollte unsere neue Sonderausstellung ,Vom Wert des Wassers. Alles im Fluss?‘ im Rahmen des Wiesbadener Wasser-Jahres keinesfalls verpassen, denn hier werden zentrale Aspekte zu SDG 6 (Sauberes Wasser) und SDG 14 (Leben unter Wasser) behandelt.“ Dabei handelt es sich um zwei der Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen.

Mit Emissionsgutschriften wurden über die Deutsche Emissionshandelsstelle Zertifikate für ein Windenergie-Projekt in Costa Rica in der Höhe der errechneten Treibhausgas-Emissionen von gut 730 Tonnen CO2 erworben. Damit die Klimaauswirkungen auch langfristig reduziert werden, sollen in einem zweiten Schritt Maßnahmen zum Einsparen von Energie insgesamt abgeleitet werden.

Hintergrund:

Bis zum Jahr 2030 soll die gesamte Landesverwaltung CO2-neutral arbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Landesregierung die Initiative der CO2-neutralen Landesverwaltung Hessen gestartet, die federführend im Finanzministerium angesiedelt ist. Damit sollen der Kohlendioxid-Ausstoß der hessischen Landesverwaltung weitgehend reduziert und der verbleibende Energieverbrauch möglichst durch erneuerbare Energieträger gedeckt werden. Die verbleibenden restlichen Emissionen werden durch die Förderung internationaler Klimaschutzprojekte (Kompensation) klimaneutral gestellt.