„Mir ist wichtig, dass wir Volkskirche bleiben“

Hessen
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Nach 16 Jahren an der Spitze der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) ist nun Schluss: Mit einem Gottesdienst in der Kasseler Christuskirche wird Vizepräsident Dr. Volker Knöppel am Freitag, 2. Dezember, verabschiedet.

Zugleich wird seine Nachfolgerin Dr. Katharina Apel in ihr neues Amt eingeführt. Unter www.ekkw.de kann der Gottesdienst ab 14 Uhr per Livestream im Internet verfolgt werden.

„Die Kirche bleibt im Dorf“, so hatte es der scheidende Vizepräsident zu seinem Amtsantritt 2006 formuliert. Rückblickend stellt er nun fest: „Sie hat sich verändert.“ Ob auch das Pfarrhaus künftig noch am Ort bleibe oder im Nachbardorf zu finden sei – diese Frage stelle sich zunehmend. Kirchenaustritte und fehlender Nachwuchs beim Pfarrpersonal haben Spuren hinterlassen. Nicht alle Handlungsfelder, in denen Kirche heute unterwegs ist, wird sie in Zukunft noch bedienen, sagt Knöppel. „Auch wenn wir kleiner werden, ist mir wichtig, dass wir Volkskirche bleiben. Wir sind Teil der Gesellschaft und geben ihr ein menschliches Antlitz“, ist der 65-Jährige überzeugt.

Bewusst hatte sich der gebürtige Nordhesse nach seinem Studium der Rechtswissenschaften und Geschichte für eine berufliche Laufbahn in der Kirchenverwaltung entschieden. Nach Referendariat und Promotion arbeitete Knöppel zunächst als Jurist im Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, bevor er 1992 ins Landeskirchenamt der EKKW wechselte. Von 1993 bis 2006 war er Baudezernent, anschließend Vizepräsident.

In diesem Amt war er nicht nur juristischer Stellvertreter des Bischofs bzw. der Bischöfin, sondern auch für die Finanzen der Landeskirche zuständig. Mahnend gab er mit Blick auf die Kirchensteuerentwicklung stets zu bedenken: „Noch trägt die Babyboomer-Generation unsere Kirche.“ Durch die kommenden zahlreichen Renteneintritte, die ihren Höhepunkt um das Jahr 2030 haben werden, werde die EKKW aber spürbar an Kirchensteuern einbüßen. Die Weichen für die nächsten Jahre seien gleichwohl gestellt, resümiert der 65-Jährige rückblickend auf die jüngst verstrichene Tagung der Landessynode, an der er letztmals teilnahm. Dass nun alle kirchlichen Ebenen angesichts der zu erwartenden Haushaltsdefizite eigenverantwortlich einen Teil zur Einsparung beitragen, darauf hatte der scheidende Vizepräsident hingewirkt.

Als Meilensteine seiner Amtszeit bezeichnet Köppel die Strukturreform in den Kirchenkreisen, die von 28 auf 14 verringert wurden. Auch die Ablösung der kirchengemeindlichen Baulasten bezeichnet er als gelungen. Gerne hätte er noch die Ablösung der Staatsleistungen begleitet; an ersten Gesprächen mit dem Bundesinnenministerium war er schon beteiligt. Ob es zur erhofften fairen Nachfolgelösung kommt – das wird Knöppel dann als Ruheständler beobachten.

Bange vor dem neuen Lebensabschnitt ist dem eingefleischten Nordhessen – Vater von drei erwachsenen Kindern und drei Enkelkindern – aber nicht. Er wird viel Zeit haben, sich seinem Hobby „Regionalgeschichte“ zu widmen, dabei aber über den Tellerrand hinausschauen. „Sich mit Geschichte zu beschäftigen hat nur Wert, wenn es hilft, die Gegenwart zu verstehen“, sagt der Naumburger. Über die Zukunft seiner Landeskirche mögen nun andere entscheiden.

Foto: medio.tv/schauderna


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