VdK fordert Reform der Erwerbsminderungsrente

Hessen

Am Mittwoch, den 2. Oktober 2013, fand im Plenarsaal des Hessischen Landtags in Wiesbaden die Landeskonferenz für Menschen mit Behinderung statt.

Vorsprung - WhatsApp Kanal

Im Mittelpunkt der traditionell vom Sozialverband VdK Hessen-Thüringen ausgerichteten Veranstaltung stand die Frage: „Die Erwerbsminderungsrente – der sichere Weg in die Altersarmut?“ Neben gut 150 Vertretern schwerbehinderter Arbeitnehmer in den Betrieben waren zahlreiche Repräsentanten aus Politik, Sozialverbänden und -behörden der Einladung des VdK gefolgt.

Der amtierende Vorsitzende des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen, Karl-Winfried Seif, wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass sich die materielle Situation von Erwerbsminderungsrentnern in den letzten Jahren drastisch verschlechtert habe. Diejenigen, die 2012 erstmals eine Rente wegen Erwerbsminderung bezogen, hätten im Durchschnitt nur 578 Euro monatlich erhalten, während es im Jahr 2000 noch 706 Euro gewesen seien. Angesichts dieser Zahlen müsse man sich fragen, ob die Erwerbsminderungsrente noch geeignet sei, ihren Zweck – die Sicherung des Lebensunterhaltes – zu erfüllen. „Die gesamte ‚Konstruktion‘ der Erwerbsminderungsrente muss auf ihre Tauglichkeit überprüft werden“, sagte Seif. Der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen fordert neben der Stärkung der betrieblichen Prävention unter anderem die Abschaffung der bei Erwerbsminderungsrenten anfallenden Abschläge von bis zu 10,8 Prozent und die Festlegung von objektiven sozialmedizinischen Bewertungskriterien für den Zugang zur Erwerbsminderungsrente.

„Die Erwerbsminderungsrente muss nachhaltig reformiert werden“, betonte auch Prof. Dr. Gerhard Bäcker. Der Sozialwissenschaftler unterstützte die Forderungen des VdK und zeigte mit besorgniserregenden Zahlen, dass viele Bezieher einer Erwerbsunfähigkeitsrente arm sind. Bei 35 Prozent läge die Zahl deutschlandweit, Tendenz steigend. Der Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Hessen, Karlheinz Reichert, sieht ebenfalls Reformbedarf. „Eine Zwangsversicherung verliert ihre Legitimation, wenn sie nicht ausreichend Sicherheit schafft“, sagte Reichert und forderte darüber hinaus den Ausbau von Prävention und Rehabilitation. Dr. Werner Scherer, Geschäftsführer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik bei der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, betonte die Eigenverantwortung der Arbeitnehmer. „Der Einzelne ist auch verantwortlich für Gesundheit und Arbeitsschutz.“ Scherers Auffassung, in den Betrieben würde das Gesundheitsmanagement immer mehr an Bedeutung gewinnen, mochte sich der Referent für Betriebsarbeit beim Sozialverband VdK Hessen-Thüringen, Reinhard Gippert, nicht anschließen. Gesundheitsmanagement gebe es nur in einigen hessischen Großunternehmen, nicht jedoch in kleinen und mittleren Betrieben. Eine gesetzliche Regelung sei deswegen dringend nötig.


Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de