Zum Rapsblütenpressegespräch in Büdingen‑Wolf auf dem Lindenhof der Familie Mäser macht der Hessische Bauernverband (HBV) deutlich: Raps ist weit mehr als ein schönes Landschaftsbild.
Gerade in Zeiten globaler Krisen zeigt sich seine besondere Bedeutung für Ernährung, Energie und regionale Wertschöpfung. Gleichzeitig stehen die hessischen landwirtschaftlichen Betriebe unter massivem Druck, nicht zuletzt durch die Folgen des Iran‑Krieges und die stark gestiegenen Energie‑ und Produktionskosten.
Biodiesel: Heimische Energie statt neue Abhängigkeiten
Besonders in der aktuellen geopolitischen Lage gewinnt Raps als Energieträger stark an Bedeutung. Aus Rapssaat wird unter anderem Biodiesel hergestellt, der direkt in der Region erzeugt und genutzt werden kann. „Die aktuellen Krisen zeigen deutlich, wie verletzlich internationale Energieabhängigkeiten sind“, erklärte Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes. „Jeder Liter Biodiesel aus heimischem Raps reduziert unsere Abhängigkeit von importierten fossilen Energien und stärkt unsere Versorgungssicherheit.“ Biodiesel kann sofort eingesetzt werden und wirkt direkt im bestehenden Fahrzeugbestand. Gerade im Verkehr, wo eine vollständige Elektrifizierung auf absehbare Zeit nicht möglich ist, leistet er einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Emissionen. „Biodiesel aus Raps verbindet Klimaschutz mit Versorgungssicherheit, und das ohne neue Infrastruktur“, so Schmal.
Beitrag für Umwelt, Tiere und regionale Kreisläufe
Auch für Insekten ist die gelb leuchtende Kultur von großer Bedeutung. „Es sind 120 bis 150 Millionen Blüten pro Hektar, die den Raps zur auffälligsten Kultur in unserer Landschaft machen“, sagte Thomas Eller, Vorsitzender der Hessischen Erzeugergemeinschaft für Raps (HERA). „Sie bieten Millionen Insekten eine wertvolle Lebensgrundlage und sind ein Garant für hohe Biodiversität.“ Die HERA vermarktet rund 60.000 Tonnen Raps von etwa 1.200 Mitgliedsbetrieben aus Hessen und angrenzenden Regionen. Daraus entstehen unter anderem Rapsschrot als Eiweißfutter, hochwertiges Speiseöl und Biodiesel. „Der regionale Kreislauf vom Rapsacker über die Ölmühle bis in den Tank oder auf den Teller zeigt seine Vorteile gerade jetzt sehr deutlich“, so Eller.
Politische Unsicherheit und wirtschaftlicher Druck
Die Folgen des Iran‑Krieges haben zu stark steigenden Energie‑ und Betriebsmittelkosten geführt. „Wir erleben einen historischen Angebotsschock“, sagte Schmal. „Viele Betriebe wissen nicht, wie sie diese Mehrkosten dauerhaft ausgleichen sollen.“ Der Hessische Bauernverband begrüßt die zeitweise Senkung der Energiesteuer, fordert aber weitergehende Entlastungen. Dazu zählen Erleichterungen bei Düngemitteln sowie verlässliche politische Rahmenbedingungen für den Einsatz heimischer Biokraftstoffe. „Eine restriktive Biokraftstoffpolitik passt nicht mehr in diese Zeit“, stellte Schmal klar.
Raps als Symbol für Zukunftsfähigkeit
Zum Abschluss machte Karsten Schmal deutlich: „Raps ist nicht nur schön anzusehen, sondern ein strategischer Baustein für Ernährungssicherheit, Klimaschutz und Energieversorgung.“
„Wenn wir unabhängiger werden wollen, müssen wir die Potenziale unserer eigenen Landwirtschaft nutzen, für Lebensmittel ebenso wie für erneuerbare Energie. Dafür brauchen unsere Betriebe faire Preise, verlässliche Politik und echte Entlastungen.“
Hintergrund:
Aktuell wird in Deutschland auf rund 1,11 Millionen Hektar Raps angebaut. Auch in Hessen zeigt sich eine erfreuliche Entwicklung. Nach einem starken Einbruch im Jahr 2019 ist die Winterrapsfläche in den vergangenen Jahren wieder deutlich gestiegen. 2025 wurden in Hessen rund 51.500 Hektar Raps angebaut und damit deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Raps hat eine lange Tradition in der heimischen Landwirtschaft und spielt eine zentrale Rolle in vielen Betrieben. Raps steht wie kaum eine andere Kultur für Vielfalt, Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung. Er verbindet Ackerbau, Ernährung, Energie und Umwelt auf besondere Weise. Quelle Zahlen: Statistik Hessen, Destatis

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