Die Unabhängigen Patientenberatungen (UPD) in Hessen und Thüringen stehen vor dem Aus.
Die Unabhängigen Patientenberatungen (UPD) in Hessen und Thüringen stehen vor dem Aus.
Der bisherige Verbund der UPDs soll in Deutschland nicht über das Jahresende 2015 hinaus finanziert werden. Betroffen wäre davon in Hessen die zentrale Beratungsstelle in Gießen, in Thüringen die Niederlassung in Erfurt. „Die UPD in Gießen hat in den vergangenen Jahren Tausenden von Patientinnen und Patienten mit hoher Qualität und Fachlichkeit in sehr schwierigen Situationen geholfen. Sie muss aufgrund ihrer Unabhängigkeit unbedingt erhalten bleiben“, fordert der Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen, Karl-Winfried Seif.
Einer der Träger der regionalen Beratungsstelle in Gießen ist der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen. Die drei Mitarbeiterinnen (eine Juristin, eine Diplom-Sozialpädagogin und eine Ärztin) haben allein in den letzten vier Jahren hessenweit mehr als 15.000 Beratungen durchgeführt. Die meisten Gespräche finden telefonisch statt, aber man kann auch einen persönlichen Termin vor Ort vereinbaren oder über das Onlineportal beraten werden. Häufige Themen sind Ansprüche gegenüber der Krankenkasse und anderen Kostenträgern, Patientenrechte, Behandlungsfehler, Informationen zu Untersuchungen und Behandlungen von Krankheiten, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung. Viele Ratsuchende schätzen besonders die Unabhängigkeit, mit der man sich dort kostenfrei und vertraulich beraten lassen kann.
„Seit Jahren fordern Politik und Patientenorganisationen eine Stärkung der Patienten, damit diese ihre Rechte kennen und gegebenenfalls auch durchsetzen können. Dafür brauchen wir unabhängige Patientenberatungsstellen“, so Seif. Der GKV-Spitzenverband und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung beabsichtigen, gegen den Protest aus dem wissenschaftlichen Beirat der UPD, zahlreicher Politiker und weiterer gesellschaftlicher Kreise die Unabhängige Patientenberatung an die Sanvartis GmbH zu vergeben. Die Gesellschafter der UPD befürchten, dass die hohe Qualität und die unabhängige Unterstützung für ratsuchende Patientinnen und Patienten auf der Strecke bleiben. „Einen negativen Beigeschmack hat diese Entscheidung auch vor dem Hintergrund, dass künftig ein privatwirtschaftliches gewinnorientiertes Unternehmen und bisheriger Dienstleister für verschiedene Krankenkassen Patientenberatung anbieten darf. Das Wort unabhängig ist nicht mehr angebracht“, so Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
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