Frech schaut der Junge in die Gegend, die braunen Haare stehen keck in die Höhe.
Jetzt fehlt dem Kerlchen noch ein Pulli oder Hemd. Die Teilnehmerin des Malkurses lächelt und greift zum Pinsel mit der blauen Farbe. Seit Frühjahr 2012 finden im Bildungshaus Main-Kinzig in Gelnhausen Kurse für Menschen statt, die beim Lernen Unterstützung brauchen.
„Es geht darum, den Menschen ein Umfeld zu bieten, in dem sie ihrem Tempo und ihren Neigungen entsprechend neue Erfahrungen machen können“, erklärt Horst Günther von den Bildungspartnern Main-Kinzig (BiP). Die Themenschwerpunkte, die in der Reihe „Bildung inklusive“ für Menschen mit und ohne Handicaps angeboten werden, wurden zuvor mit Hilfe einer Fragebogenaktion ermittelt. Konzipiert wurde die Bildungsreihe in Kooperation mit dem BWMK (Behinderten-Werk Main-Kinzig e.V.). „Uns ist wichtig, dass Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dazu gehören natürlich auch Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten und Freizeitgestaltung“, sagt die Projektverantwortliche Dorothee Müller. „Außerdem liegt uns die Netzwerkarbeit sehr am Herzen. BWMK und BiP sind Partner mit unterschiedlichen Kompetenzen, die sich hervorragend ergänzen. So schaffen wir gute Lösungen für alle Beteiligten.“
Das Programm „Bildung inklusive“ kommt gut an - bislang waren alle Kurse – von „Internet für Einsteiger“ und „Gestalten mit Ton“ über „Kochen für Anfänger“ und „Faszination Farbe – Maltechniken“ ausgebucht. Im Frühjahr 2013 soll als zusätzliches neues Themengebiet „Englisch für Anfänger“ angeboten werden.
Die Stimmung während der Kursabende ist gut – hier wird konzentriert gezeichnet, dort unterhalten sich zwei Teilnehmer über die Motive ihrer Bilder, während andere mit Farben experimentieren, bis kein einziges weißes Fleckchen mehr auf der Leinwand zu sehen ist. „Ich weiß nicht, was ich malen soll“, sagt ein junger Mann und blättert in einem Bildband. Dann entscheidet er sich für ein Segelschiff auf dem Meer. „Die Bäume hier sind mir zu traurig“, sagt er und deutet auf drei Stämme in weiter Landschaft.
Um während der Kurse Unterstützung gewährleisten zu können, kooperieren BWMK und Bildungspartner mit den Beruflichen Schulen Gelnhausen. Die jungen Leute, die dort zu Sozialassistenten ausgebildet werden, können den Kursteilnehmern behilflich sein und bekommen die Zeit als Praktikum angerechnet.
„Es ist toll zu erleben, mit wie viel Freude die Leute bei der Sache sind“, sagt Lisa Fehl, die gemeinsam mit zwei Schulkameradinnen im Malkurs aktiv ist. Dozentin Tina Lang freut sich ebenfalls über ihre Helferinnen – so kann sie den einzelnen Kursteilnehmern mehr Zeit widmen.
Finanziell unterstützt wird das Kursangebot „Bildung inklusive“ von der Stiftung Behinderten-Werk. Der Vorsitzende des Stiftungsrats, Karl Eyerkaufer, und sein Stellvertreter, Hartmut Stollewerk, zeigten sich bei einem Besuch im Bildungshaus beeindruckt von der Kreativität der Kursteilnehmer. Da es oft keine öffentliche Förderung gibt, finanziert die Stiftung Projekte, Therapiematerial und Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung. „Damit wollen wir die Lebensqualität der Menschen und ihre Chance auf Selbstbestimmung verbessern“, unterstreicht Eyerkaufer. Weitere Informationen im Internet unter www.stiftung-bwmk.de
Foto: Die Reihe „Bildung inklusive“ kommt gut an. Karl Eyerkaufer und Hartmut Stollewerk (Zweiter und Dritter von rechts) von der Stiftung Behinderten-Werk besuchten den Malkurs und wurden von Horst Günther (rechts) und Dozentin Tina Lang (Mitte) sowie den angehenden Sozialassistentinnen der Beruflichen Schulen Gelnhausen (links) empfangen.
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