Keltische Grabbeigaben aus der Region faszinieren

Im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen ist noch bis zum 30. August eine Wanderausstellung mit dem Titel „Mit dem Spaten ins Feld – keltische Fundgeschichten unserer Region“ zu sehen. Kreisarchäologe Claus Bergmann und Christine Raedler, Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte (Bild 2, von links), erläuterten die einzelnen Stationen.

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Es ist die Zeit kurz vor der Wende zum 19. Jahrhundert. Das letzte russische Kaiserpaar – Nikolaus II. und seine aus Hessen stammende Frau Alexandra – sitzen auf einer Bank im Freien und blicken ernst in die Kamera, während sie einen Imbiss zu sich nehmen.

Er in hellem, legeren Zwirn gekleidet und mit dem für diese Zeit typischen Vollbart mit Schnauzerschwung über der Oberlippe. Sie trägt ein dunkles, hochgeschlossenes und langes Kleid mit einer kunstvoll hochgesteckten Frisur, auf der ein Hütchen sitzt. Dieses historische Schwarz-weiß Bild entstand in den Anfangsjahren der Ehe dieser beiden Monarchen und zeigt sie in jungen Jahren. Sie logierten auf Schloss Wolfsgarten bei Langen im Kreis Offenbach und verbrachten die Sommerfrische damit, hallstattzeitliche Hügelgräber zu öffnen, was zur damaligen Zeit auch bei anderen europäischen Hoheiten populär war.

Das Foto ist Teil einer Ausstellung, die derzeit im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen zu sehen ist: „Mit dem Spaten ins Feld – keltische Fundgeschichten unserer Region“. Denn die Faszination für die geheimnisumwitterte Welt der Kelten brachte schon vor über hundert Jahren Menschen dazu, in Hügelgräbern nach Schmuck und Grabbeigaben zu suchen, um die Kultur und das Leben der Kelten zu erforschen. Vor der anstrengenden Arbeit im Schmutz schreckte das junge Kaiserpaar so wie viele andere Hobbyarchäologen nicht zurück und nahm dafür so manche Unbequemlichkeit in Kauf.

„Die in dieser Ausstellung gezeigten Funde sind ein Beleg dafür, dass Kelten schon lange vor den Römern auf dem Gebiet des heutigen Main-Kinzig-Kreises lebten. Sie trieben Handel bis in den Mittelmehrraum hinein und sogar bis nach Asien und liefern den Beweis dafür, dass Globalisierung keine Erfindung der Neuzeit ist“, sagte Landrat Thorsten Stolz während der Ausstellungseröffnung, zu der 40 Gäste gekommen waren. Wer waren die Kelten? Barbaren oder geschickte Handwerksmeister? Wo lebten sie und was ist von ihnen und ihrer Kultur übriggeblieben? Auf den Schautafeln und in den Vitrinen werden erstmals kunstfertig hergestellte Schmuckstücke und Keramik vorgestellt, die aus der Region stammen.

„Dank der engagierten Zusammenarbeit von Museumsleuten, Denkmalpflegern der Stadt Hanau, dem Main-Kinzig-Kreis und dem Kreis Offenbach können wir im Keltenjahr 2022 bedeutende Funde auch hier im Main-Kinzig-Forum ausstellen. Dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken, denn das Interesse an den Kelten ist nach wie vor groß. Die Ausstellung wirft Schlaglichter auf die verschiedenen Bestattungsformen, erläutert aber auch die Geschichte der Ausgrabungen selbst, ohne die Vieles unerforscht geblieben wäre“, so Thorsten Stolz. Kreisarchäologe Claus Bergmann und Christine Raedler, Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte, stellten die einzelnen Stationen der Ausstellung vor, die den Blick in eine mehr als 2000 Jahre zurückliegende Zeit ermöglichen und kamen auch mit den Gästen ins Gespräch. Etwa über jene Überreste eines weiblichen Skeletts, das 1985 beim Anlegen eines Fischteichs in einem Garten in Niederdorfelden gefunden wurde, was zu polizeilichen Mordermittlungen führte, da ein versehentlich in der Fundstelle eingeschleppter moderner Hosenknopf falsche Rückschlüsse verursachte. Ein nebenberuflich als Archäologe tätiger Polizist konnte jedoch den geborgenen Schmuck richtig einordnen. Bei der weiteren Untersuchung der Fundstelle wurde ein kleines Gräberfeld mit Körperflachgräbern entdeckt, wie sie im 4. Jahrhundert vor Christus typisch waren. 

„Wir haben es dem großen Enthusiasmus vieler Freiwilliger zu verdanken, dass wir auch im Main-Kinzig-Kreis zahlreiche interessante Funde machen konnten, insbesondere dann, wenn die Arbeiten am Ausgrabungsort unter wissenschaftlicher Leitung standen“, sagte Claus Bergmann. Denn um die richtigen Rückschlüsse ziehen zu können, sei es wichtig, Erdverfärbungen und die genaue Lage der Funde zu dokumentieren. „Zu sehen ist auch Trachtschmuck aus Metall, der kunstvoll bearbeitet und verziert war und zum Teil von weither in den Main-Kinzig-Kreis gelangt ist“, so Christine Raedler. Repliken verdeutlichen, wie die Schmuckstücke einmal ausgesehen haben: Offene Armringe aus glänzender Bronze mit eingearbeiteten Verzierungen aus Koralle. Auch blaues und grünes Glas aus dem Mittelmeerraum wurde kunstvoll zu Schmuck verarbeitet und den Toten auf ihre letzte Reise mitgegeben.

Die Wanderausstellung „Mit dem Spaten ins Feld – keltische Fundgeschichten unserer Region“ ist noch bis zum 30. August zu den Öffnungszeiten des Main-Kinzig-Forums zu sehen: Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, Freitag von 8 bis 14 Uhr, Barbarossastr. 24 in Gelnhausen. Vom 16. September bis zum 4. Dezember sind die Exponate im Historischen Museum in Dietzenbach ausgestellt.

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Im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen ist noch bis zum 30. August eine Wanderausstellung mit dem Titel „Mit dem Spaten ins Feld – keltische Fundgeschichten unserer Region“ zu sehen. Kreisarchäologe Claus Bergmann und Christine Raedler, Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte (Bild 2, von links), erläuterten die einzelnen Stationen.


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