Statt eines Abschiedsbriefes

Ausstellungen

Ende Februar startet im Klinikum Hanau eine neue Kunstausstellung.

Hanau News

Die Hanauer Künstlerin Kerstin Lochner präsentiert dort Bilder und Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter, der Journalistin Adelheid Lochner. Die Ausstellung geht bis Ende Mai 2014 und ist im Erdgeschoss und im 10. OG des Gebäudes HC, täglich zwischen 9.00 und 19.00 Uhr, zu sehen.

Die Kunstausstellungen werden regelmäßig unter der Regie von Privatdozent Dr. med. Thomas Müller veranstaltet. Er ist Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und somit mitverantwortlich auch für das Gynäkologische Krebszentrum sowie das Brustzentrum des Tumorzentrums Klinikum Hanau. „Mit der neuen Ausstellung führen wir unsere Patienten und Gäste an ein schwieriges Thema heran“, sagt der Arzt. Er betont aber zugleich: „Die Bilder und Notizen zeigen aber auch, wie Menschen in einer existenziellen Krise in der Kunst neue Ausdrucksformen und Trost finden können.“  

Kerstin Lochner war gerade 13 Jahre alt, als ihre Mutter an Brustkrebs starb – mit 41. Heute arbeitet die Städelabsolventin als freischaffende Künstlerin. Adelheid Lochners Hauptmotiv waren Landschaften. Sie experimentierte mit typischen Aquarelltechniken, entfernte sich aber zunehmend von standardisierten Vorlagen.

Kerstin Lochner berichtet heute: „Als Tochter suchte ich nach dem Tod meiner Mutter eine Botschaft zu finden. Das Tagebuch gab Einblicke in den Verlauf der Krankheit, beschrieb Therapien, Besuche und Szenen aus unserem Familienleben. Ich erfuhr mehr über meine Mutter, ihre Ehe und die Enttäuschung, sich zu wenig um sich selbst gekümmert zu haben. Aber ich wollte so gern eine persönliche Nachricht! Als Künstlerin sah ich die Qualität der Bilder und eine bemerkenswerte Entwicklung. Aber erst als ich Bilder und Texte einander gegenüberstellte bekam ich meine Antwort: Es konnte keinen Abschiedsbrief geben!“

Und Kerstin Lochner berichtet weiter: „Meine Mutter hatte den Glauben, ja, festen Vorsatz, wieder gesund zu werden. Schmerzen und lange Krankenhausaufenthalte machten sie mürbe. Färbten ihre sonst feine Ironie mit Sarkasmus. Und doch überwog, trotz anhaltender Rückschläge, bis zum Schluss Hoffnung, Humor und Optimismus. Nur in ihren Bildern ist ein leiser Abschied lesbar. Einzelne Bäume an ruhigen Gewässern, ohne Laub, ohne Pathos. Der heimische Garten im Winter. Personen gibt es kaum, mehrmals das Motiv des Fischers im Boot.

Eines der letzten Bilder zeigt im Vordergrund einen umgestürzten Baum. Eine riesige Sonne geht hinter einem See und drei grau-schwarzen Nadelbäumen unter. Adelheid Lochner signiert die Arbeit mit vollständigem Namen im Juli 1992. Da hatte sie noch gehofft, dass der Kelch’ an ihr vorübergeht. Adelheid Lochner stirbt im November 1992. Kerstin Lochner ist mit 16 Jahren bereits Vollwaise und wählte nach dem Abitur das Studium an der Hochschule für bildende Künste in Frankfurt. Mit der Ausstellung der Bilder und Texte schließt sich ein Kreis.

Interessierte Künstlerinnen und Künstler, die im Klinikum Hanau ausstellen möchten, können sich an die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Britta Zorn, Telefon (06181) 296-2510, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wenden.


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