Zahl der Straftaten im Kreis sinkt erneut deutlich

Blaulicht

Der Sicherheitsstandard in der Region hat sich auch im vergangenen Jahr weiter deutlich verbessert. Das ist die Kernbotschaft, die Polizeipräsident Roland Ullmann bei der Veröffentlichung der Kriminalstatistik 2012 für das Polizeipräsidium Südosthessen verkündete.

Evonik
Kreiswerke Main-Kinzig

statistik polizeistatistik polizei1Die aktuelle Entwicklung lässt den Polizeichef in der Pressekonferenz am Donnerstagvormittag (14.03.20139 erneut eine erfreuliche Bilanz ziehen: Die für die Behörde erfasste Gesamtkriminalität sank spürbar, nämlich von 52.205 im Vorjahr um -1.544 Fälle (-3,0%) auf 50.661 Delikte in 2012, was der niedrigsten Fallzahl seit Bestehen des PP Südosthessen entspricht. In nur acht Jahren reduzierte sich die Zahl der in der Kriminalstatistik erfassten Fälle um über 20 Prozent oder fast 14.000 Straftaten! (Grafik 1) Noch nie waren die Ermittler des Polizeipräsidiums erfolgreicher. Die Aufklärungsquote konnte über den Spitzenwert des Vorjahres hinaus nochmals um einen halben Prozentpunkt gesteigert werden und liegt nunmehr bei 58,0% (+ 0,5%). (Grafik 2) Dies ist die historisch höchste Aufklärungsquote des Polizeipräsidiums Südosthessen! Zum Vergleich: Vor 20 Jahren lag die Aufklärungsquote noch bei 29,8 Prozent und konnte seitdem nahezu verdoppelt werden!

Mit einer Häufigkeitszahl (Fälle pro 100.000 Einwohner) von 5.817 liegt das Polizeipräsidium Südosthessen bei der Kriminalitätsbelastung deutlich unterhalb des Hessendurchschnitts von 6.494. "Die jahrelange positive Entwicklung in unserem Präsidium setzt sich auch in 2012 fort und wir liegen damit erneut besser als der Landestrend", freute sich Polizeipräsident Ullmann und ergänzte: "Ich bin hoch erfreut, dass wir heute ein derart positives Ergebnis präsentieren dürfen, zeigt die aktuelle Entwicklung doch einmal mehr, dass sich unsere Arbeit zur Verbesserung der Sicherheitslage für die Menschen in der Region hervorragend entwickelt hat", stellte der Polizeipräsident zufrieden fest.

Regionale Entwicklung

Bei regionaler Betrachtung der Fallzahlen wird deutlich, dass es bei der Kriminalitätsbelastung durchaus geografische Unterschiede gibt. Heruntergebrochen auf die Regionen stellt sich die Entwicklung des Straftatenaufkommens wie folgt dar:

Stadt Hanau:

Kaum Veränderung der Fallzahlen von 8.009 um +114 Delikte (+1,4%) auf 8.123 Fälle, wobei sich die Fallzahlensteigerung überwiegend auf einer Serie von Manipulationen an Zigarettenautomaten (95 Fälle) und vermehrten Kontrollen begründet. (Grafik 1.3) Aufklärungsquote von 60,7% um +2,9% auf 63,6% gestiegen (historisch höchster Wert - Vergleich: 1992: 31,7%; 2002: 50,4%). (Grafik 2.3)

Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau):

Seit Jahren kontinuierlicher Rückgang der Fallzahlen, davon alleine im letzten Jahr von 12.233 um -732 (-6,0%) auf 11.501 (historisch niedrigste Fallzahl) (Grafik 1.4) Leichte Einbußen bei der Aufklärungsquote von 56,5% um -1,8% auf nunmehr 54,7% (historisch dritthöchster Wert - Vergleich: 1992: 28,8%; 2002: 43,9%). (Grafik 2.4)

Analyse der wesentlichen Deliktsbereiche

Dreiviertel der Kriminalität im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen wird durch die sogenannte Massenkriminalität geprägt. "Darunter verstehen wir einfache und mittelschwere Straftaten, wie Diebstahls- und Betrugsdelikte sowie Sachbeschädigungen", erläuterte der Leiter der Kriminaldirektion, Klaus Blaesing. Der Kriminaldirektor hob hervor, dass schwere Kriminalitätsformen wie Tötungs-, Rohheits- und Sexualdelikte nur einen Anteil von rund 10% an der Gesamtkriminalität ausmachen und betonte in seiner differenzierten Analyse, dass erst eine mehrjährige Betrachtung der Entwicklungen qualifizierte Aussagen zu den Kriminalitätsbelastungen zulassen. (Grafik 3)

Gewaltkriminalität

Die Gewaltkriminalität berührt das Sicherheitsgefühl der Bürger in besonderer Weise. Hierunter fallen neben schweren Kriminalitätsformen (z. B. Tötungsdelikte, Raubstraftaten, Geiselnahmen und Sexualdelikte) weit überwiegend Körperverletzungsdelikte. Die unter diesem Summenschlüssel erfassten Fälle veränderten sich spürbar von 1.859 um -179 (-9,6%) auf nunmehr 1.680 Delikte. (Grafik 4) Die Polizei konnte rund dreiviertel dieser Taten (73,2%) aufklären. In diesem Sachzusammenhang wies Blaesing auf die besonders erfreuliche Entwicklung bei den Straftaten gegen das Leben (Mord, Totschlag etc.) hin, die seit vier Jahren kontinuierlich zurückgehen und mit 29 Delikten die niedrigste Fallzahl der letzten 15 Jahre aufweisen. Alle (100%) erfassten Tötungsdelikte wurden von den Ermittlern aufgeklärt!

Der klassische Banküberfall spielte auch im Jahre 2012 nur eine untergeordnete Rolle. Im abgelaufenen Jahr gab es lediglich fünf solcher Taten, von denen zwei aufgeklärt werden konnten. Der Schwerpunkt hat sich bei bewaffneten Raubüberfällen bereits in den vergangenen Jahren auf kleinere Geschäfte und Tankstellen verlagert, wobei sich in diesem Deliktsbereich ein deutlicher Rückgang von 25 auf 16 Fälle und damit um - 36% ergab.

Fallbeispiel:

"In den Schlagzeilen der Medien fand sich im Berichtsjahr beispielsweise auch eine spekta¬kuläre Serie von Raubüberfällen auf Offenbacher Tankstellen, die inzwischen geklärt ist", so Kripochef Blaesing. Der mutmaßliche Täter, ein 42-jähriger Drogensüchtiger, wurde nach umfangreichen Ermittlungen Ende Oktober in seinem Frankfurter Unterschlupf festgenommen. Der dringend tatverdächtige Wohnsitzlose, der erst im Frühjahr nach Verbüßung einer Haftstrafe wegen verschiedener Räubereien aus dem Gefängnis gekommen war, hatte nach eigenem Eingeständnis insgesamt sechsmal Tankstellen im südlichen Stadtgebiet überfallen; ein weiterer Raub auf einen Einkaufsmarkt in der Schäferstraße blieb erfolglos. "Seither sitzt der 42-Jährige, dem überdies auch zwei Überfälle auf Tankstellen in Kassel zur Last gelegt werden, in Untersuchungshaft", wusste der Kriminaldirektor zu berichten.

Mehr als die Hälfte der Gewaltstraftaten entfallen auf den Straßenraub und die gefährlichen und schweren Körperverletzungsdelikte auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen, deren Entwicklung nachfolgend genauer betrachtet wird.

Straßenraub

PP Südosthessen:

Beim Straßenraub ging die Zahl der erfassten Delikte von 395 Fällen im Vorjahr um -62 (-15,7%) auf nunmehr 333 zurück. (Grafik 5) Den Ermittlern der Kripo gelang es 38,1% dieser Taten aufzuklären.

Stadt Hanau:

Sehr positiv stellt sich im Berichtsjahr die Entwicklung in der Stadt Hanau dar. Von 72 in 2011 sank die Zahl der Straßenraube um ein Drittel, nämlich um -24 (-33,3%) auf nunmehr 48. (Grafik 5.3) Knapp 40 Prozent der Straßenraube (39,6%) konnten von den Ermittlern aufgeklärt werden.

Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau):

Anders im übrigen Main-Kinzig-Kreis; hier stiegen die Werte beim Straßenraub in 2012 leicht an. Wo im Vorjahr noch 52 Straßenraube erfasst wurden, schlagen aktuell mit 56 Fällen +4 Delikte mehr (+7,7%) zu Buche. (Grafik 5.4) Die Aufklärungsquote in diesem Bereich liegt bei 35,7%.

Gefährliche und schwere Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen

PP Südosthessen:

Eine signifikante Abnahme von fast zehn Prozentpunkten verzeichnete die Polizei bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungsdelikten auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen. Auf die Gesamtbehörde bezogen wurden mit 554 Delikten insgesamt -61 -9,9%) dieser Straftaten weniger als im Vorjahr (615) gezählt. Dieser Abwärtstrend zeigt sich auch im mehrjährigen Vergleich: Seit dem Spitzenwert in 2007 mit 712 Fällen sinken die Fallzahlen kontinuierlich (-22,2%). (Grafik 6) Die hohe Aufklärungsquote von 77,4% belegt, dass sich Täter und Opfer oftmals kennen.

Stadt Hanau:

Eine deutlich bessere Entwicklung registrierte die Polizei im Jahresvergleich in der Stadt Hanau. Hier sanken die Fallzahlen von 91 in 2011 um -13 Delikte (-14.3%) auf 78. (Grafik 6.3) 83,3% dieser Taten wurden durch die Hanauer Ermittler aufgeklärt.

Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau):

Den prozentual höchsten Rückgang weist die Statistik für den übrigen Main-Kinzig-Kreis aus und bestätigt damit den seit 2007 andauernden positiven Trend. Von 149 Fällen im Vorjahr sank die Zahl der Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen um -34 -22,8%) auf nur noch 115 im Berichtsjahr. (Grafik 6.4) Zu 80,0% konnten die Taten geklärt werden.

Einbrüche in Geschäftsräume (Dienst-, Büro, Fabrikations- und Lagerräume)

PP Südosthessen:

Die Zahl der Geschäftseinbrüche stieg leicht an. Im Jahresvergleich erhöhte sich die Fallzahl von 1.114 in 2011, um +25 (+2,2%) auf 1.139 im Berichtsjahr, was im langjährigen Vergleich einem mittleren Rang entspricht. (Grafik 7) Ingesamt klärten die südosthessischen Ermittler 13,3% der Fälle auf.

Stadt Hanau:

Einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, nämlich von 154 (+16 Fälle, bzw. +10,4%) auf nun 170 Geschäftseinbrüche zeichnet die Kriminalstatistik für die Stadt Hanau aus. (Grafik 7.3) Die Aufklärungsquote beträgt hier 11,8%.

Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau):

Einen leichten Rückgang können wir hingegen bei den Geschäftseinbrüchen im übrigen Main-Kinzig-Kreis vermelden. Hier schlagen insgesamt 343 Taten zu Buche. Das sind -4 (-1,2%) weniger als noch im Vorjahr (347). (Grafik 7.4) 13,1% dieser Geschäftseinbrüche konnten die Ermittler aufklären.

Wohnungseinbrüche

(Diebstahl unter erschwerten Umständen in/aus Wohnungen)

PP Südosthessen:

Einen Anstieg weist die Kriminalstatistik bei den Wohnungseinbrüchen aus. In der Gegenüberstellung zu 2011 (1.869 Fälle) stieg die Fallzahl um +255 (+13,6%) auf ak¬tuell 2.124 solcher Einbrüche. Im mehrjährigen Vergleich ist dies ein durchschnittlicher Wert. (Grafik 8) Auf hohem Niveau bewegt sich die Zahl der geklärten Fälle. Sie stieg deutlich auf nunmehr 25,8 %, was - historisch betrachtet - im langjährigen Vergleich der höchsten Aufklärungsquote entspricht.

Stadt Hanau:

Eine Steigerung um 15,5% gilt es auch für das Stadtgebiet Hanau zu vermelden. Nach 219 Fällen im Jahr 2011 schlagen im Berichtsjahr leider wieder 34 Fälle mehr (253 Fälle) zu Buche. (Grafik 8.3) Die Aufklärungsquote liegt bei 20,9%.

Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau):

Deutlich geringer ist der prozentuale Anstieg der Wohnungseinbrüche im übrigen Main-Kinzig-Kreis. Mit 493 erfassten Delikten fiel das Plus von +16 (+3,4%) im Vergleich zum Vorjahr (477 Fälle) in diesem Deliktsfeld regional betrachtet am geringsten aus. (Grafik 8.4) In 21,5% der Fälle konnten die Tatverdächtigen ermittelt werden. Das ist ein Rekord bei der Aufklärungsquote im Main-Kinzig-Kreis.

Polizeipräsident Ullmann erläuterte dazu: "Nachdem im vergangenen Jahr die Fallzahlen der Wohnungseinbrüche gesunken waren, stellt sich der aktuelle Jahresvergleich nun anders dar. Insoweit ist die Prognose der letzten Pressekonferenz auf der Basis der unterjährigen Betrachtung leider einge¬treten, denn die Zahl der Wohnungseinbrüche hat wieder zugenommen." Der Polizeipräsident wies in diesem Zusammenhang auf die umfangreichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität hin, die im vergangenen Jahr fortentwickelt wurden: Beamte des Tatortkommissariats kümmern sich zentral um den "Ersten Angriff", d.h., sie nehmen den Sachverhalt auf, sichern sofort Spuren (Fingerabdrücke, Werkzeug- und DNA-Spuren) befragen Nachbarn und suchen nach Zeugen. Die anschließende Sachbearbeitung der Einbrüche wurde mit einer stärkeren täterorientierten Komponente versehen, die Sachfahndung verstärkt und dadurch auch mehr Augenmerk auf die Hehler gelegt. Mit gezielten Kontrollen an den typischen An- und Abfahrtsstrecken wird das Risiko für Straftäter erhöht, entdeckt zu werden. Das schreckt ab! Denn immer wieder sind es osteuropäische Einbrecherbanden, die die sehr guten Verkehrsanbindungen in der Region ausnutzen, um auf gezielten Beutezug zu gehen und sich anschließend sofort wieder ins Ausland absetzen. "Sehr viele Tatorte liegen in Wohngebieten entlang der Fernstraßen und Autobahnen", berichtete der Polizeipräsident. Aber auch örtliche Täter, die zum Teil gewerbsmäßig auf Einbruchtour gehen oder zur Finanzierung ihrer Drogensucht stehlen, beschäftigen die Ermittler.

"Eine weitere wichtige Komponente ist die Einbruchsprävention", stellte Ullmann heraus und ergänzte: "Bei vier von zehn der registrierten Wohnungseinbrüche scheiterten die Einbrecher an den effektiven Sicherheitsvorkehrungen und konnten somit die Tat nicht vollenden. Dieser Wert zeigt, wie wichtig gute Sicherungseinrichtungen sind, denn Einbrecher sind darauf aus, schnell und unbemerkt Beute zu machen. Schaffen sie das nicht und scheitern an gesicherten Türen oder einbruchshemmenden Fenstern, suchen sie schnell das Weite und können so nicht in die Privatsphäre der Bewohner eindringen." Ullmann forderte Haus- und Wohnungseigentümer auf: "Helfen Sie aktiv mit, um Einbrecher aufzuhalten. Sichern Sie Ihr Zuhause wirkungsvoll gegen Langfinger! Unsere Mitarbeiter des Polizeiladens sehen sich gerne Ihre Wohnung oder Ihr Haus an und beraten Sie unabhängig und kompetent!" Sehr wichtig sind für Ullmann auch Hinweise aus der Bevölkerung. Deshalb warb er dafür, verdächtige Beobachtungen umgehend der Polizei mitzuteilen. "Rufen Sie uns bitte umgehend über den Notruf 110 an, wenn Sie Verdacht schöpfen. Jeder Anruf ist hilfreich!"

Fallbeispiel:

Im Sommer 2012 gingen bei den Ermittlern des Offenbacher Einbruchskommissariates wiederholt Hinweise ein, wonach in der Region im Zusammenhang mit Einbrüchen in Tatortnähe jeweils eine Frau mit Hund in Begleitung junger Männer gesehen wurde. Die Recherchen der Kripo ergaben einen stets gleichen modus operandi, nämlich das Aufhebeln von Terrassentüren und kleinen Fenstern mit brachialer Gewalt und die anschließende Wegnahme schnell verwertbarer Sachen, wie Geld, Schmuck, Laptops etc. Nach Auswertung weiterer Hinweise und Spuren konkretisierte sich der Tatverdacht auf eine 31-jährige Frau und drei 17- bis 18-jährige Jugendliche aus Offenbach, die bereits in der Vergangenheit wegen verschiedener Straftaten auffällig geworden waren.

Ende September 2012 erfolgte schließlich die Festnahme der drei drogenabhängigen Männer und der Frau, nachdem zuvor bekannt geworden war, dass sich zumindest zwei Männer in Richtung Amsterdam absetzen wollten. Alle vier waren Hartz IV-Empfänger und hatten keine abgeschlossene Berufsausbildung. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie durch die Begehung von Einbrüchen, aber auch durch Ladendiebstähle (Textilien, Schuhe) auf Bestellung.

Die weiteren Ermittlungen und auch die Aussagen zweier Tatverdächtiger führten bisher zur Klärung von rund 150 Wohnungseinbrüchen, die von der Diebesbande in den vergangenen zwei bis drei Jahren in Offenbach und angrenzenden Kommunen (Mühlheim, Heusenstamm, Obertshausen und Rodgau) begangen wurden. Der dabei entstandene Schaden dürfte deutlich über 300.000 Euro liegen. Die Ermittlungen dauern noch an. Mit Ausnahme des 17-Jährigen wurden alle anderen Beschuldigten in Untersuchungshaft geschickt.

Autoaufbrüche

(Diebstahl unter erschwerten Umständen in/aus Kfz)

PP Südosthessen:

Entscheidenden Einfluss auf die sehr positive Bilanz der Behörde hat insbesondere die Entwicklung bei den Autoaufbrüchen. Der kontinuierliche Rückgang seit Anfang der 90er Jahre, als die Kfz-Aufbrüche noch unangefochtenes TOP-1-Delikt waren, gipfelt dies im Berichtsjahr in einem statistischen Rekord¬tief von nur noch 1.472 Fällen. Im Vergleich zum Vorjahr reduzierte sich die Fallzahl von 2.404 um -932 (-38,8%). (Grafik 9) 27,8% der Autoaufbrüche wurden von den Ermittlern geklärt. Das ist die beste Aufklärungsrate der letzten Jahrzehnte!

Stadt Hanau:

Deutlich rückläufig sind die Zahlen der Fahrzeugaufbrüche auch in der Stadt Hanau. Waren in 2011 noch 270-mal "Automarder" aktiv, sind es im Berichtsjahr -34 weniger (-12,6%). Die Statistiker bilanzierten zum Jahresende im Polizeipräsidium ein Allzeittief von 236 registrierten Delikten. (Grafik 9.3) Ungewöhnlich hoch sind die Aufklärungserfolge: Den Fahndern gelang es mit 48,7% nahezu die Hälfte aller Autoaufbrüche zu klären.

Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau):

Den prozentual stärksten Rückgang gilt es für den übrigen Main-Kinzig-Kreis zu vermelden. Von 435 sank die Zahl der Autoaufbrüche um -200 (-46,0%) auf nur noch 235 Fälle. Auch dies entspricht einer historischen Tiefstmarke. (Grafik 9.4) 30,6% der im Main-Kinzig-Kreis registrierten Fahrzeugaufbrüche tragen den Stempelaufdruck "geklärt!"

Fallbeispiel:

Ein 40-Jähriger aus Großkrotzenburg trat die "Flucht nach vorn" an, wohl in der Hoffnung, durch ein umfassendes Geständnis der Untersuchungshaft entgehen zu können. Der hinreichend bekannte Drogenkonsument war bereits ins Visier der Ermittler des Hanauer K 22 geraten, nachdem gegen ihn schon zu Jahresbeginn 2012 wegen verschiedener schwerer Diebstähle aus Pkw ermittelt worden war. Im Laufe des Jahres erhärtete sich der Verdacht, dass er seine Aktivitäten in gleicher Manier fortsetzt, wobei er offenbar auch im benachbarten Unterfranken sein Unwesen getrieben hatte. Nach drei Kraftfahrzeugaufbrüchen in Hanau und Maintal, im April und Juli 2012, belegten DNA-Spuren seine Täterschaft. Im Zuge der weiteren Auswertungen wiesen ihm die Ermittler über 50 gleichgelagerter Straftaten nach. Seiner bevorstehenden Festnahme kam der Beschuldigte mit seinem Eingeständnis zuvor und räumte aufgrund der erdrückenden Beweislage ein, im Laufe des Jahres insgesamt 56 Pkw in Hanau, Steinheim, Großauheim, Maintal, Großkrotzenburg und Rodenbach aufgebrochen zu haben. Dabei brachte er in fast allen Fällen eine Seitenscheibe zum Zerbersten und stahl offen herumliegende Wertgegenstände wie Mobiltelefone, Taschen, Rucksäcke, mobile Navigationsgeräte, etc. Eine gefundene EC-Karte, die mit der passenden PIN beschriftet war, setzte er an einem Bankautomaten ein und erbeutete dabei 1.000 Euro. Mit dem erlangten Geld finanzierte er auch seinen Drogenkonsum. In seiner Vernehmung signalisierte er, auch zu rund 50 weiteren gleichgelagerten Taten in den Jahren 2010 und 2011 aussagen zu wollen. Die Hoffnung auf Haftverschonung musste der Beschuldigte aber aufgeben, denn der Ermittlungsrichter beim AG Hanau erließ einen Haftbefehl und schickte den 40-Jährigen bis zu seinem Strafprozess in Untersuchungshaft.

Fahrraddiebstahl

PP Südosthessen:

Seine Position als eines der sogenannten TOP-5-Delikte innerhalb des Polizeipräsidiums Südosthessen hat der Fahrraddiebstahl im vergangenen Jahr verloren, erläuterte der Leitende Polizeidirektor Alexander König. Mit 2.389 Fällen im Jahr 2012 (4,7% des Gesamtfallaufkommens der Behörde) ist erneut ein Rückgang zu verzeichnen. Von 2.734 Delikten im Vorjahr sank die Zahl der Velo-Diebstähle um -345 Fälle (-12,6%). (Grafik 10) Beachtlich ist die ungewöhnlich hohe Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich von 17,6%. "Damit sind wir bei der Klärung der Fahrraddiebstähle landesweit führend", stellte der Leiter der Abteilung Einsatz heraus und ergänzte: "Das in 2009 umgesetzte Konzept zur Bekämpfung des Fahrraddiebstahls hat auch 2012 wieder zu spürbaren Erfolgen geführt. Erfolgsfaktoren sind die individuelle Kennzeichnung von Fahrrädern, die regionalisierte Sachbearbeitung und eine operative Komponente in Form verstärkter und gezielter Kontrollmaßnahmen."

Stadt Hanau:

Deutlich rückläufige Zahlen sind auch in der Stadt Hanau zu verzeichnen. Mit 301 erfassten Fahrraddiebstählen wurden nicht nur -52 Fälle (-14,7%) weniger Delikte als im Vorjahr (353 Fälle) gezählt, sondern zugleich auch die niedrigste Fallzahl der letzten fünfzehn Jahre erzielt. (Grafik 10.3) Einen absoluten Spitzenwert wirft die Statistik in der Rubrik Aufklärung aus. 22,9% der in Hanau gemeldeten Fahrraddiebstähle konnten geklärt werden.

Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau):

Von 481 in 2011 sank der Wert der im Berichtsjahr angezeigten Fahrraddiebstähle im übrigen Main-Kinzig-Kreis deutlich um -94 Fälle (-19,5%) auf 387 Delikte. (Grafik 10.4) Den Stempel "geklärt" tragen 15,0% der Fälle.

Fallbeispiele:

39 Fahrraddiebstähle konnten die Ermittler einem 18-Jährigen aus Offenbach nachweisen. Der Deutsch-Jordanier geriet in den Fokus der Beamten des Sachgebietes Fahrrad, nachdem er mehrfach einschlägig in Erscheinung getreten war. Er stahl im Stadtgebiet Offenbach aber auch in Dietzenbach, Mühlheim und Neu-Isenburg unzureichend gesicherte Velos und machte sie umgehend zu Geld. Nach eigenen Angaben will er die Fahrräder für 20 bis 50 Euro in Frankfurt an ihm unbekannte Osteuropäer verkauft und mit dem Erlös seinen Lebensunterhalt bestritten haben.

Ein deutlich umfangreicheres Ermittlungsverfahren gegen zwei Hanauer im Alter von 20 und 25 Jahren konnte gleichfalls erfolgreich abgeschlossen werden. Die überwiegend in Hanau und im Ostkreis Offenbach aktiven Männer hatten sich über einen längeren Zeitraum auf den Diebstahl hochwertiger Fahrräder spezialisiert. Mit Hilfe eines Bolzenschneiders wurden die Schlösser geknackt. Die insgesamt 140 gestohlenen Fahrräder wurden später an Hehler oder auf Flohmärkten verkauft, um mit dem Erlös den Drogenkonsum zu finanzieren.

Internetkriminalität

Bei der Entwicklung der Internetkriminalität zeichnet sich im Jahresvergleich ein leichter Rückgang ab. Konkret sanken die Fallzahlen von 2.763 Delikten in 2012 um -103 (-3,7%) auf nunmehr 2.660 registrierte Straftaten. (Grafik 11) Die Aufklärungsquote betrug sehr hohe 90,7 Prozentpunkte. Dabei war sich Kriminaldirektor Blaesing bewusst: "Wir haben gerade bei der Internetkriminalität ein enorm hohes Dunkelfeld. Die uns vorliegenden Zahlen spiegeln ganz sicher kein realistisches Bild wider". Das Internet hat Zukunft - auch bei den Ganoven, die mit immer neuen Maschen versuchen, dieses Medium für kriminelle Machenschaften zu nutzen!" Umso mehr Bedeutung fällt nach Überzeugung der Experten neben den Ermittlungen in den Fachdienststellen und dem Internetkommissariat ZK 50, insbesondere der Vorbeugung zu.

"Unser neuer Internetberater Kriminalhauptkommissar Markus Wortmann hat sich hervorragend etabliert", ergänzte Polizeipräsident Ullmann und wies auf eine öffentliche Fachtagung unter dem Motto "Tatort Internet - Nutzen und Gefahren neuer Medien" hin, die das Polizeipräsidium Südosthessen gemeinsam mit Kooperationspartnern am 18. April 2013 im Bürgerhaus in Dreieich-Sprendlingen veranstalten wird.

Betrugsdelikte

Zum überwiegenden Teil (82,9%) fallen unter den Summenschlüssel der Internetkriminalität Betrugsdelikte, die es nachfolgend näher zu betrachten gilt:

PP Südosthessen:

Mehr als jede fünfte Straftat ist inzwischen ein Betrugsdelikt! Ihr Anteil an der Gesamtkriminalität stieg in der mehrjährigen Betrachtung stetig an. "Damit prägt die Entwicklung der Betrugsdelikte maßgeblich die der Gesamtkriminalität und daran ändert auch der geringe Rückgang in 2012 nichts", betonte Kripochef Blaesing. Im Vergleich zu 2011 liegt die Zahl mit 10.481 registrierten Fällen nur geringfügig, nämlich um -120 (-1,1%) unterhalb der Vorjahresmarke von 10.601 Betrugsdelikten. Dies ist die zweithöchste Fallzahl, die statistisch für das Polizeipräsidium Südosthessen bislang erfasst wurde. (Grafik 12) Nicht alle Betrugsdelikte werden im Internet begangen; fast ein Drittel (30,5 %) der Betrugsdelikte, nämlich 3.201 der registrierten Fälle, entfallen auf die Beförderungserschleichung in Bussen und Bahnen, werden also von sogenannten "Schwarzfahrern" im öffentlichen Verkehr verursacht.

Dass die Betrugsfahnder bei ihren Ermittlungen sehr erfolgreich sind, belegt die hohe Aufklärungsquote von 86,0%. Auch dies ist der historisch zweithöchste Wert.

Stadt Hanau:

Einen deutlichen Anstieg der Betrugsstraftaten im Vergleich zum Vorjahr wirft die Statistik für die Stadt Hanau aus. Waren 2011 noch 1.612 Taten erfasst, so erhöhte sich die Zahl stark um +229 (+14,2%) auf 1.841. (Grafik 12.3) In Hanau liegt die Aufklärungsquote bei hohen 86,5 Prozent.

Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau):

Auf nahezu gleichem Stand blieben die Betrugsdelikte im Jahresvergleich im übrigen Main-Kinzig-Kreis. Von 1.940 Taten im Vorjahr reduzierte sich der Wert der erfassten Fälle lediglich um -8 -0,4%) auf nun 1.932 Betrügereien. (Grafik 12.4) Die Polizei klärte 83,6% der registrierten Fälle auf.

Fallbeispiel:

Einen spektakulären Fall, der über die Landesgrenze hinaus für Furore sorgte, führte Kriminaldirektor Blaesing als Beispiel für die facettenreiche Arbeit der Betrugsermittler an:

Lastwagenweise beschlagnahmten Polizisten im Juli 2012 Druckerpatronen namhafter Hersteller, die offenkundig in Obertshausen in einer riesigen Firmenhalle als "Blender" produziert, gelagert und vertrieben worden waren. Leere Kartuschen wurden hochprofessionell mit minderwertiger Farbe befüllt, mit Hologrammen, Garantiesiegeln und Begleitpapieren versehen und anschließend originalgetreu eingeschweißt und verpackt. Anschließend wurden die Patronen über verschiedene Vertriebskanäle in den Handel gebracht. Der wirtschaftliche Schaden belief sich auf mehrere Millionen Euro. Bis dahin wurden derartige Falsifikate stets im Ausland, meist im fernen Asien, hergestellt. Dass sich eine Produktionsstätte für gefälschte Druckerpatronen mitten in Deutschland befindet, war auch für die Offenbacher Betrugsermittler eine neue Erkenntnis. Die monatelangen Ermittlungen begannen bereits Anfang 2012, als verstärkt Druckerpatronen auf dem Markt auffielen, die sich als billige Fälschungen entpuppten. Die Rückverfolgung der Vertriebswege führte dann schließlich zu der Firma in Obertshausen. Nachdem ausreichend Verdachtsmomente gegen die zwielichtigen Unternehmer beisammen waren, beantragte die Staatsanwaltschaft in Darmstadt einen Durchsuchungsbeschluss bei Gericht. Neben der Sicherstellung der Plagiate wurden bei der Durchsuchung auch der Geschäftsführer und ein führender Mitarbeiter vorläufig festgenommen. Gegen beide erließ der Haftrichter Untersuchungshaftbefehle, die gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wurden. Die Hauptverhandlung gegen die Beschuldigten steht noch aus.

Sachbeschädigungen

PP Südosthessen:

Ein kleines Plus steht im Vergleich zum Vorjahr vor den registrierten Sachbeschädigungen. Waren in 2011 4.999 Sachbeschädigungen bei der Polizei angezeigt worden, so erhöhte sich die Zahl der registrierten Delikte im Berichtsjahr um +189 (+3,8%) auf 5.188 etwas. (Grafik 13) Damit ist die Sachbeschädigung weiterhin das fallzahlenstärkste Einzeldelikt. Jede zehnte Straftat (10,2%) im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen ist eine Sachbeschädigung! Knapp jede fünfte Sachbeschädigung (19,3%) konnte durch die Ermittler aufgeklärt werden. In rund der Hälfte der Fälle (2.478 Delikte => 47,8%) waren Kraftfahrzeuge die von Sachbeschädigungen betroffenen Objekte. Auffallend ist die Zunahme der Farbschmierereien. Sie stiegen von 553 Delikten im Vor¬jahr um +251 (+45,4%) auf nunmehr 804 registrierte Fälle.

Fallbeispiel:

Nachdem eine Zeugin im September in Hanau zwei junge Männer dabei beobachtet hatte, wie diese Verteilerkästen und Telefonzellen mittels Schablonen mit den Worten "wake up" und "free earth" besprühten, konnten die beiden 20 und 23 Jahre alten Männer ermittelt werden. Der ältere der beiden hatte mit seinem iPhone die Herstellung gefilmt und unter anderem auch Passanten befragt, um ein objektives Urteil bezüglich seiner Fähigkeiten zu erhalten. Letztlich konnten den beiden einschlägig amtsbekannten Männern 27 Fälle nachgewiesen werden. Einsicht hinsichtlich des Unrechtgehaltes ihres Tuns war gleichwohl nicht festzustellen.

Stadt Hanau:

Unerfreulich ist auch die Entwicklung in der Stadt Hanau. 615 Sachbeschädigungen in 2011 stehen 702 im Berichtsjahr gegenüber. Der Anstieg beträgt somit +87 Fälle (+14,1%). (Grafik 13.3) 23,4 Prozent der registrierten Delikte konnten aufgeklärt werden.

Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau):

Statistisch nahezu bedeutungslos sind die Veränderungen der Zahlen von Sachbeschädigungen im übrigen Main-Kinzig-Kreis. Binnen eines Jahres weist die Statistik einen margi¬nalen Rückgang von 1.480 um -2 Delikte (-0,1%) auf nunmehr 1.478 Fälle aus. (Grafik 13.4) 16,3 Prozent der registrierten Sachbeschädigungen konnten aufgeklärt werden.

Jugendkriminalität

Die Straftaten, die von Tatverdächtigen unter 21 Jahren begangen werden, erfasst die Polizei unter dem Begriff Jugendkriminalität. Zu den jugendspezifischen Delikten zählen insbesondere einfache Diebstahlsdelikte (Laden- / Fahrraddiebstahl), Sachbeschädigungen sowie Körperverletzungs- und Raubstraftaten. Ein Blick auf die Entwicklung der Tatverdächtigtenstruktur der letzten 10 Jahre zeigt eine positive Tendenz bei Kindern und Jugendlichen. Polizeipräsident Ullmann dazu: "Waren im Jahr 2003 noch 4,6% aller ermittelten Tatverdächtigen unter 14 und somit im Kindesalter, so reduzierte sich der Anteil im Berichtsjahr auf 2,7 Prozent. Bei den Jugendlichen (14 bis unter 18 Jahre alt) sank der prozentuale Anteil in diesem Zeitraum von 11,0% auf aktuell 9,5%. Anders die Entwicklung bei den Heranwachsenden (18 bis unter 21 Jahre alt). Hier stieg der Anteil der ermittelten Tatverdächtigen von 9,0% im Jahr 2003 auf aktuell 10,2%". (Grafik 14)

Die Ursachen für Jugendkriminalität sind von unterschiedlichen Faktoren abhängig und nicht selten episodenhafte Phänomene während der Pubertät. Mit gezielter Präventionsarbeit lässt sich nach Überzeugung des Polizeichefs eine dauerhafte Reduzierung der Jugenddelinquenz erreichen. Konkret widmet sich die Polizei landesweit mit dem Programm BASU21 (Besonderes auffällige Jugendliche unter 21 Jahren) der Bekämpfung von Jugendkriminalität.

Derzeit befinden sich 25 junge Männer und zwei Frauen im Programm BASU21 des Polizeipräsidiums Südosthessen. In enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft werden von den Beamten Kontakte zu Jugendämtern, Sozial- und Ausländerbehörden oder Schulen und den Familien aufgenommen, um qualifizierte Erkenntnisse in die Ermittlungen einbringen und Prognosen im Hinblick auf die weitere kriminelle Karriere der Beschuldigten stellen zu können. "Die darauf basierenden Präventivgespräche sind in aller Regel sehr erfolgreich", stellte Ullmann fest und belegte, dass nach polizeilichen Erkenntnissen die Hälfte dieser Jugendlichen bislang nicht wieder straffällig wurde. Im Berichtsjahr wurden von den Ermittlern mehr als 120 Gesprächsrunden (Runde Tische, Fallkonferenzen, Gespräche mit Jugendämtern/Jugendhilfe, Familiengespräche u.ä.) geführt.

Vor diesem Hintergrund freut sich der Polizeipräsident, dass die Verantwortlichen der Stadt Offenbach derzeit die Möglichkeiten zur Einrichtung eines Hauses des Jugendrechts eingehend prüfen.

Als eine weitere Möglichkeit, um einem dauerhaften Abgleiten junger Menschen in kriminelle Strukturen entgegenzuwirken, nennt der Polizeipräsident das Projekt "Gelbe Karte", das bereits in Wiesbaden, Fulda und Gießen erfolgreich läuft. Straffällig gewordenen Jugendlichen soll mit der "Gelben Karte" eine Warnung vor einem drohenden Verlust der Fahrerlaubnis erteilt werden. "Die bislang gemachten Erfahrungen zeigen, dass Gewalttäter, die um ihren Führerschein fürchten, diese Botschaft verstehen und sehr oft auf den rechten Weg zurückfinden", betonte Ullmann.

Täterorientierte Ermittlungen

Neben der Prävention ist aber auch eine nachhaltige Repressionsarbeit gerade bei Mehrfach- und Intensivtätern wichtig, denn nicht selten begehen wenige Täter eine große Anzahl von Straftaten. Diesen "MIT" widmet sich die Polizei in den beiden täterorientiert ausgerichteten Regionalkommissariaten K 35 für Stadt und Kreis Offenbach sowie für Hanau und den übrigen Main-Kinzig-Kreis. In 2012 waren im Bereich der regionalen Kriminalinspektion (RKI) Offenbach 80 Erwachsene und 33 Jugendliche oder Heranwachsende im MIT-Programm. Das K 35 der RKI Main-Kinzig befasste sich im MIT-Programm mit 27 Erwachsenen sowie 16 Jugendlichen oder Heranwachsenden.

Wie erfolgreich die Arbeit in den Kommissariaten für täterorientierte Ermittlungen im vergangenen Jahr war, belegte Kripochef Blaesing anhand zweier Beispiele:

So führte etwa das für den Main-Kinzig-Kreis zuständige K 35 im Juli 2012 ein umfangreiches Ermittlungsverfahren wegen Bandendiebstahls gegen eine siebenköpfige Tätergruppe. Den 15 bis 19 Jahre alten Jugendlichen konnten letztlich 34 Straftaten, darunter 27 Motorrollerdiebstähle, nachgewiesen werden. Die Motorroller entwendeten sie entlang der Eisenbahnlinie Fulda - Frankfurt, insbesondere im Umfeld des Bahnhofes Gelnhausen. Das Amtsgericht Gelnhausen hat die Bandenmitglieder inzwischen zu Jugendstrafen zwischen 16 Monaten und zwei Jahren verurteilt und bis zu 150 Arbeitsstunden verhängt.

Zu Jahresbeginn 2012 ermittelte das K 35 Offenbach gegen fünf Mehrfach- und Intensivtäter wegen schweren Raubes. In diesem Zusammenhang ergaben sich Hinweise auf mehrere Wohnungs- und Geschäftseinbrüche, die von der Tätergruppe seit Oktober 2011 im Stadtgebiet Offenbach und den angrenzenden Kommunen begangen worden waren. Da zumindest vier Personen aus diesem Kreis nicht als "unbeschriebenen Blätter" galten, erkannte der Ermittlungsrichter wegen Wiederholungsgefahr auf Untersuchungshaft. Mittlerweile erfolgten Verurteilungen zu Freiheitsstrafen zwischen neun Monaten und knapp zwei Jahren. "Insgesamt führten die Ermittlungen der beiden Regionalkommissariate im vergangenen Jahr zum Erlass von 62 Haftbefehlen, darunter 40 gegen Mehrfach- und Intensivtäter", resümierte Blaesing.

Analyse

"Die aktuelle Kriminalstatistik ist ein Beleg dafür, dass sich die Sicherheit für die Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Region weiter deutlich verbessert hat", analysierte Polizeipräsident Ullmann das aktuelle Zahlenwerk. (Grafik 15)

Der deutliche Rückgang der Gewaltkriminalität (-9,6%) und insbesondere der in der Öffentlichkeit begangenen schweren und gefährlichen Körperverletzungen (-9,9%) erfreuten den Polizeichef besonders.

Eine besondere Herausforderung sieht der Polizeipräsident in der Bekämpfung der Einbruchskriminalität. Wir sind fest entschlossen, die Geschäfts- und Wohnungseinbrüche wieder deutlich zurückzudrängen. Die beim Wohnungseinbruch weit über dem landesdurchschnitt liegende Aufklärungsquote von 25,8% lässt hoffen, dass mit der erfolgreichen Ermittlung und Festnahme der Einbrecher auch die Fallzahlen wieder auf einen Abwärtstrend zurückgeführt werden können.

Sehr zufrieden konnte die Polizei mit der kräftigen Abnahme der Pkw-Aufbrüche sein. Der geringsten Fallzahl der letzten Jahrzehnte steht eine gute Aufklärungsrate gegenüber!

Wie deutlich messbar sich strategische Überlegungen bei der Kriminalitätsbekämpfung in Zahlen auswirken können, belegt der Fahrraddiebstahl. Neben dem Zurückdrängen der Fallzahlen stellte der Polizeipräsident die ungewöhnlich hohe Aufklärungsquote heraus.

Das hohe Niveau im Bereich des Betruges macht deutlich, dass Straftaten immer mehr vom Schreibtisch aus - insbesondere unter Nutzung des Internets - begangen werden. Hier liegen klar die Arbeitsschwerpunkte der zukünftigen Kriminalitätsbekämpfung!

Fazit

Die historisch höchste Aufklärungsquote im Polizeipräsidium Südosthessen belegt nach Überzeugung des Polizeichefs das ausgesprochen gute Engagement sowie die hohe Motivation seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen er öffentlich Dank und Anerkennung aussprach. "Wichtig für eine erfolgreiche Polizeiarbeit sind aber auch die Rahmenbedingungen, die uns die Politik vorgibt", betonte Ullmann und dankte den Verantwortlichen der Landesregierung ausdrücklich dafür, dass mit der Sicherheitsoffensive - insbesondere durch Zuweisung von mehr Personal und Bereitstellen modernster technischer Ausstattung - eine ausgezeichnete Basis für diese Erfolge geschaffen wurde.

"Es ist uns erneut gelungen, die Kriminalitätszahlen merklich nach unten zu drücken und die Erfolgsgeschichte der letzten Jahre fortzuschreiben", hob Polizeipräsident Roland Ull¬mann abschließend hervor.


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