Unwetter: In Niedermittlau wurden Erinnerungen wach

Blaulicht

Das Unwetter hat am Dienstag erstmals auch den Altkreis Gelnhausen erheblich getroffen. Dass Keller vollliefen, war fast schon normal, dass allerdings gleich eine ganze Autobahn gesperrt werden musste, war auch für die Einsatzkräfte neu. Besonders schlimm erwischte es den Hasselrother Ortsteil Niedermittlau, hier wurde bis in die Morgenstunden gekämpft, damit die Wassermassen nicht tiefer in den Ort vordrangen.

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Was Hochwasser anrichten kann, können die älteren Niedermittlauer aus den Jahren 1975 und 1981 erzählen, als mit Schlauchbooten durch die Straßen gefahren wurde. So schlimm war es in der Taunusstraße diesmal noch nicht, allerdings waren es wieder außergewöhnliche Regenfälle, die dafür sorgten, dass das Wasser aus dem Birkigsbach über die Felder zu den Wohnhäusern strömte. Die von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz auf dem Hof der Niedermittlauer Wehr befüllten 1.000 Sandsäcke waren schnell verbraucht, Nachschub kam aus Wächtersbach und Hanau. Der Sand wurde von Spielplätzen oder Baustellen organisiert – der Hochwasserschutz ging in diesem Fall vor. Aus Gründau wurde eine besonders leistungsfähige Pumpe angefordert. An der Einsatzstelle war auch Vize-Bürgermeisterin Uta Böckel (SPD), die gemeinsam mit Bauamtsleiter Matthias Rösch die kritischen Stellen begutachtete.

Zirka 100 Einsatzkräfte wurden in der Taunusstraße gezählt, die letzten waren erst um 4.30 Uhr im Bett. Los ging es in Hasselroth bereits kurz nach 18 Uhr, als die ersten Keller vollgelaufen waren. Das DRK übernahm zwischenzeitlich die Versorgung mit Essen und Getränken, in den späteren Abendstunden wurde ein Teil der Hasselrother Einsatzkräfte von Kameraden aus Freigericht abgelöst. Dabei hatten die in ihrer Gemeinde auch genug zu tun: In Altenmittlau blieb der zwischenzeitlich befürchtete Dammbruch dank vieler Sandsäcke am Kalksteinbruch zwar aus, dafür wurde in Horbach die Straße „Im Hahmefang“ zu einem reißenden Fluss. Ein dicke Schlammschicht lag hier noch am Mittwochmorgen auf dem Asphalt. Schwimmende Kanaldeckel waren unterdessen in allen Freigerichter Ortsteilen am Dienstagabend fast schon die Regel.

In Gelnhausen machte ausgerechnet die Autobahn die größten Probleme: Nach dem es zuletzt auf dem Abschnitt zwischen Gründau-Rothenbergen und Langenselbold zu Überschwemmungen kam (war auch am Dienstag wieder so), lief kurz nach 20 Uhr in Höhe der Anschlussstelle Gelnhausen-West plötzlich die Fahrbahn voll. Die beiden Spuren in Richtung Fulda mussten von Gründau-Lieblos ab gesperrt werden und konnten erst über drei Stunden später wieder freigegeben werden. Weitere Einsätze folgten im Anschluss in Gelnhausen nicht mehr, die 36 bis dahin abgearbeiteten Einsatzstellen nahmen allerdings bereits genügend Zeit in Anspruch.

Aufgezogen war das Unwetter am Dienstagnachmittag zunächst über Hanau und Maintal. Dort waren die Feuerwehren ab 16 Uhr im Einsatz, in beiden Städten wurden insgesamt über 100 Einsätze gezählt. In Maintal mussten die Kreisstraße 857 zwischen dem Abzweig nach Hochstadt und Hohe Tanne beide Fahrtrichtungen gesperrt werden, weil dort einige Bäume umzukippen drohten. Somit mussten die Feuerwehren hier auch am Mittwoch nochmals ausrücken, um Unwetterschäden zu beseitigen.

Vorbei sind die Wetterkapriolen damit wohl noch nicht: Am Mittwochnachmittag musste auf der A66 zwischen Gründau-Lieblos und Langenselbold der rechte Fahrstreifen wegen Überflutungen gesperrt werden. Der Verkehr staute sich teilweise bis zu sieben Kilometer in Richtung Gelnhausen zurück. Und da die Wetterexperten vor allem für Freitag weitere starke Regenfällen vorhersagen, füllten die Einsatzkräfte ihre Fahrzeuge umgehend wieder auf, um für die nächsten Wassermassen bereit zu sein.


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