Die unterschiedlichen Formen von Essstörungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen waren das Thema eines Vortrages, den Ulrike Bock, Referentin am „Frankfurter Zentrum für Essstörungen“, vor interessierten Lehrerinnen und Lehrern des Lichtenberg-Oberstufengymnasiums in Bruchköbel hielt.
Zuerst nannte die Referentin einige beunruhigende Zahlen: Über die Hälfte aller Jugendlichen zwischen 13 und 14 Jahren wollten dünner sein bzw. besser aussehen. Ein auffälliges Essverhalten legten nahezu 22% aller 11- bis 17-Jährigen an den Tag, wobei bei den Jungs eine steigende Tendenz zu verzeichnen sei, so Bock.
Unterschieden werden müsse zwischen der Magersucht, der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) sowie der in Anfällen auftretenden Esssucht (Binge Eating Disorder). Während man Magersucht und Esssucht am extremen Unter- bzw. Übergewicht äußerlich erkennen könne, sei dies bei der Bulimie kaum möglich, da hier in der Regel keine auffälligen Veränderungen im Körpergewicht sichtbar würden. Allerdings verweise Mager-Sein nicht gleich auf eine Magersucht und Übergewicht nicht gleich auf eine Esssucht, wie die Referentin weiter ausführte.
Besonders wichtig sei es für Angehörige, aber auch für Lehrer, die Warnsignale für Essstörungen rechtzeitig zu erkennen. Ulrike Bock nannte hier auffällige Hinweise im Essverhalten, die Einstellung zum eigenen Körper sowie den sozialen Rückzug der Betroffenen. Wo aber liegen die Ursachen für Essstörungen? Laut der Referentin stellten Essstörungen immer einen (untauglichen) Lösungsversuch für tiefer liegende Probleme dar. Oft gehe es um Abgrenzungsversuche, Angst vor Kontrollverlust oder auch um eine Form des Hilferufs. Die von der Werbung und den in den Medien allgegenwärtigen Casting-Shows transportierten Idealbilder des menschlichen Körpers übten einen zusätzlichen Druck auf gefährdete Jugendliche aus.
Das Lehrerkollegium des LOG beschäftigte neben den Warnsignalen natürlich besonders die Frage nach dem Umgang mit möglichen Betroffenen. Hierfür empfahl Ulrike Bock, zunächst eine günstige Gesprächssituation abzuwarten, um dann die eigene Wahrnehmung und auch Sorge zu vermitteln. Keinesfalls solle man Diskussionen über gesundes Essverhalten eröffnen und müsse in jedem Fall auch mit Abwehr rechnen, die es in erneuten Gesprächsanläufen zu überwinden gelte. Auch müsse auf professionelle Hilfe verwiesen werden, denn jeder Betroffene sei für sich selbst verantwortlich und brauche unbedingt eine solche Hilfe.
Die Referentin verwies in diesem Zusammenhang auf die Angebote des „Frankfurter Zentrums für Essstörungen“ (www.essstoerungen-frankfurt.de), insbesondere die über www.essfrust.de angebotene Internetberatung sowie die kostenlose Beratungssprechstunde dienstags von 15 bis 16 Uhr.
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