„3 Mal Liebe“ – so lautete das verbindende Motto einer dreiteiligen Theaterinszenierung der Kurse ‚Darstellendes Spiel‘ der Jahrgangsstufe 12 des LOG unter der Leitung von Anastasia Drakopoulos, Julia Jilg und Sophie Söll dieser Tage im Bürgerhaus Bruchköbel.


Den Auftakt bildete die „Lysistrata“ des griechischen Komödiendichters Aristophanes, der sein Stück 411 v. Chr. auf die Bühne brachte, um ein Zeichen gegen den schon seit über 20 Jahren tobenden Peloponnesischen Krieg zwischen Athen und Sparta sowie den jeweiligen Verbündeten zu setzen. Die Idee: Die Frauen aller Kriegsparteien treten -angeführt von der Athenerin Lysistrata- in den Liebesstreik, um ihre dementsprechend sexuell ausgehungerten Männer endlich zur Vernunft, also zum Frieden zu bringen. Die Inszenierung der Schülerinnen und Schüler stellte auf mehreren Ebenen einen Aktualitätsbezug her. So wurde das Stück etwa von einer „Heute-Show“-Moderatorin an- und abmoderiert, die auf die gegenwärtige Schuldenkrise hinwies. Gesang- und Tanzeinlagen lockerten den antiken Stoff ebenso auf wie die teilweise Verwendung moderner Alltagssprache, etwa wenn Lysistrata ihren Geschlechtsgenossinen zuruft: „Ei ja, da habt Ihr’s doch! Und wenn ich einen Weg vom Krieg in den Frieden wüsste?“
Weniger lustig ging es nach der Pause weiter: „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind wurde 1906 uraufgeführt und sorgte sogleich für einen handfesten Skandal. Das vom Autor als „Kindertragödie“ bezeichnete Stück dreht sich um die -vor allem sexuellen- Nöte von Heranwachsenden im alles andere als aufgeklärten wilhelminischen Kaiserreich. Schulischer Leistungsdruck, erste sexuelle Erfahrungen, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Tabuisierung in Vergewaltigung, ungewollter Schwangerschaft, heimlicher Abtreibung und Tod enden, bilden den düsteren Grundton des Werkes, dem die Aufführenden durch ihre atmospherisch verdichtete Inszenierung, geschickte Beleuchtung, Schlagereinlagen und einen betont lapidar auftretenden Erzähler ebenfalls einen beklemmenden Aktualitätsbezug verliehen.
Der letzte Beitrag des Abends, „Die Liebenden in der Untergrundbahn“ von Jean Tardieu, wurde vom Autor in einer Sammlung von Einaktern 1955 veröffentlicht, deren gemeinsames Merkmal das experimentelle Spiel mit Formen des später berühmt gewordenen absurden Theaters ist. Eine zusammenhängende Handlung, logisch aufeinander Bezug nehmende Dialoge, ja überhaupt sinnvolle sprachliche Äußerungen erwartet der Zuschauer vergebens. Statt dessen: ständig wechselndes Personal, eine Menschenmenge in Eile, zufällig aufgeschnappte Gesprächsfetzen von Vorrübergehenden. Erst langsam kristallisiert sich ein potentielles Liebespaar heraus, das allerdings in der gedrängten Anonymität der U-Bahn erst umständlich zueinanderfinden muss. Tanz und ständige Bewegung, die gelegentlich eingefroren wird, bestimmten diese Inszenierung, die den Schülerinnen und Schülern ein Höchstmaß an Konzentration abforderte.
Die Liebenden finden übrigens am Ende zusammen. Der Mann: „Eins, zwei, drei – Liebe!“, und die Frau antwortet ihm: „Eins, zwei, drei – für immer!“ Das zahlreich im Bürgerhaus erschienene Publikum dankte den Aufführenden für ihren professionellen und beeindruckenden Theaterabend mit lang anhaltendem Applaus. Für die Aufführenden und Kursleiterinnen gab es Dankesworte und Blumen für ihren Einsatz.
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