Gedanken aus dem Wartezimmer

Ei Gude wie
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Ich glaube, ich hatte es schon erwähnt, gelegentlich besuche ich Praxen von Ärzten verschiedener Fachrichtungen und verbringe dadurch logischer Weise viel Zeit in den sogenannten Wartebereichen, einfach Wartezimmer genannt.

Beim Arzt anstellen, heißt erst ins Wartezimmer. Schließlich soll der Betrieb geordnet ablaufen. Das Wartezimmer heißt Wartezimmer, weil man darin verweilt, weil man auf den Aufruf wartet: "Herr Müller, bitte!“, oder wenn man eine Nummer gezogen hat ganz einfach: „Der Nächste bitte!“ Aber bei Müller muss noch der Vorname genannt werden, meistens steigen dann zwei Männer auf und schauen sich fragend an, na wer ist denn nun gemeint?

Also bei der Anmeldung arbeite ich auch mit meinem Geburtsdatum und dem Namen meiner Krankenkasse, damit es zu keinen Verwechslungen kommt. Das schreibe ich nicht so daher, sondern ist Folge einer Verwechslung, die ich aufklärte, der Arzt wollte mir aber nicht glauben. Seit dem stehen wir in keiner Geschäftsbeziehung mehr. Alleine hieran könnte ich mich jetzt bis zum Ende abarbeiten. Ich will aber noch im Wartezimmer verweilen, weil es doch viel über die Praxis aussagt. Zunächst die Größe und Einrichtung. Also ich bevorzuge große Warteräume. Da hängt man nicht so aufeinander. Was bei Kranken durchaus auch Sinn macht, wir kennen das durch Corona. Die enge Bestuhlung verschwand. Oder jeder zweite Stuhl war durch Kennzeichnung belegbar. Auch sind jetzt Fenster durchgängig geöffnet.

So manches Wartezimmer sieht aus, als hätte man die Möbel auf dem Flohmarkt erstanden. Alles schon gesehen. Aber, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Solange die Stühle sauber sind und ihrer Funktion entsprechend sicher sind, ist das schon in Ordnung. So nebenbei, wenn sie Ärzte auf Missstände in ihrem Wartebereich ansprechen, sind diese, vorsichtig gesagt, nicht erfreut. Verstehe ich ja auch, unsere Gesundheit liegt ihnen am Herzen und nicht unser Wohlbefinden in den Praxisräumen. Wer das nicht versteht, ist scheinbar krank. Ein Arztbesuch wäre dringend zu empfehlen. Nun denn, wenn alles passt, ist auch eine längere Verweildauer durchaus auszuhalten. Mein Tipp: Bringen Sie immer Zeit mit und was „gescheides“ zum Lesen, es sei denn, die Praxislektüre spricht Sie an. Und, ganz wichtig, legen Sie keine Termine zu eng an Ihren Arztbesuch. Glauben Sie mir, Sie ersparen sich viel Stress und Unannehmlichkeiten. Sicher ist, so scheint es mir, dass noch nicht bei allen Praxisbetreibern angekommen ist, dass es sich bei ihren Patienten oder besser gesagt Klienten um menschliche Wesen handelt, die man eigentlich respektvoll behandeln sollte. Als Kunde werden wir auf jeden Fall nicht gesehen. Schaut man sich die englische Übersetzung von Patienten im Adjektiv an, kommt unten geduldig raus. Ja, Geduld sollte man schon mitbringen.

Dabei kenne ich sehr viele Beispiele, bei denen es anders oder sagen wir besser läuft. Ja, viele haben erkannt, dass der Wartebereich integraler Bestandteil der Praxis ist und als solcher auch gesehen wird. Was im Ergebnis bedeutet, der Kunde Patient soll sich wohl fühlen, solange er warten muss. Und das wir gelegentlich warten müssen, macht doch auch Sinn, den schließlich wollen wir, wenn wir dran sind, auch bestens bedient werden. In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende und bleiben Sie gesund. Ei Gude, wie!

Zum Autor

Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (70) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!