Ralph Turnheim vertont Die Zunge des Zorro

Stummfilm mit Stimme? Ja, das geht und wie! Sogar gereimt! Und das ist unbedingt sehens- und hörenswert! Ralph Turnheim ist Leinwandlyriker und vertont Stummfilme live mit viel Sprachwitz und Wiener Schmäh in selbstgeschriebenen Erzähltexten in Gedichtform. Das findet nicht nur immer mehr Fans, sondern ist das Beste, was man in einer Zeit computergenerierter Blockbuster für bestimmte Stummfilme machen kann, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Der gelernte Schauspieler Turnheim ermöglicht damit auch eine Zeitreise an den Beginn der Stummfilmära, als im Wanderkino Rezitatoren in der Art eines Moritatensängers das Bild kommentierten bzw. die Rollen des Schauspielers mit veränderter Stimme sprachen oder Geräusche imitierten. Neben einem 16-Millimeter-Projektor und einem Spiegel, um das Geschehen auf der Leinwand hinter ihm punktgenau zu verfolgen, braucht Turnheim nur noch den obligatorischen Zorro-Hut auf dem Kopf.

Mit Ironie steigert er bei seinen Reimen die Komik manch pathetischer Szene und gibt dem Streifen eine völlig neue Wahrnehmung. Die Filme gewinnen an Faszination und werden umso mehr als die Meisterwerke gewürdigt, die sie auch heute noch sind. Mit dem ganzen Körper, mal tief dröhnendem Bass, mal säuselndem Sopran, gibt der gebürtige Wiener Turnheim den Personen im Film eine Stimme. Pausenlos, jede Szene, jedes Geräusch, jede Rolle. Damit riss er schon auf etlichen Filmfestivals die Zuschauer zu Lachattacken hin. Ein in Deutschland einmaliges Erlebnis und vielleicht noch intensiver als nur mit Musikuntermalung.