Wie der Spessart nach Frankfurt kam und umgekehrt

Frankfurt
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Schon der Name der örtlichen Gliederung des Spessartbundes in Frankfurt mit aktuell 126 Mitgliedern verrät eine gewisse Kreativität in der Entstehungsphase vor 125 Jahren und Vielfalt in der Vereinsarbeit: „Hochspessartfreunde Rothenbuch 1897 e.V. Frankfurt am Main“.

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Hinter diesem Namen verbirgt sich ein für den Spessartbund einmaliges Konstrukt. Nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges 1870/71 entstand in Frankfurt eine gewissen Natur-Euphorie, die sich in der Gründung eines Vereins „Sektion Hochspessart“ ihren (Wander-)Weg bahnte. Er unterhielt engen Kontakt zu dem „Verein der Spessartfreunde e.V. 1880, Aschaffenburg“. Mit der Eisenbahn ging es auf Exkursionen in den Spessart, wo schließlich am 4. April 1897 nach Zerwürfnissen der Sektion mit dem Aschaffenburger Verein die Sektion aufgelöst wurde der heutige Frankfurter Verein mit 80 Mitgliedern keinesfalls in Frankfurt, sondern in Rothenbuch im Gasthaus „Zum Löwen“ gegründet wurde. Im nächsten Jahr wird in Frankfurt das 125-jährige Bestehen des Vereins gefeiert.

Diese Geschichte erklärt die ungewöhnliche Namensgebung und aus diesem neuen Frankfurter Wanderkeim entwickelte sich letztendlich der gesamte Spessartbund, erläutert Brigitte Franke, die heutige Vorsitzende und Gestalterin eines außergewöhnlich intensiven und vielfältigen Vereinslebens. Mit dabei war Ihr 1868 zufällig in New York geborener Großvater värterlicherseits. Die Gründungsväter waren Handwerker und Gewerbetreibende aus der Frankfurter Mittelschicht.

Es ist beeindruckend was die in Frankfurt-Sachsenhausen geborene Sekretärin, die als Kind bereits mit Eltern und dem Großvater im Spessart mitwanderte, 1961 in den Verein eintrat und 2008 den Vorsitz übernahm, alles auf die Beine stellt. Nach Brigitte Franke sind die tragenden Säulen des Vereins Wandern/Naturerlebnis – Kunst/Geschichte – Geselligkeit. Zu all diesen Themen gibt es ein breites Vereinsangebot. Auf die Frage, wie dieses Engagement in ihr entstanden sei, nimmt sie auf den Großvater mütterlicherseits Bezug: „Das hat mir bestimmt der ‚rote Spund‘, wie mein Opa wegen seiner roten Haare genannt wurde, mit in die Wiege gelegt, denn er war an allem sehr interessieret und ein Sammler“.

Allein der jährliche Wander- und Veranstaltungsplan zeugt von der kreativen und bunten Gesinnung Brigitte Frankes und ihrer Vorstands- und Wanderausschusskolleginnen und -kollegen. Monatliche Wanderungen führen nicht nur in den Spessart, sondern beispielsweise in den Rheingau, die Rhön oder in den Odenwald. Aber immer wieder mal fahren die Vereinsmitglieder zum Geburtsort des Vereins nach Rothenbuch. Für Senioren wird ein eigenes Wanderprogramm angeboten, dass auf ihre Bedürfnisse hin abgestimmt ist. Beliebt ist in Zusammenhang mit dem Wandern die so genannte „Zwölferliste“. In sie tragen sich bei jeder Wanderung die Teilnehmer ein. Wenn für eine/n Wanderer*in das Dutzend in einem Jah voll ist, wird er/sie auf einer Advents- und Auszeichnungsfeier mit einem Waldstrauß und einem Abzeichen belohnt. Wer es sogar auf 50 und mehr Wanderungen bringt, erhält zusätzlich eine Flasche Wein aus dem Frankfurter Weingut in Hochheim. „Diese Mischung aus Naturerlebnis, Kultur und Geselligkeit ist uns wichtig“, sagt Brigitte Franke. Vor jeder Wanderung wird an alle Mitglieder eine ausführliche Wanderbeschreibung versandt.

Doch mit diesen Aktivitäten ist es Brigitte Franke nicht genug. Das „Sahnehäubchen“ sind die von ihr individuell und für den Verein organisierten Führungen durch Kultur und Geschichte der Stadt Frankfurt. Sie bringt es auf insgesamt 15 unterschiedliche exklusive Themenführungen, darunter beispielsweise: „Osterspaziergang“ – auf den Spuren Goethes, Hauptfriedhof – die Geschichte der Stadt mit Gräbern bekannter Persönlichkeiten, jüdisches Leben im alten Frankfurt, Frankfurter Brunnen und ihre Geschichte, Kriminelles im alten Frankfurt, die „neue“ Altstadt etc. Auch viele Ortsgruppen aus dem Spessart haben darauf schon zurückgegriffen. Auf die Frage, wie sie das alles schafft, lächelt sie mit schöpferischer Gelassenheit und sagt: „Nichts davon ist mir eine Last“. Ihre Begeisterung für die Kultur drückt sich auch auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“ aus. Sie ist im Ensemble der Theatergruppe „Kellergeister“ aktiv. 1997 wurde dem Verein zum 100jährigen Jubiläum die Eichendorff-Plakette von Bundespräsiden Roman Herzog für besondere Verdienste um die Pflege und Förderung des Wanderns, des Heimatgedankens und des Umweltbewusstseins verliehen.

Ihr Ehemann Richard Franke ist bei allen Aktivitäten mit von der Partie und Schriftführer im Verein. Er streift aber außerdem auf ganz anderen Pfaden durch Frankfurt: Als Mitglied der internationalen Künstlerbewegung „urban sketchers“, deren Philosophie es ist, Kunst vor Ort im Freien zu praktizieren, zeichnet und malt er seit Jahren Objekte und Orte in Frankfurt. Seine künstlerische Ader kommt auch beim Spielen der Hawaii-Gitarre zum Ausdruck. Ganz nebenbei malt der die Motive für die Glückwunschkarten des Vereins für Ehrentage von Mitgliedern. So sind sich Brigitte und Richard Franke selbst und ihrem kreativen Wirken im Spessartbund verbunden.

Foto: Brigitte Franke in ihrem Element bei einer Führung über den Frankfurter Hauptfriedhof.

Foto: Eine von Richard Franke gestaltete Glückwunschkarte.



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