Alljährlich erinnert die älteste antifaschistische Organisation am 10. November an die November-Pogrome des deutschen Faschismus, die vor 87 Jahren in zahlreichen Städten des Deutschen Reichs stattfanden.
In Frankfurt wurden damals alle Synagogen zerstört, Geschäfte jüdischer Inhaber demoliert und kulturelle Einrichtungen der damals großen jüdischen Gemeinde entweiht und gebrandschatzt. „Das war die faschisti-sche ‚Problemlösung des Stadtbildes‘, deren Ende heute Holocaust oder Shoa genannt werden“, wie es Norbert Birkwald, Sprecher der Frankfurter VVN-BdA in seiner Ansprache auf der Gedenkveranstaltung for-muliert. Über sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermordeten die Nazis in der Zeit zwischen den Novem-ber-Pogromen und der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 1945.
Birkwald fährt fort: „Das Ergebnis der Lösung der ‚Probleme des Stadtbildes‘ durch das NS-Regime: Aber-millionen tote Zivilisten, Trümmerlandschaften, zerstörte Häuser und Brücken.“ Auf der Gedenkveranstaltung wird an den damals berühmten Bass-Sänger Hans Erl erinnert, der 1938 Be-rufsverbot hatte und sich unter den jüdischen Männern befand, die in der Festhalle von der SS eingesperrt wurden. Hans Erl wurde gezwungen, die Arie „In diesen heiligen Hallen“ zu singen. An ihn erinnernd, wird die Mozart-Arie von Richard Steinert zum Abschluss der Gedenkveranstaltung vorgetragen. Die VVN-BdA schlägt vor, den Platz vor der Festhalle zu Ehren des ermordeten Ehepaars Sophie und Hans Erl nach ihnen zu benennen.
In der Ansprache wird auch an den Frankfurter Juden und Antifaschisten Emil Carlebach erinnert. Auch für ihn ist bisher keine Straße, kein Platz oder eine Schule benannt worden. Moritz Carlebach, Vater von Emil, war auch unter den Männern, die in der Festhalle inhaftiert waren. Er wurde ins KZ Buchenwald verbracht, wo er seinen Sohn nach fünf Jahren wiedersah. Der Vater versprach seinem Sohn, alles zu unternehmen, um die jüngere Tochter Liesel vor dem Zugriff der Nazis zu retten. Vater Moritz kam nach wenigen Wochen frei, konnte Liesel mit einem Kindertransport in die USA in Sicherheit bringen. Für ihn war die Lage jedoch aussichtslos, er nahm sich 1939 das Leben. Seine Frau Sophie wurde im Mai 1942 nach Izbica deportiert und dort ermordet.
Die Gedenkveranstaltung am Montag, den 10. November 2025, bei der auch Bürgermeisterin Nargess Eska-ndari-Grünberg sprechen wird, beginnt um 17 Uhr am Gedenkpult vor der Festhalle, Friedrich-Ebert-An-lage.
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