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Historische Fragen stellen sich nur demjenigen, der sich ausgehend vom Ort seines derzeitigen Erkenntnisstandes auf beschwerliche Suche begibt. Ein solches Bemühen bedarf daher einer Initialzündung, die die Motivation stiftet, unsere Lebenswelt im historischen Licht erscheinen zu lassen. Da sich Geschichte in Denkmalen, Gebäuden oder anderen sinnlich wahrnehmbaren Alltagsdingen materialisiert, bietet sich vor Ort dazu die Gelegenheit.

In Freigericht-Somborn erinnern drei Kriegsdenkmale, die auf dem ehemaligen Hindenburgplatz arrangiert stehen, an die Geschichte von Gewalt und Krieg in den letzten 150 Jahren. Diese in Stein gehauenen Geschichtsquellen boten der erfolgreichen Abiturientin Eileen Blümel den Ausgangspunkt zur Aufarbeitung der jeweiligen Denkmalsbotschaft. Im Rahmen einer Präsentationsprüfung an der Kopernikusschule Freigericht, die vom Geschichtslehrer Dr. Siegfried Buchhaupt im Abiturjahrgang 2020 betreut wurde, untersuchte sie den allgemeinen historischen Hintergrund der Denkmäler und interpretierte deren konkrete Ausgestaltung. Die erfolgreiche Präsentation zeigte, dass weitere Anstrengungen zur Erschließung des Ortes lohnten. Daher trafen sich Eileen Bluemel, Dr. Siegfried Buchhaupt und der Heimat- und Geschichtsverein im Rahmen unter der Leitung des Vorsitzenden Horst Soldan, um die bisherigen Arbeitsergebnisse vorzustellen und eine Kooperation zwischen Kopernikusschule und Heimat- und Geschichtsverein anzuregen.

Eileen Bluemel stellte am Beispiel der drei Kriegerdenkmale plastisch mithilfe einer Flipchart-Präsentation heraus, dass die jeweilige Erinnerung an Gewalt, Gefallene und Kriegsergebnisse unmittelbar im Kontext der politischen Situation der Denkmalentstehung zu lesen seien. Beispielsweise seien die Soldaten im Ersten Weltkrieg im Kriegerdenkmal von 1934 als vaterländische „Helden“ dargestellt worden. Heroisierung der Kriegsopfer, stellte Eileen Bluemel heraus, sei ein Mechanismus der inneren Mobilmachung gewesen und müsse vor dem Hintergrund der deutschen Revancheabsichten für die Niederlage im 1. Weltkrieg gedeutet werden. Kommentartafeln zu den jeweiligen Denkmalen – auf dem Platz aufgestellt – sollen in absehbarer Zukunft zur Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte anregen und ermöglichen, den „politischen Totenkult“ in Somborn in einem größeren historischen Zusammenhang zu reflektieren. Der Vortrag und die Projektidee fanden großen Anklang. Auch Bürgermeister Dr. Albrecht Eitz, der zur Präsentation gekommen war, bekundete Interesse an der historischen Erschließung und didaktischen Kommentierung der Kriegerdenkmale. Denn gerade vor dem Hintergrund der europäischen Versöhnung, die sich nicht zuletzt in den Städtepartnerschaften Freigerichts zeige, sei ein verantwortungsbewusster Umgang mit der eigenen Vergangenheit notwendig.

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