Naturforschung am Grimmels

Gelnhausen
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Am 17. und 21. Januar 2020 fanden zwei Projekttage zum Thema „Biotop- und Artenschutz am Beispiel der Europäischen Wildkatze“ statt, zu deren Umsetzung Frau Susanne Schneider, Naturschutzmanagerin des BUND Hessen, zum wissenschaftlichen Austausch am Grimmelshausen-Gymnasium war.

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Dabei handelte es sich um die Projekt-Auftaktveranstaltung für die Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse. In ihrem Vortrag ging es zunächst um die Biologie der Wildkatze. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler mehr über arttypische Verhaltensweisen, Abstammung, Habitatansprüche, Vorkommen und Schutzstatus der Wildkatze. Dass die Wildkatze als „besonders geschützte Art“ auf der roten Liste erscheint, ist primär auf anthropogene Einflüsse zurückzuführen. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie stark bejagt, was zur Ausrottung in vielen Teilen Deutschlands führte. Heute erschweren Straßennetze, Ballungsräume, Bahntrassen und somit die sukzessive Zerschneidung von Lebensräumen den Artbestand. Dass das Thema „Biotop- und Artenschutz“ am Beispiel der Stellvertreterart Wildkatze zahlreiche Fragen der Schülerinnen und Schüler aufwirft, ließ sich im lebhaft gestalteten Expertengespräch mit Frau Schneider bestätigen.

Neben dieser zunächst theoretischen Einbettung bestand für die Jahrgangsstufe 7 sowie Q2 die Möglichkeit, freiwillig an zwei jahrgangsübergreifenden Praxismodulen teilzunehmen, bei dem interessierte Schülerinnen und Schüler von Januar bis März 2020 Waldareale analysierten, selbst Biodiversitätsforschung betrieben und so einen möglichst authentischen Bezug zum Projekt herstellen konnten. Ob und inwiefern sich die Wildkatze ihren Lebensraum in und um Gelnhausen zurückerobert hat, wurde hierbei mittels Umweltmonitoring überprüft. Die so heimliche und scheue Wildkatze kann mit Hilfe der sogenannten „Lockstock-Methode“ und Wildtierkameras nachgewiesen werden. Aufgabe der Schülerinnen und Schüler war es, die aufgestellten Lockstöcke ca. einmal wöchentlich mit Baldrian zu präparieren (Wildkatzen reagieren auf diesen Duftstoff) und diese auf Fellproben zu kontrollieren. Ebenso konnte eine Projektgruppe eine Wildtierkamera installieren. Bei der Auswahl der vorgegebenen Waldareale arbeitet die Fachschaft Biologie mit den Förstern Herr Schilling (Forstamt Jossgrund) sowie Herr Rippl (Forstamt Gelnhausen) und Naturschutzbeauftragten der Region zusammen. Im Verlauf der Module bestand ebenso die Möglichkeit, mehr über den Beruf des Försters sowie Ausbildungs- und Studienoptionen in diesem Fachbereich zu erfahren. Miguel T., Schüler des Biologie Leistungskurses Q3, absolvierte im Juni 2019 ein zweiwöchiges Praktikum bei Herrn Rippl und konnte von seinen positiven Erfahrungen berichten.

Insgesamt haben sich über 50 Schülerinnen und Schüler als „Lockstock-Paten“ angemeldet, denen an dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön für ihr herausragendes und vor allem ausdauerndes Engagement für den Biotop- und Artenschutz gilt. Darüber hinaus dokumentierten die Schülerinnen und Schüler -wie „echte“ Wissenschaftler- ihre Proben und führen zudem ein Forschertagebuch, in dem sie besondere Beobachtungen festhalten und später auswerten.  Bei der Entnahme möglicher Fellproben wird dabei ein hohes Maß an Präzision abverlangt, um die Proben für die DNA-Analysen zu konservieren.

Die anschließende genetische Analyse der Fellproben wurde in Kooperation mit dem Senckenberg Institut Gelnhausen in der Arbeitsgruppe Naturschutzgenetik von Dr. Carsten Nowak durchgeführt. Dieser im MINT-Bereich etablierte Praxisbaustein zielt damit auch auf die Heranführung an naturwissenschaftliche Arbeitsweisen des Faches Biologie ab. Der Leistungskurs Biologie war am 12.02.20 zum wissenschaftlichen Austausch am Senckenberg Institut und konnte somit die Ergebnisse der Proben mitverfolgen.

Die Auswertung der genetischen Analyse ergab, dass die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer insgesamt 19 Wildkatzenproben erfolgreich gesammelt haben. Besonders erfreulich ist hierbei, dass auch im Gelnhäuser Stadtwald Artnachweise erbracht wurden. Auch sind im Rahmen des Schülerprojekts erstmalig Aufnahmen von einer Wildkatze im Jossgrund gelungen. Die Ergebnisse zeigen, dass die von den Schülerinnen und Schüler antizipierten methodischen Vorgehensweisen im naturwissenschaftlichen Erkenntnisweg erfolgreich waren. Natürlich hatte sich auch der ein oder andere Artgenosse am Lockstock verirrt, sodass auch Hauskatzen, Hunde und Wildschweine genetisch identifiziert wurden.

Dass die von den Schülerinnen und Schülern des Grimmels angewandte Methode des Umweltmonitorings auch im Regenwald in Costa Rica Verwendung findet, zeigt sich anhand des seit März 2019 bestehenden wissenschaftlichen Austauschs mit der Veragua Forschungsstation in Puerto Limón. Dabei informieren die Biologen vor Ort über deren Methoden des Wildtiermonitorings und stehen den Schülerinnen und Schüler für Fragen zur Verfügung. Ein Dankeschön gilt an dieser Stelle allen Kooperationspartnern, die uns für die Fortsetzung des Projekts erneut mit Fachvorträgen, Begleitung der Praxistage, Bereitstellung von Materialien usw. weiterhin tatkräftig unterstützen: Frau Susanne Schneider (BUND Hessen), Herr Dr. Carsten Nowak (Senckenberg Institut Gelnhausen), Herr Jürgen Koch (Stadt Gelnhausen), Herr Matthias Schilling (Förster Jossgrund), Herr Lukas Rippl (Förster Gelnhausen). Ebenso gilt ein Dankeschön den Fachlehrer/innen der Biologie, die im Rahmen ihres Unterrichts und der Projektnachmittage die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7 und Q2 beraten und betreuen.

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