„Politischer Herbst“: Stärkung der Demokratieerziehung

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Seit dem Schuljahr 2019/20 wird am Grimmelshausen-Gymnasium das Projekt „Politischer Herbst“ durchgeführt, das auf die Stärkung der Demokratieerziehung abzielt und sich an einem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 06.03.2009 i.d.F. vom 11.10.2018 orientiert, wonach Schule ein Ort sein muss, „an dem demokratische und menschenrechtliche Werte und Normen gelebt, vorgelebt und gelernt werden“.

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Initiiert wurde das Projekt vom Fachbereich II unter der Anleitung von Studiendirektor Peter Malz, der zusammen mit Studienrätin Christina Heuberger und Studienrat Mark Adrian auch diesmal für die Organisation verantwortlich zeichnet. Das Ziel ist jedoch nach und nach alle anderen Fachbereiche, die Schülervertretung sowie den Schulelternbeirat miteinzubeziehen. Insbesondere seitens der Elternschaft erfährt der „Politische Herbst“ große Unterstützung.

Der 100. Jahrestag der Konstituierung der Weimarer Republik und der Annahme der ersten praktizierten demokratischen Verfassung auf deutschem Boden, der 70. Jahrestag des Grundgesetzes und der 30. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR waren im letzten Jahr geeignete Anlässe, die herausragende Bedeutung der Erziehung zur Demokratie als Aufgabe schulischer Arbeit hervorzuheben und demokratisches Engagement im Rahmen schulischer Aktivitäten zu würdigen. Diesbezüglich wurden von den Grund- und Leistungskursen Geschichte verschiedene, mediengestützte Präsentationen erarbeitet und auch Lerngruppen der Sekundarstufe I vorgestellt. Ziel war es, den Schülerinnen und Schülern vor Augen zu führen, dass die Entwicklung Deutschlands zu einem sozialen Rechtsstaat ohne unsere demokratische Grundordnung und ohne die erfolgreiche friedliche Revolution in der DDR nicht möglich gewesen wäre. Demokratie ist folglich nicht selbstverständlich, sie musste in einem langen historischen Prozess errungen werden und sie muss auch heute vor neuen Gefahren wie dem Rechtsextremismus, dem religiösen Fundamentalismus und dem Linksextremismus bewahrt werden.

Erziehung zur Demokratie steht somit im Fokus des Unterrichts, so dass die Schülerinnen und Schüler Vorzüge, Leistungen und Chancen der Demokratie erfahren und erkennen, dass demokratische Grundwerte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sowie Toleranz niemals in Frage gestellt werden dürfen. Primär den Fächern Geschichte und Politik & Wirtschaft kommt dabei die Aufgabe zu, bereits in der frühen Sekundarstufe I den Schülerinnen und Schülern fundierte Kenntnisse der jüngeren deutschen Geschichte zu vermitteln, denn den Erfahrungen aus der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, aus der Weimarer Republik, aus der Zeit des Nationalsozialismus, aus 60 Jahren gelebter Demokratie in der Bundesrepublik, aus der Zeit der DDR und aus der friedlichen Revolution kommt im Rahmen einer demokratischen Bildung und Erziehung eine Schlüsselrolle zu. Doch das Demokratielehren und -lernen ist Grundprinzip in allen Fächern.

Im laufenden Schuljahr 2020/21 sind nun zum zweiten Mal seit Bestehen des Projekts „Politischer Herbst“ verschiedene Veranstaltungen geplant, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Am 9. November ist mit zwei Plakatausstellungen der „Politische Herbst 2.0“ eröffnet worden: Die Ausstellung „Diktatur & Demokratie - Zeitalter der Extreme“ der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur in Kooperation mit dem Zentrum für Regionalgeschichte des MKK im Treppenhaus des B-Gebäudes sowie die Plakatausstellung „Bewegte Frauen“ des Amts für Migration und Integration des MKK im Foyer der Wissenschaftlichen Bibliothek; ergänzt wird diese Ausstellung durch die Präsentation von Büchern zur Thematik, die von der Bibliotheksleiterin Gabriele Franz und ihrem engagierten Team zusammengestellt worden sind und in der Wissenschaftlichen Bibliothek ausgeliehen werden können.

Die Eröffnung der Ausstellungen mit geladenen Gästen, darunter Frau Raedler vom Zentrum für Regionalgeschichte des MKK und Frau Richter vom Amt für Migration und Integration des MKK, musste aufgrund verschärfter Hygienebestimmungen im Kontext stark steigender Neuinfektionen im Kreisgebiet seitens des Schulträgers kurzfristig abgesagt werden, doch bleibt davon die Relevanz der Botschaft, die mit diesen Ausstellungen verbreitet werden soll, ungeschmälert. So nutzten einige Klassen und Kurse bereits am ersten Tag die Gelegenheit, sich mit den Ausstellungen auseinanderzusetzen. Zwei Tage vor dem In-Kraft-Treten des sog. „Wechselmodells“ war es den Schülerinnen und Schülern sogar noch möglich, mit Masken vor den einzelnen Ausstellungswänden in einen engeren Austausch zu treten und über die Themen kontrovers zu diskutieren.

„Die eindrucksvollen Narrativen der bewegten Frauen überraschten meine Schülerinnen und Schüler - insbesondere die Diversität der Herkünfte und Vielzahl der Beweggründe von Migration. Zufälligerweise werden zwei der drei Migrationswege dargelegt, die auch in Alan Gratz’ Buch “Refugees”, welches wir im Englischunterricht bearbeiten, eine Rolle spielen. In Lerngruppen, die ebenfalls sehr diverse Familienhintergründe haben, konnten viele Schülerinnen und Schüler Similaritäten zu persönlichen Historien entdecken. In den kommenden Wochen werden sie in einem bilingualen Unterrichtsprojekt historische Hintergründe in englischer Sprache vertiefen“, resümiert Studienrätin Gitte Jakob-Ossinger, Englischlehrerin mehrerer 10. Klassen, die die Idee zu dieser Ausstellung hatte. Die Ausstellung steht der gesamten Schulgemeinde zur Verfügung und es ist zu wünschen, dass möglichst viele Klassen die Ausstellungen besuchen werden.

Im Rahmen des Projekts „Politischer Herbst 2.0“ sind am Grimmels aktuell weitere Veranstaltungen geplant, z.B. das Erinnerungsprojekt „Jeder Name zählt!“ der Arolsen Archives, in dessen Kontext ein digitales Denkmal entsteht. Organisiert wird es bereits zum wiederholten Mal von Studienrätin Andrea Diallo und richtet sich an die Schülerinnen und Schüler der E-Phase. Die Arolsen Archives möchten das weltweit größte Online-Archiv für Informationen zu den Opfern des Nationalsozialismus weiter ausbauen. Mit der Hilfe Freiwilliger sollen beim Crowdsourcing-Projekt „Jeder Name zählt“ nun Namen aus Dokumenten eingegeben und so vor dem Vergessen bewahrt werden.

Mehrere Klassen der Jahrgangsstufe 7 werden im Rahmen des Deutschunterrichtes das Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ lesen und mit dem im Dezember des letzten Jahres in die Kinos gekommenen gleichnamigen Film vergleichen. Insbesondere soll die in Buch und Film geschilderte Situation auf die heutige Zeit übertragen und die Situation von Flüchtlingen heute thematisiert werden. In Zukunft soll der „Politische Herbst“ am Grimmelshausen-Gymnasium mit dem Schwerpunkt im November fest etabliert werden und sich so über den Rahmen des Unterrichts hinaus der aktuellen Herausforderung für Schulen hinsichtlich der Gefährdung der Demokratie durch Extremismus stellen.

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