Grimmels: Adele Palitzsch gewinnt Schreibwettbewerb

Foto: Soremski

Gelnhausen
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Manchmal, gar nicht mehr erwartet und nach Monaten, erreicht eine Teilnehmerin oder einen Teilnehmer der AG Kreatives Schreiben eine Überraschungsmitteilung: Du hast gewonnen!



So erging es Adele Palitzsch vom Grimmelshausen Gymnasium in Gelnhausen. Beim Sparda-Schreibwettbewerb zum Thema „Zauberwald“, für den sie in der AG vor den Sommerferien einen Text geschrieben hatte, gewann sie den ersten Platz in der Kategorie der 13- bis 14-Jährigen. Verliehen wurde der Preis – 200 Euro und eine Urkunde - im Rahmen des Sparda-Erzählfestivals in Kassel.

Die Leiterin der AG Kreatives Schreiben, Bettina Mähler, konnte zwar nicht an der Veranstaltung teilnehmen, aber mit der Moderatorin Juliane Spatz, die auch der Jury angehört, sprechen.

Bettina Mähler: Warum wählte die Jury Adeles Geschichte aus?

Juliane Spatz: "Weil sie einerseits so sehr die Fantasie anspricht und andererseits ganz viel mit achtsamem Wahrnehmen der Umwelt zu tun hat: Ich gehe in den Wald, ich lasse mich auf den Wald ein und schaue dann mal, was passiert. Über 120 Geschichten haben uns erreicht, viele schöne Ideen darunter, aber bei Adeles Text war genau das überzeugend: Man kann ihn als einen Fantasy-Text lesen, aber man kann ihn auch ganz im Hier und Jetzt verorten: Wenn ich mich einlasse auf den Wald und meine Umgebung, dann nehme ich intensiver wahr. Ob ich wie in Adeles Geschichte Regenwürmer tatsächlich reden höre, das sei mal dahingestellt, aber ich nehme intensiver wahr und bin dann wirklich da. Das strahlt dieser Text aus."

Bettina Mähler: Wie gefiel Ihnen Adeles Schreibstil?

Spatz: "Adele nimmt uns an die Hand und führt uns durch ihre Wald-Welt. Und man geht gern mit ihr. Es ist ihr mit ihrer einfühlsamen und differenzierten Art, zu formulieren, wirklich gelungen, dass man sich darauf einlässt - auf dieses Wunder Wald."

Bettina Mähler: Wie verlief die Preisverleihung?

Spatz: "Die drei Kinder beziehungsweise Jugendlichen, die gewonnen haben, haben ganz großartig vorgelesen. Ich gehe die Texte vorher immer mit den Gewinnerinnen und Gewinnern durch und gebe Tipps zum Vorlesen, zum Beispiel, dass sie nicht so durch ihren Text rasen sollen. Aber dieses Mal musste ich nicht viel helfen. Alle strahlten eine große Ruhe aus und waren sehr präsent auf der Bühne. Und es war mucksmäuschenstill im Raum, als auch Adele ihre Geschichte „Das Mädchen und das Rauschen der Bäume“ vorlas."

Adele selbst erzählt, die Preisverleihung sei sehr aufregend gewesen, vor allem, dass sie vor 200 Leuten ihren Text habe vortragen dürfen. Das Geld wolle sie sparen und damit ein Basketballcamp oder in ein paar Jahren ihren Führerschein finanzieren. Und sie verrät ein Geheimnis: „Ich hatte sofort die Idee, Tiere in meiner Geschichte sprechen zu lassen. Das hatte ich mir schon immer gewünscht – wie bestimmt jedes Kind!“

Das Mädchen und das Rauschen der Bäume

Ein Wind zieht durch die Blätter der Bäume und es ertönt ein herrlich ruhiges Rauschen. Oder nein, das ist kein Rauschen. Es ist mehr wie eine Melodie. Ich kann es nicht beschreiben, aber auf einmal fühle ich mich leicht und unbesorgt. Ich fühle mich geborgen, aber dennoch frei. Es fühlt sich magisch an. Ich genieße den Moment, indem ich meinen ganzen Schulstress vergessen und nur entspannen kann.

Ich laufe weiter und höre plötzlich Stimmen am Boden. Sie sind nicht einfach zu verstehen, aber in einer hohen und quietschigen Tonlage. Obwohl die Stimmen leise sind, hört man, dass derjenige schreit. Womöglich kann das Wesen nicht lauter rufen. Ich bücke mich hinunter, um zu sehen, wer da spricht. Im nächsten Moment blicke ich auf direktem Wege in die Augen eines Regenwurms, welcher schließlich verstummt und mich eindringlich anstarrt. Neben ihm steht oder sitzt, ich hab´ das zuvor bei Insekten noch nie deuten müssen, ein Borkenkäfer. Dieser schaut jedoch auch nicht viel weniger ratlos. Also durchbreche ich die Stille, indem ich anfange zu reden: „Hallo? Könnt ihr mich verstehen? Ich kann euch verstehen und frage mich, warum. Ich habe noch nie mit Tieren oder Lebewesen nichtmenschlicher Art geredet und würde gerne verstehen, wieso das plötzlich funktioniert.“

Die kleinen Tierchen schauen sich an und es scheint so, als müssten sie sich ein Lachen verkneifen. Doch dann fängt der Wurm an zu reden: „Du, du, du weißt nicht, warum du mit uns sprechen kannst? Du bist in diesem Wald und dann fragst du dich das noch?“ Er fängt an zu lachen und dann stimmt der Käfer noch mit ein. Ich fühle mich nicht ernstgenommen und fange an zu raten: „Habt ihr einen Zaubertrank getrunken? Oder nein, hat es etwas mit den Bäumen zu tun?“ Schließlich meldet sicher der Käfer zu Wort: „Also, erstens ja, es hat etwas mit den Bäumen zu tun, und zweitens, hast du nicht gelernt, dass man sich erstmal vorstellt, bevor man fremde Leute über irgendwelche Dinge ausfragt?“ Ich muss schmunzeln, da vor mir kleine Insekten stehen, welche sich als „Leute“ bezeichnen. Ich fange mich wieder und beginne zu erklären, wer ich bin: „Oh, entschuldigen Sie bitte. Ich hatte vergessen, mit wem ich es hier zu tun habe.“ Und schon wieder muss ich lachen, da das von mir eher weniger ernst gemeint war. „Also, ich bin Susan Anderson, bin fünfzehn Jahre alt und war eigentlich schon sehr oft in diesem Wald. Also meistens mit Freunden, aber auch mit ihnen habe ich nie Stimmen gehört. Wer seid ihr?“ „Ich bin Willi und das ist mein bester Freund Fred“, fängt der Wurm wieder an zu reden. „Das Hören der Stimmen im Wald ist nur möglich, wenn du alleine und völlig entspannt bist. Außerdem ist es gut, wenn du dich auf den Wald konzentrierst und an nichts anderes denkst. Nach einiger Zeit fühlt man sich geborgen, zufrieden und ausgeglichen. Dann fängst du an, dich auf den Wald einzulassen, und nimmst schließlich jedes Geräusch um dich herum viel intensiver wahr. Deshalb kannst du uns hören. Aber das Ganze funktioniert nur dann, wenn der Wind durch die Blätter der Bäume weht und ein Rauschen in eine Melodie übergeht, dann hast du alles richtig gemacht.“

Wow, das muss ich erstmal richtig aufnehmen. Ich weiß nicht, wie ich reagieren oder was ich zu den kleinen Wesen sagen soll. Ich weiß nur, dass es absolut unbeschreiblich toll ist, dass ausgerechnet mir so etwas passiert. Der weitere Tag wird immer besser. Ich rede mit einem Uhu, einem Reh, einem kleinen Kaninchen und ein paar weiteren Insekten. Es ist spannend, von ihrem Leben zu hören, welches ganz anders ist als das unsere. Ich lausche den Stimmen und genieße jede Sekunde in vollen Zügen. Der Ausgleich zur Realität ist unglaublich. Ich bin mir sicher, dies ist eines der Erlebnisse, welche man niemals vergisst.

Adele Palitzsch
Klasse 7.3 (jetzt 8.3)


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