„Haben die verschiedenen Farben eine Bedeutung?“ „Nein, es kommt lediglich darauf an, dass du eine Kopfbedeckung trägst. Das macht deutlich: Gott ist noch über dir. Eine Basecap geht auch.“
Damit war die erste Hürde beim Besuch der Hanauer Synagoge genommen. Oliver Dainow von der jüdischen Gemeinde begrüßte 40 Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums Gelnhausen sowie ihrem Lehrer, Pfarrer Dr. Michael Lapp , in dem vor 21 Jahren eingerichteten Gotteshaus. Der Geschäftsführer der Gemeinde erläuterte den interessierten Oberstufenschülerinnen und -schülern die Geschichte und Traditionen der jüdischen Religion. Die Gründung der jüdischen Gemeinde in Hanau wurde unter Graf Philipp II. um das Jahr 1600 ermöglicht. Sie bestand bis zur Deportation und Ermordung der letzten Hanauer Juden im Jahr 1942, bevor sie 2005 neu gegründet wurde, als zahlreiche Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Abstammung aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland zogen. Heute besteht die Hanauer Gemeinde wieder aus 200 Mitgliedern und ist die einzige aktive Synagoge im Main-Kinzig-Bereich.
Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich besonders fasziniert von der Thora-Rolle, die im vergangenen Jahr neu geschrieben und in die Synagoge eingebracht wurde. Seitdem steht sie der Gemeinde für die Lesungen im Gottesdienst zur Verfügung. Anschließend entwickelte sich eine interessante Diskussion zu religiösen und gesellschaftlichen Themen. Als besondere Ehre galt es, dass das gemeinsame Foto vor dem geöffneten Thoraschrein entstand. Die Schülerinnen und Schüler erlebten eine aufschlussreiche Unterrichtsstunde, die mit der Frage einiger von ihnen an Oliver Dainow endete: „Ich würde gern mal zum Gottesdienst kommen. – Geht das?” „Na klar, kein Problem. Du bist jederzeit herzlich willkommen.“


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