„Ich habe kaum geschlafen, weil es ab 2 Uhr nachts alle 10 Minuten etwas wollte“ und „Tagsüber kann man gar nichts mehr planen“ – mit diesen eindrücklichen Worten schildern Schülerinnen der BÜA 11 Sozialwesen an den Beruflichen Schulen Gelnhausen ihre Erfahrungen aus einem besonderen Projekt: dem Elternpraktikum mit Babysimulatoren.
Für 24 Stunden übernahmen die Jugendlichen die Rolle von Mutter oder Vater und kümmerten sich eigenständig um ein „Baby“. Die Simulatoren sind echten Säuglingen nachempfunden – sie müssen gefüttert, gewickelt, beruhigt und getragen werden. Auch nachts fordern sie Aufmerksamkeit, sodass an erholsamen Schlaf kaum zu denken ist. Schnell wurde den Teilnehmerinnen bewusst, wie stark ein Kind den Alltag bestimmt und wie wenig Raum für Freizeit oder spontane Aktivitäten bleibt. Die eingesetzten Babysimulatoren dienen dabei als wichtiges Lerninstrument. Sie entsprechen in Größe, Gewicht und Verhalten echten Babys und zeichnen mithilfe eines integrierten Computers genau auf, wie zuverlässig sie versorgt werden. Ein spezielles Sensorsystem stellt sicher, dass nur die zuständige Person auf die Bedürfnisse des „Kindes“ reagieren kann.
Neben der praktischen Erfahrung spielt auch die Reflexion eine zentrale Rolle. In gemeinsamen Gesprächsrunden tauschen sich die Schülerinnen über ihre Erlebnisse aus und setzen sich mit ihren eigenen Lebenszielen auseinander. Dabei wird deutlich, dass Themen wie fehlende Zukunftsperspektiven oder der Wunsch nach Anerkennung junge Menschen beeinflussen können – und welche Herausforderungen unter Umständen eine frühe Elternschaft tatsächlich mit sich bringt.
Das Elternpraktikum verfolgt jedoch nicht das Ziel, Jugendliche vom Kinderkriegen abzuschrecken. Vielmehr sollen sie in ihrer persönlichen Entwicklung gestärkt werden, indem sie realistische Einblicke erhalten und lernen, bewusste Entscheidungen für ihre Zukunft zu treffen. Am Ende des Projekts sind die Schülerinnen zwar müde und erschöpft, aber auch um eine wichtige Erfahrung reicher. Sie haben hautnah erlebt, was es bedeutet, Verantwortung für ein anderes Leben zu übernehmen – und verstanden, dass manche Entscheidungen tatsächlich ein ganzes Leben prägen können. Geleitet wurde dieses Projekt durch Frau Diedrichs vom Sozialdienst katholischer Frauen aus Bad Soden Salmünster, an die unser besonderer Dank geht sowie Andreas Heller, Fachlehrer für Sozialwesen der BÜA 11.






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