„Ein wichtiger Baustein zur Revitalisierung des Ortskerns“

Großauheim

Was in der Hanauer Innenstadt in den letzten Jahren als City-Konjunkturprogramm für eine unübersehbare und deutlich spürbare Aufwertung des Erscheinungsbildes gesorgt hat, könnte jetzt in ähnlicher Form auch in Großauheim finanzielle Anreize schaffen, um die Fassaden entlang der Hauptverkehrsader durch den Stadtteil schöner werden zu lassen.

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Mit 300.000 Euro will die Stadt in den nächsten vier Jahren Immobilienbesitzer bezuschussen, die ihre Liegenschaften professionell und fachkundig restaurieren oder instandsetzen. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung die Quartiersfibel, die Basis des „Fassadengestaltungsprogrammes Hauptstraße und Rochusplatz“ ist, sowie die Bereitstellung der erforderlichen Mittel beschlossen. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich in ihrer November-Sitzung mit der Vorlage befassen.

„Mit diesem jüngsten Projekt erfüllen wir einen weiteren Punkt des Stadtteilentwicklungsprogramms, den wir auch auf Initiative des Ortsbeirats gemeinschaftlich und parteiübergreifend vor drei Jahren in Gang gesetzt haben, um den Stadtteil positiv zu verändern.“ Es sei zweifelsohne, so der OB weiter, ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zu einer Revitalisierung des Großauheimer Ortskerns.

Die Quartiersfibel will vor allem für eine neue Qualität in der Baukultur werben, indem sie einerseits den nicht immer zufriedenstellenden Ist-Zustand dokumentiert und andererseits die wünschenswerten Veränderungen skizziert. Eigentümer, die sich an diese Vorgaben halten, können auf finanzielle Unterstützung hoffen. Dabei ist das Fördergebiet für Zuschüsse aus dem Fassadengestaltungsprogramm eng abgegrenzt und umfasst neben der Hauptstraße und dem Rochusplatz sowie dem Beginn der Krotzenburger Straße nur mehr einzelne Liegenschaften im Randbereich. Kaminsky ist sicher, dass es gelungen ist, „mit den in der Broschüre dokumentierten Fassadenbeispielen eine anschauliche Grundlage zu schaffen, die Hauseigentümern sehr konkrete Handlungsempfehlungen gibt, wenn diese an einer Sanierung interessiert sind,“ unterstreicht Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Bedeutung der 58 Seiten umfassenden Fibel.

Immerhin erklären die Autoren in dem darin formulierten Fassadengestaltungsleitbild, was in der Hauptstraße und am Rochusplatz deren speziellen Charakter, das Straßenbild und die einzelnen Häuser bestimmt. Gleichzeitig wird dokumentiert, welche Bauteile und Architekturelemente das Stadtbild prägen, welche daher an alten und neuen Gebäuden verwendet werden sollen und welche Elemente im Stadtbild als störend angesehen werden.

Von wesentlicher Bedeutung ist, dass die jetzt beschlossene Quartiersfibel gemeinsam mit interessierten Bürgern, Hauseigentümern, Vertreterinnen und Vertretern des Ortsbeirates, lokalen Akteuren und der Stadtverwaltung unter der Moderation von Bernhard Köppler der Nassauischen Heimstätte – NH Projektstadt und dem Architekten Olaf Gerstner entwickelt worden ist. Dabei wurde das vorgeschlagene Fassadengestaltungsleitbild bereits mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt, denn die „Gesamtanlage historischer Ortskern Großauheim“ steht unter Denkmalschutz. Einbezogen ist dabei der Ortskern in seinen Grenzen bis etwa 1850. Damit unterliegen alle Instandsetzungen oder Umgestaltungen an den Fassaden der Zustimmung der Denkmalschutzbehörden.

Die Tatsache, dass man noch im laufenden Haushaltsjahr bereits 25.000 Euro zur Förderung aus diesem Programm bereitgestellt habe, so der OB weiter, dokumentiere darüber hinaus, dass „wir uns jetzt nicht länger mit Pläne schmieden beschäftigen, sondern in die konkrete Umsetzung gehen wollen“. Denn in den bisher geführten „Werkstattgesprächen“ seien sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig darin gewesen, dass der Veränderungs- und Aufwertungsprozess für Großauheim dringend geboten sei. Für 2017 stehen insgesamt 100.000 Euro bereit. Im Haushaltsjahr 2018 sind weitere 100.000 Euro und im Abschlussjahr 2019 weitere 75.000 Euro vorgesehen.

Die letzte Entscheidung über die finanzielle Förderung von Sanierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen liegt beim Magistrat. Ein Vergabeausschuss, der sich Mitte November konstituieren wird, prüft zuvor die Vorhaben der Eigentümer auf ihre Förderfähigkeit und spricht Empfehlungen aus. Dabei ist der städtische Zuschuss auf bis zu 20 Prozent der Investitionssumme, maximal aber 10.000 € begrenzt. 2t. Mitglieder des Vergabeausschusses sind zwei Vertreter der Stadt Hanau sowie jeweils ein Vertreter von Haus und Grund, der Industrie- und Handelskammer, der lokalen Banken, der Kreishandwerkerschaft sowie des Gewerbevereins Großauheim. Die Moderation liegt bei der Nassauischen Heimstätte – NH Projektstadt.

Wichtig ist dem OB, dass die Quartiersfibel und das Fassadengestaltungsprogramm im Zusammenhang mit der Gesamtentwicklung im Stadtteil zu sehen sind. „Mit der Innenstadtentwicklung in ihrer Gesamtheit haben wir gezeigt, dass es notwendig ist, alle relevanten Bereiche zu berücksichtigen.“ So ergänzt die Stadt die erhofften Sanierungsarbeiten privater Immobilienbesitzer mit einer Neugestaltung des zentral gelegenen Rochusplatzes.„Der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur und Service hat das Projekt fest eingeplant und die Mittel im Haushalt für das kommende Jahr bereitgestellt“, erklärte der OB.

Schließlich soll eine neue Parkraumbeschilderung dafür sorgen, dass die insbesondere ortsfremde Autofahrer die vorhandenen Parkplätze leichter finden. „In Großauheim gibt es rund um die Hauptstraße etwa 200 kostenfreie Parkplätze, die zwar in fußläufiger Entfernung, aber oft in zweiter Reihe versteckt liegen. Das ist eine Größenordnung, die etwa der Marktplatztiefgarage oder dem Parkhaus Kinopolis entspricht“, macht der OB deutlich, dass der Eindruck fehlender Stellplätze an der Hauptstraße nicht der Realität entspricht. Mit der neuen Beschilderung soll sowohl das Kurzzeitparken für den Einkauf als auch das Langzeitparken beim Besuch der Gastronomie erleichtert werden. Folgt die Stadtverordnetenversammlung der vom Magistrat bereits beschlossenen Vorlage, stehen für die neue Beschilderung 23.500 Euro zur Verfügung.

Neue Potenziale könnten sich für den Hanauer Stadtteil auch durch das in der Innenstadt bereits erfolgreich auf den Weg gebrachte Programm „innenstattaußen“ erschließen. Von den positiven Erfahrungen, die in der Innenstadt mit dem Grundstücks- und Gebäudemanagementsystem  gemacht wurden, soll nach dem Willen aller Beteiligten jetzt auch Großauheim profitieren. Ziel ist es, anhand einer Matrix sogenannte Potentialflächen zu identifizieren, die nicht - oder nicht ihren Möglichkeiten und Qualitäten entsprechend - genutzt werden, um dann in Zusammenarbeit mit deren Eigentümer neue Nutzungskonzepte zu suchen und zu entwickeln, die insgesamt zu einem Aufschwung des Stadtteils beitragen können.


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