Der mit der Klarinette tanzt

Hanau
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Er ist ein gefragter Dauergast in den großen Konzerthäusern dieser Welt, er musiziert mit den renommiertesten Orchestern und Dirigenten, wurde erst vor kurzem selbst zum Chefdirigenten des schwedischen Kammer-Orchesters ernannt, hat ein Dauer-Abo für die Nominierung zu zahlreichen internationalen Musikpreisen und sprengt mit seinen Auftritten alle musikalischen Grenzen: Der schwedische Klarinettist Martin Fröst.

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Der Ausnahmemusiker stattete jetzt im Rahmen des HR-Projektes „Spielzeitschule“ der Karl-Rehbein-Schule Hanau (KRS) einen Besuch ab.

„Wenn man wie ich in Nordschweden aufwächst, hat man eine Menge Zeit zum Üben“, erklärt der Ausnahme-Solist mit einem Lächeln seine Meisterschaft auf der Klarinette. Was dabei herauskommt, wenn man seit dem neunten Lebensjahr Tag und Nacht übt, zeigt Fröst in einer kurzen Kostprobe in der proppenvollen Musikaula der KRS vor den Schülerinnen und Schülern des Q2-Leistungskurses Musik sowie weiteren KRS-Schülern und -Gästen. Ein zunächst kaum vernehmbares Tuscheln durchdringt den Raum, steigert sich zu einem aufgeregten Glucksen, um dann abschließend in stufenlose Glissando-Schreie, durchdrungen von rhythmisch abgestoßenen Passagen, zu münden. Klarinetten-Kunst auf höchstem Spiel-Niveau, „Champions-League“ sozusagen. Kein Wunder, dass man bei der Ankündigung von Fröst zuvor auch den Vergleich mit „Lionel Messi der Musik“ bemüht.

Dass Fröst sich die Zeit nimmt und der KRS einen Besuch abstattet, ist letztendlich dem KRS-Musikpädagogen Jens Weismantel zu verdanken. Der hatte seinen jetzigen Leistungskurs bei dem Projekt „Spielzeitschule“ des Hessischen Rundfunks angemeldet und auch den Zuschlag für diese Spielzeit bekommen. Schülerinnen und Schüler werden hier intensiv mit einem Musikstück vertraut gemacht, das das hr-Sinfonieorchester in der Reihe „Junge Konzerte“ präsentiert, so nun geschehen mit den Anders Hillborgs Klarinettenkonzert „Peacock Tales“ und Tschaikowskys vierter Sinfonie. Der Q2-Musikleistungskurs hat das Konzert nunmehr in der Alten Oper Frankfurt vor 1500 Zuhören in sehr charmanter wie souveräner Manier moderiert und präsentiert.

In den „Peacock Tales“, den Geschichten eines Pfaus, trägt Martin Fröst eine Tiermaske und tanzt während des Musizierens – ein Street Dancer und ein klassisch ausgebildeter Ballett-Tänzer haben mit ihm eine Choreografie für diese schillernde, ganz auf sein außerordentliches Können zugeschnittene Pfauenrad-Musik erarbeitet. Diese Form der musikalischen Darbietung sei ein komplettes Brechen der Regeln gewesen, so Fröst. „Ich hatte damals Riesenangst vor den Reaktionen von Publikum und Orchester“, gesteht der Schwede. „Das ist heute aber anders“, schiebt er bescheiden hinterher. Inzwischen habe er das Stück über 100-Mal aufgeführt.

„Aus eigener Erfahrung kann ich euch nur den Rat geben, die kreativen Momente in der Musik zu genießen. Lasst euch das nicht durch die Angst vorm Scheitern kaputt machen“, so sein Rat an die jungen Instrumentalisten im Saal. Für ihn sind diese kreativen Momente wie etwa in den „Peacock Tales“ zugleich auch die magischen Momente in der Musik, so Fröst. Ihm gehe es dabei nicht um Erfolg oder Ruhm. Das zeigt sich auch während des Interviews des 49-Jährigen in der KRS. Dort präsentiert sich der blonde Schwede als ein ganz geerdeter, rundum sympathischer und sehr humorvoller Mensch, der mit den Schülern auf Augenhöhe plaudert. Kein von oben herab, kein erhobener Zeigefinger. Für diese Lockerheit auf der Bühne sorgen aber auch Josephine Oeß, die das Interview mit Fröst in perfektem Englisch führt, und Tim Neubauer der – unter augenzwinkender Korrektur von Fröst – als Übersetzer fungiert.

Die Idee Frösts von der Verknüpfung von Ton und Bild in Anlehnung an das Tierreich haben auch die Rehbeiner inspiriert. Sie haben selbst drei kleine Stücke, nämlich „Whale Tales“, „Elefant Tales“ und „Butterfly Tales“ (Wal-, Elefanten- und Schmetterlings-Gesänge) geschrieben und musikalisch-tänzerisch umgesetzt und gefilmt. Da schwebt Klaras Kontrabass leichtfüßig durch blaue Stoffbahnen, die sich wellengleich um das raumfüllende Instrument schmiegen, Trompeter staksen mit Elefantengeschmetter über die Bühne, zu zarten Holzbläserklängen entpuppt sich aus einem Stoffkokon ein prachtvoll leuchtender Schmetterling. Die Ergebnisse ihrer Arbeit, die auch in die Benotung des Leistungskurses einfließen, beeindrucken und berühren jedenfalls ihren schwedischen Gesprächspartner. Er habe eben jene magischen Momente erlebt – und um die genau gehe es schließlich in der Musik. Eine klare wie sympathische Botschaft. (Die KRS-Videos sind zu sehen unter www.hr-sinfonieorchester.de/education/fuer-lehrer-und-schueler).

Foto: Der mit der Klarinette tanzt: Der schwedische Ausnahmesolist Martin Fröst stattet der Karl-Rehbein-Schule im Rahmen des Projektes „Schulspielzeit“ des Hessischen Rundfunks einen Besuch ab und gibt zudem eine beeindruckende Kostprobe seines Könnens.

Foto: Ein sympathischer und humorvoller Gesprächspartner: Martin Fröst beschwört im Interview mit Josephine Oeß und Tim Neubauer die „magischen Momente“ in der Musik.

Foto: Der Q2-Leistungskurs der Karl-Rehbein-Schule freut sich über den Besuch des Klarinettisten Martin Fröst, der sonst eher in den großen Konzertsälen dieser Welt unterwegs ist. Fotos: Privat

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