Was bewegt die Franzosen? Wie sehen die Briten ihren Alltag?
Was bewegt die Franzosen? Wie sehen die Briten ihren Alltag?
Welchen Beitrag leisten die Finnen zur längst entgleisten europäischen Debatte? Und worüber lachen eigentlich die Österreicher? Das 6. Europäische Filmfestival vom 15. bis 24. Juli im KUKI-Zelt lädt ein zu einem cineastischen Streifzug durch unsere Nachbarländer, bei dem es viel zu entdecken gibt.
Europa ist im Alltagsleben immer präsent. Durch die aktuellen sozialen und politischen Krisen stellen sich immer wieder aufs Neue die Fragen nach Solidarität, Mitgefühl, Zugehörigkeit und Gemeinschaftsgefühl. Aus dieser Perspektive kann die europäische Filmkunst und Kultur als Mittlerin für die europäische Identität funktionieren. Es ist das Europa der Vielfalt, das sich in den kuratierten Filmen des 6. Europäischen Filmfestivals, das im Rahmen des Kultursommers Main-Kinzig-Fulda stattfindet, widerspiegelt. Das KUKI lädt ein zu einem ebenso spannenden wie erhellenden Streifzug durch unsere Nachbarländer, bei dem es viel zu entdecken gibt: kulturelle Eigenheiten und Unterschiede, aber auch viel Gemeinsames und Verbindendes.
Auftakt ist am Samstag, 15. Juli, mit der selbstironischen Spionage-Parodie „Kundschafter des Friedens“, in der Henry Hübchen als früherer ostdeutscher Top-Spion aus dem Ruhestand geholt wird und mit seinem nicht mehr ganz taufrischen Ex-Team (glänzend: Michael Gwisdek, Thomas Thieme und Winfried Glatzeder) dem BND dabei helfen soll, einen entführten BND-Mitarbeiter (Jürgen Prochnow) – seinen ehemaligen Gegenspieler – aufzuspüren. Ebenso sehenswert wie außergewöhnlich ist der italienische Krimi „Das Land der Heiligen – La Terra die Santi“ (16. Juli) der von mafiösen Machtstrukturen erzählt – aus der völlig ungewohnten Sicht von zwei Frauen, die an verschiedenen Enden des Gesetzes stehen. „Love & Friendship“ (17. Juli) basiert auf dem Briefroman „Lady Susan“ der britischen Schriftstellerin Jane Austen. („Stolz & Vorurteil“). Regisseur Whit Stillman trifft exakt den spöttischen Ton der Schriftstellerin. Scherz, Satire und tiefe Bedeutung harmonieren perfekt mit dem leichten und doch hintergründigen Spiel seines brillanten Ensembles.
In seinem preisgekrönten Drama „Ich, Daniel Blake“ (18. Juli) reflektiert Ken Loach den Alltag in Großbritannien, ohne Überzeichnung, nur mit feinen Federstrichen. Der 59-jährige Schreiner Daniel Blake aus dem Nordosten Englands verletzt sich bei der Arbeit, so dass er auf Sozialhilfe angewiesen ist. Loachs neuestes Meisterwerk ist eine schonungslose Anklage des Verfalls von Sozialsystemen und Mitmenschlichkeit. Auch die deutsche Kinosensation des vergangenen Jahres, „Toni Erdmann“ (19. Juli), läuft nochmals im KUKI. Maren Ades wunderbare Story von der Karrierefrau Ines und ihrem verschrobenen Vater ist nicht nur ungewöhnlich – sie zeigt auch den Kampf der Generationen als liebevoll ironische Herausforderung.
Das packende Porträt „Egon Schiele – Tod und Mädchen“ (20. Juli) widmet sich einem der wichtigsten österreichischen Maler des 20. Jahrhunderts und zeigt den mit nur 28 Jahren gestorbenen Künstler als gleichermaßen emotional getriebenes wie rebellisches Genie. In der Hauptrolle brilliert die Neuentdeckung Noah Saavedra. Von den Fans lange erwartet wurde die Fortsetzung von Danny Boyles Kultfilm „Trainspotting“. In „T2: Trainspotting“ (21. Juli) gibt es nun ein Wiedersehen mit Renton, Spud, Sick Boy und Francis Begbie. Das Sequel basiert auf dem Irvine-Welsh-Roman „Porno“. Die Handlung spielt zehn Jahre nach „Trainspotting“, und statt mit Drogen beschäftigt sich die Ex-Clique um Renton darin mit dem Pornogeschäft.
In dem bitterbösen Psychothriller „Elle“ (22. Juli), eine französisch-deutsche Co-Produktion, haben sich Drei gefunden, die keine Provokation scheuen: Paul Verhoeven verfilmt Philippe Djians Roman „Oh … “ mit der mutigsten Isabelle Huppert seit „Die Klavierspielerin“. In dem vieldiskutierte Film wird eine Unternehmerin in ihrer Villa vergewaltigt und lässt sich daraufhin auf eine Affäre ein – Opfer und Täter verschwimmen. Famose Figuren, starke Situationskomik, funkelnde Dialoge – in seiner Tragikomödie „Wilde Maus“ (23. Juli) spielt der österreichische Kult-Kabarettist Josef Hader einen tragikomischen Helden, der – wegen Sparmaßnahmen – seinen Job als Musikkritiker einer Wiener Zeitung verliert. Er sinnt auf Rache an seinem Ex-Chef, und sein bürgerliches Leben läuft immer mehr aus dem Ruder.
Flucht, Rassismus, Solidarität – mit seiner gesellschaftlichen Bestandsaufnahme „Die andere Seite der Hoffnung“ (24. Juli), mit der das Europäische Filmfestival hochkarätig endet, leistet der finnische Regisseur Aki Kaurismäki seinen Beitrag zur längst entgleisten europäischen Debatte – ohne Pathos, ohne Zeigefinger, dafür umso eindringlicher und mit dem ihm typischen lakonischen Humor. Ein Pokerspieler versucht, eine heruntergekommene Gaststätte auf Vordermann zu bringen, gibt dem Flüchtling Khaled einen Job und besorgt ihm einen falschen Pass.
Tickets für alle Kinoveranstaltungen im KUKI-Zelt, Kirchstraße 32 in Schlüchtern, gibt es online unter www.kukikino.de oder hier: Ticketshop der Kinzigtal Nachrichten in Schlüchtern, Grimm-Bücherstube in Steinau, Hölzer Kommunikation in Sterbfritz, „Die 2 – Küche + Design“ in Flieden sowie die Buchhandlung „Dichtung und Wahrheit“ in Wächtersbach. Weitere Informationen unter Service-Telefon (06661) 608-410, täglich von 14 bis 16 Uhr.
Programm 6. Europäisches Filmfestival im KUKI-Zelt
Samstag, 15 Juli, 20 Uhr: „Kundschafter der Friedens“.
Sonntag, 16. Juli, 20 Uhr: „Das Land der Heiligen – La Terra dei Santi“ (OmU).
Montag, 17. Juli, 20 Uhr: „Love & Friendship“.
Dienstag, 18. Juli, 20 Uhr: „Ich, Daniel Blake“.
Mittwoch, 19. Juli, 20 Uhr: „Toni Erdmann“.
Donnerstag, 20. Juli, 20 Uhr: „Egon Schiele – Tod und Mädchen“.
Freitag, 21. Juli, 20 Uhr: „T2: Trainspotting“.
Samstag, 22. Juli, 20 Uhr: „Elle“.
Sonntag, 23. Juli, 20 Uhr: „Wilde Maus“.
Montag, 24. Juli, 20 Uhr: „Die andere Seite der Hoffnung“.
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