Uli Steidl Mastersieger in Boston mit 2:19:48 Stunden

Leichtathletik

Uli Steidl vom SSC Hanau-Rodenbach hat bei der 118. Auflage des Boston-Marathons seinen zweiten „Läufer-Frühling“ erlebt.

CID

Der 42-jährige Langstreckenspezialist arbeitete sich im Gesamtfeld des zur World-Marathon-Major-Serie zählenden Laufs, der mit Preisgeldern in sechsstelliger Höhe dotiert ist, von Rang 40 in der Anfangsphase bis auf den 22.Platz im Ziel vor. Den persönlich größten Erfolg feierte Steidl aber durch seinen lukrativen Sieg in der Masterklasse M40 mit der Endzeit von 2:19:48 Stunden. Damit erzielte er gleichzeitig die bislang schnellste Zeit eines deutschen Läufers in 2014. Allerdings wird die Bostoner Strecke aufgrund ihres Punkt-zu-Punkt-Kurses nicht als offizielle Rekordstrecke anerkannt und die Deutsche Jahresbestzeit daher mit Vermerk in den Bestenlisten geführt.

„So schnell bin ich seit 2009 nicht mehr gelaufen“, freute sich Uli Steidl, dessen Bestzeit von 2:13:45 Stunden aus dem Jahr 2000 resultiert und der im darauffolgenden Jahrzehnt zahlreiche Ergebnisse zwischen 2:16 und 2:18 Stunden abgeliefert hatte. Doch mit zunehmendem Alter machten sich bei dem Marathon-Weltmeisterschaftsteilnehmer von 2007 naturgemäß Einbußen im Schnelligkeitsbereich bemerkbar, die über eine langsamere 10000-Meter-Leistungsfähigkeit auch den Marathon beeinflussten. Umso erstaunlicher ist nun die Topzeit des ausdauernden SSC-Athleten, der in Boston den früheren Weltklasseläufer Vyacheslav Shabunin aus Russland bezwang und damit erfolgreich Revanche für 2013 nahm. Damals hatte er sich dem mit früheren Unterdistanz-Bestzeiten von 3:32 Minuten über 1500 Meter und 7:39 Minuten über 3000 Meter ausgezeichneten Shabunin ab Kilometer 37 geschlagen geben müssen und mit 30 Sekunden Rückstand auf ihn in 2:22:05 Stunden Rang drei belegt.

Diesmal drehte er den Spieß um. Nach 1:09:11 Stunden war er bei der Halbmarathon-Zwischenmarke zwar drei Sekunden langsamer als im Vorjahr, doch aus der Verfolgerposition heraus hielt er das Tempo eisern hoch. „Der Führende war in Sichtweite und alles eng beieinander. Shabunin lief abwartend hinter mir, aber es war klar, dass er seinen Angriff ab Kilometer 30 starten würde“, schilderte Uli Steidl die Dramatik des Rennens. Denn obwohl er wenig später die Führung übernahm, musste er auch noch den schwierigen Anstieg bei den Newton Hills mit 50 Höhenmetern auf den drei Kilometern zwischen 31 und 34 bewältigen. Während Shabunin alle Kraft in diesen Abschnitt legte und bis auf wenige Sekunden heranrückte, blieb Uli Steidl ganz cool und konterte den Russen aus, indem er von Kilometer 35 bis 40 mit 16:22 Minuten noch „zwei Schippen“ drauflegte und Shabunin fast eine Minute Rückstand aufbürdete.

„Als ich die 26-Meilen-Marke und meine Zeit von 2:18:40 Stunden gesehen habe, wusste ich, dass ich für die letzten 360 Meter noch 79 Sekunden Zeit habe, um die 2:20 Stunden zu unterbieten. Also habe ich nochmal einen Spurt angezogen“, sagte der im Ziel überglückliche Chemielehrer, der derzeit als Universitäts-Lauftrainer und Profiläufer sein Geld verdient. Uli Steidl stand damit nach seinem Sieg beim Hitzerennen von 2012 (2:23:08 Stunden) und Rang drei im Vorjahr (2:22:05 Stunden) nun bereits zum zweiten Mal ganz oben auf dem Treppchen der Bostoner Masterwertung. „Mein Plan ist aufgegangen, das Rennen optimal gelaufen, und ich bin wirklich glücklich“, so Steidls Kommentar nach diesem Coup.

Ein Jahr nach den Bombenanschlägen war vor dem Startschuss der 118. Auflage mit einer Schweigeminute den drei Toten und 264 Verletzten gedacht worden. Uli Steidl hatte direkt nach dem Lauf von 2013 erklärt, dass er sich keinesfalls derartigem Terror beugen werde und erneut in Boston starten werde – so wie viele andere Athleten auch. Letztlich sorgten 35.755 Läufer und Läuferinnen für die zweitgrößte Teilnehmerzahl in der Geschichte des Boston-Marathons.


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