"Das Fällen von fast 700 Bäumen in einem urbanen Gebiet ist eine gravierende Maßnahme, deren Folgen man genauer betrachten muss. Bäume sind nun nicht einfach zu ersetzen, wie so mancher denkt oder glauben machen will, sondern es braucht Jahrzehnte bis Jahrhunderte bis sich ein alter Baumbestand regeneriert hat. Vom japanischen Kaiser ist bekannt, dass er sich nach einem Luftangriff auf Tokio auch um den Baumbestand gesorgt hatte. Denn dieser sei deswegen so wichtig, da man ihn nicht einfach rekonstruieren oder ersetzen kann. Nun muss man nicht unbedingt den Tenno bemühen, um den Wert einer intakten Baumbepflanzung zu begründen. Auch der Gründer des Nachhaltigkeitsgedankens, Carl von Carlowitz, hatte schon vor über 300 Jahren nach einem Besuch der kahlgeschlagenen Hänge Italiens die Notwendigkeit eines behutsamen Umgangs mit der vorhandenen Baumsubstanz angemahnt. In der neuesten Zeit ist jedoch noch eine weitere Komponente dazugekommen. Da es unweigerlich einen Klimawandel gibt, werden Klimaanpassungsmaßnahmen in den Städten immer wichtiger. Dazu zählt in erster Linie der Baumbestand. Ein Baum verdunstet pro Tag 200 bis 300 Liter Wasser, erzeugt pro Tag 10 bis 13 kg Sauerstoff und vernichtet 13 bis 18 kg CO2. Er produziert somit pro Jahr 4 t Sauerstoff und bindet 6 t CO2. 700 Bäume produzieren pro Jahr 2800 t Sauerstoff und binden 4200 t CO2. Bäume sorgen für ein gesundes Kleinklima und geben zudem noch Raum für diverse Tiere. Sie sind eine absolute Bereicherung für jede Siedlung. Wer das nicht glaubt, kann sich in fast jeder Stadt, wie z. B. in Berlin Grunewald, davon ünerzeugen.

Natürlich werden immer wieder Bäume gefällt. Nur sollte man dies mit Bedacht tun. Dies gilt insbesondere für Bereiche, wie Alleen oder Parkanlagen. Dazu ist jedoch ein Verständnis für eine ökologische Stadtgestaltung notwendig. Dass Stadtplaner aufgrund ihres eigenen ökologischen Bewusstseins unterschiedliche Prioritäten setzen, ist nachvollziehbar. In einem pluralen System ist es eben auch Aufgabe, dass verschiedene politische Kräfte sich für unterschiedliche Aspekte einsetzen. Ich habe damals bei der Diskussion um „kranke“ Bäume an der Wilhelmsbader Allee darauf bestanden, Bäume nur dann zu ersetzen, wenn es unbedingt notwendig war. Dies wurde auch vorbildlich umgesetzt. Bäume gehören eben nicht nur in den Wald, sondern in die Stadt. Deswegen wird man im Stadtgebiet Hanau weit mehr als 1000 Bäume neu pflanzen müssen, um dem Aspekt der Klimaanpassung Rechnung zu tragen."

Dr. Ralf-Rainer Piesold
Hanau

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