Warum bestreitet man Herrn Dr. Schäfers Erkrankung?

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VORSPRUNG-Leser Klaus Dippel aus Hanau nimmt in seinem Leserbrief zur Corona-Krise und zum Freitod des hessischen Finanzministers Dr. Thomas Schäfer Stellung.

"Nun haben wir Muse wie vielleicht niemals mehr im Leben. Nach dem Schließen der Stammkneipe, allein vor einem Glas Rotwein, kann man die Zeit nutzen und über Grundsätzliches nachdenken. Über Gott und die Welt, über Medien und wie diese die Welt vermitteln. Wenn man etwas zurücktritt und versucht, das große Ganze zu sehen, kann man an der aktuellen Grippewelle bemerkenswerte Muster erkennen. Wie geht unsere Gesellschaft mit Krankheit und Kranken um? Wie weit haben wir Tod und Leid aus unserem Leben verbannt? Ewig jung und unsterblich scheint alles mit Geld lösbar. Nicht mal die Kirchenfunktionäre sprechen von Demuth, von Bescheidenheit der menschlichen Existenz oder gar von Gott und Himmelreich als Trost.

Die Berichterstattung über den Freitod unseres Finanzministers ist ein krasses Beispiel. Ihm wird nicht mal die offensichtliche psychische Erkrankung zugestanden. Ministerpräsident Bouffier verkündet vielmehr: Dr. Schäfer habe die 'Sorge, die Coronakrise nicht bewältigen zu können' erdrückt und er habe 'offensichtlich keinen Ausweg mehr gefunden'. Hier wird eine rationale Erklärung für ein zutiefst irrationales Verhalten gesucht. Was für ein unverantwortliches Signal an die Bürger, wenn der im gleichen Atemzug als 'umsichtig und fachkundig' bezeichnete Minister die 'gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme für unlösbar' hält? Warum bestreitet man Herrn Dr. Schäfers Erkrankung? Es kann ja keine gesunde und rationale Entscheidung gewesen sein, seine kleinen Kinder und seine Frau 'im Stich zu lassen'. Gar wegen beruflicher Schwierigkeiten dann als sachkundiger Fachmann den Freitod zu wählen. Was bezweckt Herr Bouffier mit der unverantwortlichen Aussage? Kennt er nicht die Wirkung der 'Leiden des jungen Werther'? Will er labile Menschen zur Nachahmung anhalten?

Sicher nicht. Trotzdem schürt er die Panik und blendet Krankheit als natürlich und menschlich aus. Das führt übers Hölzchen zum Stöckchen. Warum druckt die 4. Gewalt diesen gefährlichen Unsinn unkommentiert ab? Erneut versagt das Korrektiv der Presse wie in der ganzen Coronakrise. Meiner Einschätzung nach hat Herr Dr. Schäfer in der Analyse recht. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme lassen sich nicht mit 5 Billionen Euro lösen. Unser System des immer mehr kommt an seine Grenze. Die von den Regierungen angefachte Überreaktion auf die Grippe wird die Umverteilung von unten nach oben vollenden. Die südlichen Euroländer werden nun vollends ins Elend gestoßen und am Ende wird die Gemeinschaftswährung trotz Eurobonds nicht zu retten sein. Gewinnen werden ganz wenige. Klar gehören Amazon und die Giganten dazu. Ob allerdings die sich überbietenden Kanzlerkandidaten der CDU längerfristig zu den Krisengewinnern zählen, kann bezweifelt werden. Die Rechnung für das angerichtete Chaos wird hoch sein.

Ein Leserbriefschreiber fragte: Cui bono? Wem nutzt die ganze Sache? Schwer zu sagen. Wem sie allerdings schadet, kann man schon absehen. Sicher steigen in der Hysterie die Selbstmordraten, die häusliche Gewalt. Opfer sind die Kranken, die nicht zur Krebsvorsorge gehen oder bei stechenden Brustschmerzen zu lange warten, sich auf Herzinfarkt untersuchen zu lassen. Wieviel Elend eine Wirtschaftskrise vom Ausmaß der 1920er Jahre über die Bürger bringt, wird sich zeigen. Es wird nicht wenig sein. Selbst wenn es nach einem Währungsschnitt zum Wiederaufbau kommt, werden die Billionen fehlen, um auch Afrika endlich seinen Anteil vom Kuchen abzugeben."

Klaus Dippel
Hanau

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