"Eine Bemerkung vorab: Die Kreisverwaltung des MKK hat die Großveranstaltung im Stadion zum Ende des Fastenbrechens abgesagt. Die höchste Feier des Islam neben dem Opferfest, insofern eine besondere Anforderung an Verzicht für unsere muslimischen Mitbürger. Dennoch angesichts der letzten Meldungen über Ansteckungen bei größeren Versammlungen wie auch der einer baptistischen Gemeinde in Frankfurt unbedingt notwendig und begründet. Wie auch die Verordnungen der Stadt Hanau im Rahmen des pandemischen Ausnahmezustands bisher weitsichtig und vernünftig waren, insofern sie auf Eindämmung der Seuche zielten. Dies sage ich im Unterschied zu Einzelnen und Gruppen, die selbst auf dem Höhepunkt des Knockdowns die Gefahren leugnen oder gar wie die des 'Widerstand-2020' mit Verschwörungsfabulierern und Rechtsextremisten gemeinsame Sache machen, um angeblich unsere Freiheitsrechte zu retten. 'Wir sind alle gleich', so die richtige Antwort der Stadt auf den rassistischen Anschlag vom 19.2. in Hanau. Obwohl eher wohl ein Wunschbild, bestenfalls ein Vorsatz. Sind wir dies auch inmitten und in der Folge der Pandemie? Eine rein rhetorische Frage, denn tatsächlich gibt es beträchtliche Unterschiede bei der Gleichheit. Zu fragen wäre: Wer ist der größeren Gefahr ausgesetzt, wer hat am Ende die Rechnung zu bezahlen? Der Nadelgestreifte oder der Blaumann, die Altenpflegerin oder die Manager der börsennotierten Pflegeheimkette?

Ungleichheit und ungerechte Verteilung der Lasten nach unten beginnen schon mit Ausschließung der Kommunen von der Teilhabe an dem Rettungspaket der Bundesregierung. Während 'notleidende' Großunternehmen wie die Lufthansa (Flotte weitgehend abbaubedürftig als Klimakiller) knapp unter der Sperrminorität liegende 9 Milliarden Zuschüsse, Aktienpaketeals Stille Teilhaber und Kredite, erhalten, bleiben die Kreis, Städte und Gemeinden ohne jede Hilfe. Die müssen sich dann die Mittel für Leistungen der Daseinsvorsorge wie Schwimmbäder, Gesundheitsämter, Sozialpässe, Theater etc. künftig über Erhöhung von Abgaben und Steuern von den Bürgern holen. Oder soziale und kulturelle Leistungen kürzen. Also jedenfalls nach unten weitergeben. So verschärft Corona die Ungleichheit. Weiter: Jeder 3. Arbeitnehmer ist auf Kurzarbeit, also hat oft existenzbedrohende Abzüge, die Arbeitslosigkeit steigt, Hartz4ler und andere Personen mit Transferleistungen bleiben ohne jede Zuwendung. Obdachlose ohnehin. Die Schließung von Kitas und Schulen belasten vor allem die Frauen. Wander-u. Saisonarbeiter v.a. aber ausländische Pflegekräfte, man holt sie wieder ins Land, weil man sie dringend braucht, sie wohnen oft in Sammelunterkünften oder so beengt, dass das Virus leichtes Spiel hat, sie beziehen Entgelt weit unter Tarifhöhe. Oft nur Hungerlöhne.

Zum Ausgleich für hohes Risiko und verschärfte Armut nun eine gute Nachricht: Es gibt auch Krisengewinner! Z.B. Hedgefonds und Börsenspekulanten, die ein paar lumpige Milliarden damit machen, dass sie gegen die Banken auf fallende Aktienkurse setzen. Das nennt sich gesellschaftlich nützliche Arbeit. Oder die Großverdiener in den Manageretagen: Sie bekommen noch Boni und zahlen Dividenden aus, wenn sie das Unternehmen zerlegen oder ganz verscherbeln. Die Bundesrepublik eine Landschaft, über die eine Krankheit zieht. Menschengemacht, die eine wie die andere. Die eine sichtbar, die andere nicht. Schon melden sich Unternehmerverbände mit der Forderung nach Herabsetzung des Mindestlohns. Je schwächer der soziale Status, desto höher das Risiko und die Lasten. Gerade auch für die Arbeiter  an der Seuchenfront. Dafür können sie sich eine Weile als 'systemrelevant' vorkommen. Wie die 30 erstrangigen Dax-Unternehmen. Ein Hohn. Aber irgendwie sind wir doch alle gleich, oder?"

Jörg Sternberg
Hanau

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