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"Sehr geehrte Damen und Herren, zu Beginn dieses offenen Briefes möchte ich deutlich machen: Es liegt mir fern, Personen persönlich anzugreifen oder zu diskreditieren. Gleichwohl kann man in dieser Angelegenheit den Glauben an die Basisdemokratie verlieren. Ich übe deutliche Kritik an Verfahren und Genehmigung zweier Windkraftanlagen (WKA) mit einer Höhe von jeweils 241 Metern im Brandensteiner Forst in der Gemarkung Schlüchtern-Elm. Ich bin weder Gegner von Windkraft noch von Erneuerbaren Energien im Allgemeinen. Aber die beiden geplanten Windkraftanlagen sind nicht nur landschaftsprägend, sondern gefährden Menschen, Tiere und Pflanzen – und sie gefährden Existenzen.

Ich fordere die Rücknahme der Genehmigung des Regierungspräsidiums Darmstadt (RP Darmstadt) aufgrund der folgenden Argumente:

In Anbetracht der Faktenlage haben die beteiligten politischen Gremien wie der Main-Kinzig-Kreis, Schlüchterns Stadtverordnete sowie der Elmer Ortsbeirat gegen die Errichtung dieser Anlagen votiert. Dennoch erteilt das Regierungspräsidium Darmstadt dem Bau eine Genehmigung – das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Wir haben in unserer Schlüchterner Gemarkung bereits 48 Windkraftanlagen und leisten somit einen großen Beitrag zur Energiewende. Dieser letzte landschaftsprägende Hügel muss freigehalten werden.

Viele örtliche Gegebenheiten wurden seitens des RP Darmstadt nicht berücksichtigt.
Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit, möchte ich einige Punkte nennen:

⦁ Die Populationen geschützter und seltener Tierarten wie Schwarzstörche oder Rotmilane werden durch den Bau der WKA in besonderem Maße gefährdet. Die Rotorenblätter stellen eine Lebensgefahr für die bedrohten Vogelarten dar. Der Eingriff in ihr Habitat wird diese und weitere seltene Tierarten vertreiben.
⦁ Das Gebiet, auf dem die WKA gebaut werden sollen, ist aufgrund von Geländerutschungen hochsensibel. Die Standfestigkeit der WKA sehen wir nicht als sichergestellt.
⦁ Durch den Bau von Zufahrtstraßen wird eine Schneise der Verwüstung in unberührte Wälder geschlagen, intakte Natur wird zerstört.
⦁ Viele seltene Pflanzen – wie zum Beispiel Orchideen – werden nicht mehr zu finden sein.
⦁ Schwarzbach und Elmbach sind europäische Gebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden. Sie genießen deshalb den entsprechenden Schutz.
⦁ Das Naherholungsgebiet Heiligenborn wird immens beeinträchtigt, die Betreiber des Campingplatzes müssen mit massiven wirtschaftlichen Einbußen rechnen.
⦁ Die Wasserversorgung am Haineshof wird durch die Errichtung der Anlagen beeinträchtigt und kann nicht sichergestellt werden.
⦁ Die Bewohnerinnen und Bewohner des Kohlehofes und des Zementwerkes verlieren durch den zu erwartenden Lärm und Schattenwurf an Lebensqualität und deren Immobilien an Wert.

Dies ist nur eine Auswahl der Punkte, deren Tragweite und Relevanz bei der Entscheidung des RP Darmstadt gar nicht oder nur zu geringem Teil berücksichtigt wurde. Ich habe mich intensiv mit dem Genehmigungsbescheid des RP Darmstadt beschäftigt. Er beinhaltet eine Vielzahl von Konjunktiven wie „sollte“, „könnte“, „würde“. Vieles ist schwammig formuliert und nicht konkret. Die berechtigten Einwände der Bürgerinnen und Bürger wurden damit abgewertet.

Außerdem existieren gravierende inhaltliche Fehler. Beim Thema Querung von Oberflächengewässern werden beispielsweise der Bocksgraben, der Orbbach und die Kinzig genannt. All die genannten Gewässer gibt es bekanntlich in Elm nicht. Der Bocksgraben beispielsweise fließt in Gründau. Da sich noch mehr solcher Fehler im Bescheid finden, drängt sich die Frage auf, ob die Zustimmung zum Bau der WKA auf Grundlage der korrekten Faktenlage getroffen wurde. Nach Aussage der Betreiberfirma Juwi AG bringen die Anlagen nach 20 Jahren keinen Gewinn mehr und werden dann nach Polen verkauft. Uns wurde immer erklärt, dass es bei dem Projekt doch gar nicht ums Geld, sondern um den Klimaschutz geht.

Da stellen sich mir gleich zwei Fragen:
1. Brauchen wir in 20 Jahren keinen Klimaschutz mehr?
2. Oder stehen vielleicht doch finanzielle Interessen im Vordergrund?

Wir sind weiterhin sehr an einer konstruktiven Diskussion mit allen Beteiligten interessiert. Aber eines möchte ich an dieser Stelle klar festhalten: Die Entscheidung des RP Darmstadt ist nicht nachzuvollziehen und aufgrund der dargelegten Fakten, Fehler und Unklarheiten nicht akzeptabel. Ich fordere die Behörde auf, die Genehmigung zurückzunehmen. Meiner Meinung nach wird hier die Basisdemokratie einfach vom Tisch gefegt. Schade um die vielen ehrenamtlichen Kommunalpolitikerinnen und -politiker, die sich für die Belange der Bürgerinnen und Bürger vor Ort einsetzen."

Inge Vey
(Ortsbeiratsvorsitzende a. D. 1992-2021)
Schlüchtern

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