Umwälzung der Schullandschaft im südlichen Main-Kinzig-Kreis geplant

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VORSPRUNG-Leser Jürgen Heim, Schulleiter der Heinrich-Böll-Schule in Bruchköbel von 1983-2003 und ehemaliges Kreistagsmitglied, äußert sich in seinem Leserbrief zur Entwicklung der Schullandschaft im Main-Kinzig-Kreis.

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"Seit einigen Tagen erreichen mich Meldungen aus der Kreispolitik, die mich als ehemaligen Schulleiter der Heinrich-Böll-Gesamtschule zutiefst beunruhigen. So plant nach den mir vorliegenden Informationen CDU-Schuldezernent Ottmann nichts weniger als eine weitgehende Umwälzung der Schullandschaft im südlichen Main Kinzig-Kreis. So soll die Heinrich-Böll-Schule in Bruchköbel von einer integrierten Gesamtschule in eine Haupt-und Realschule umgewandelt werden. Als Pendant dazu soll auf dem benachbarten Schulgelände das Lichtenberg-Oberstufengymnasium in ein Vollgymnasium ab Klasse fünf erweitert werden. Gleichzeitig soll die Bertha-von-Suttner-Schule in Nidderau eine Gymnasiale Oberstufe erhalten.

Hintergrund der weitreichenden Pläne Ottmanns ist der im Kreistag unmittelbar vor der Kommunalwahl gescheiterte Schulentwicklungsplan für die allgemeinbildenden Schulen des Main-Kinzig-Kreises. Damals hatte die Opposition dem Dezernenten u.a. eine Laissez-Faire-Politik bezüglich des durch die Bevölkerungsentwicklung zunehmenden Bedarfs nach Gymnasialplätzen im Umkreis von Hanau vorgeworfen. Danach tat sich in der politischen Diskussion erst einmal nichts. Allerdings verhieß die tiefe Stille in der CDU-SPD-Koalition im Kreis nicht unbedingt etwas Gutes. In dem nach der Sommerpause im Kreistag nun zum zweiten Mal vorzulegenden Schulentwicklungsplan will der Dezernent offenbar Nägel mit Köpfen machen.

Als ehemaliger Schulleiter einer Gesamtschule freue ich mich sehr, dass die Bertha-von-Suttner-Schule in Nidderau eine Gymnasiale Oberstufe erhalten soll. Ich halte dies für einen lang anstehenden und richtigen Schritt. Er wird der Entwicklung der Schule sehr zu Gute kommen. Über die Pläne, die der CDU-Dezernent für die Schullandschaft in Bruchköbel hat, bin ich dagegen zutiefst befremdet. Die Heinrich-Böll-Schule ist eine seit Jahrzehnten im gesamten Main-Kinzig-Kreis anerkannte Integrierte Gesamtschule mit rund 1200 Schülern, die mit ihrem Leitmotiv „Länger gemeinsam Lernen“ und mit ihren vielfältigen Lernarrangements für die einzelnen Schülerinnen und Schüler viele Generationen zu hochwertigen Schulabschlüssen geführt hat. Auch bei Hanauer Eltern ist die Heinrich-Böll-Schule sehr beliebt.

Ich sagte eben, ich sei befremdet. Die Wahrheit ist, ich bin entsetzt. Ich hätte es im Jahre 2021 nicht für möglich gehalten, dass die CDU aus der Mottenkiste des Schulkampfes der siebziger Jahre des vergangen Jahrhunderts Modelle des dreigliedrigen Schulsystems hervorholt und damit versucht, ein funktionierendes Gesamtschulsystem zu zerschlagen. Meine Nachfragen im Kreis ergaben, dass die SPD-Fraktion im Kreis von Ottmanns Ideen nicht unbedingt begeistert ist. Das mag sein, aber der Landrat des Kreises ist ebenfalls Mitglied der SPD. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Vorstellungen seines Dezernenten so völlig unbemerkt an ihm vorbei gegangen sind. Schließlich sind das keine Pläne im luftleeren Raum. Nach den mir vorliegenden Informationen haben die ersten Gespräche mit Schulleitern bereits stattgefunden.

Ich habe die Hoffnung, dass Herrn Ottmanns Vorstellungen scheitern werden. Wenn nicht, bedeutete dies die Zerschlagung einer Schullandschaft, die in ihrer Zusammenarbeit der Gesamtschulen untereinander, in ihrer Zusammenarbeit mit den ihnen zugeordneten Grundschulen und mit dem Lichtenberg-Oberstufengymnasium immer eine besondere war und ist: Durchlässig, schülerorientiert und integrativ. Wir sollten alles daran setzen, sie zu erhalten."

Jürgen Heim
Langenselbold

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