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"Sehr geehrter Herr Stadtrat Morlock,  wir beziehen uns auf die in den letzten Monaten geführte Korrespondenz zur Verkehrsberuhigung Kinzdorf und auf das dazu geführte gemeinsame Gespräch bei Ihnen. Es ist bekannt, dass wir und viele weitere Anwohner im Kinzdorf mit den Gesprächsergebnissen und der offensichtlich begrenzten Phantasie der Stadt Hanau im Zusammenhang mit der Entlastung der Anwohner im Wohngebiet Kinzdorf nicht zufrieden sind. Unabhängig von der Enttäuschung über nicht vorgesehene Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung stellen wir fest, dass ein Teilthema bei den Gesprächen, wegen Vorrangs der Reduktion der Belastung der Anwohner, zu kurz gekommen ist: Die unbefriedigende und gefährliche Situation für Radfahrende in der Konrad-Adenauer-Straße und in der Mainstraße. Da verkehrsberuhigende Aktivitäten für diese Straßen offensichtlich nicht vorgesehen sind, gewinnt diese Problematik nochmals an Bedeutung. Hinweis: Um eine einfachere Lesbarkeit sicherzustellen, benutzen wir für die verschiedenen Verkehrsteilnehmer im nachfolgenden Text die männliche Form, natürlich sind damit jeweils alle m/w/d-Formen gemeint. Vielfach sehen wir, sowohl durch eigene Erfahrung als auch durch Beobachtung anderer Radfahrer, immer wieder gefährliche Vorkommnisse: Die Straße benutzende Radfahrer werden sehr oft von Autos bedrängt (kaum Abstand) und geschnitten, nicht selten mit überhöhter Geschwindigkeit, Autofahrer beschimpfen die Radfahrer und weisen auf den Radweg hin. Es gibt aber bekanntlich keinen ausgewiesenen Radweg (weil der Bürgersteig zu schmal ist), und daher empfiehlt ja auch die Stadt die Benutzung der Straße (so führt der in der Nähe der Philippsruher Allee gekennzeichnete kurze Radweg bei Hausnr. 63 auch direkt auf die Straße).

Bei der gegenwärtigen Verkehrsbelastung ist es womöglich nur eine Frage der Zeit, bis ein Unfall mit ernsthaften Folgen passiert. Ein Unfall mit einem Radfahrer durch zu enges Überholen durch einen Autofahrer ereignete sich am 06.05.2022, glücklicherweise mit glimpflichen Folgen. Umgekehrt benutzen Radfahrer, weil es für sie auf der Straße zu gefährlich ist und sie sich dort unsicher fühlen, die Bürgersteige, und zwar in beiden Richtungen. Das führt dort wiederum zu Konflikten mit Fußgängern und ebenfalls manchmal zu gefährlichen Situationen. Betroffen sind insbesondere z. B. Senioren, die nebeneinander untergehakt gehen (müssen), Fußgänger mit Kinderwagen, Rollstuhl- und Rollatorfahrer, Fußgänger mit Hund.

Und ein schmaler Streifen rötlicher Steine begründet ja wohl weder eine Benutzungspflicht des Bürgersteigs als Radweg noch ein Benutzungsrecht. Insbesondere die Verbindung zwischen Kinzdorf und Innenstadt weist eine weitere Merkwürdigkeit auf: Die Unterführung zwischen Westbahnhofstraße und Steinheimer Straße ist zwar für Radfahrer gesperrt (von der Westbahnhofstraße aus nur für Fußgänger erlaubt, von der B45 für Fahrzeuge aller Art gesperrt), aber die neuen Radwegweiser führen Radfahrer gerade in diese Unterführung hinein. Auch hier haben wir schon Konflikte und (glücklicherweise harmlose) Unfälle erlebt. Eine weitere Kuriosität sehen wir in der Mainstraße, wo vor den Hausnummern 2 bis 8 und 12 das halbseitige Parken auf dem nur 2,20 m breiten Bürgersteig erlaubt ist. Angesichts der beschriebenen Situation halten wir einen erhöhten Schutz für Radfahrer und Fußgänger in der Konrad-Adenauer- und Mainstraße für dringend erforderlich, auch im Sinne des für Hanau vorgesehenen Verkehrsleitbildes, das von einer Zunahme des Radverkehrs und des Fußverkehrs ausgeht und entsprechende Empfehlungen für die Verbesserung der erforderlichen Infrastruktur in Hanau beinhaltet. Es ist nicht einzusehen, dass der motorisierte Individualverkehr Vorrang vor den Bedürfnissen der nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer hat, und dass diese dadurch sogar Gefahren ausgesetzt sind.

Schließlich wird auch von der Stadt die Benutzung der Straße durch die Radfahrer empfohlen. Das wäre vielleicht bei einer geringeren Fahrzeugfrequenz denkbar, bei der aktuellen Belastung bedeutet diese Empfehlung aber eher eine hohe Gefährdung der „schwächeren“ Betroffenen. Daher fordern wir Maßnahmen zu ergreifen, die die beschriebene Gefährdung nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer in der Konrad-Adenauer- und Mainstraße vermeiden bzw. mindestens reduzieren. Denkbar wären zum Beispiel eindeutige Kennzeichnungen: Auf den Bürgersteigen Hinweise auf Benutzung nur durch Fußgänger und nicht durch Radfahrer, auf der Straße Hinweise für die Autofahrer darauf, dass diese auch von Radfahrern benutzt wird. In beiden Fällen wäre das z. B. durch Piktogramme auf Fußweg bzw. Fahrbahn und/oder geeignete, gut sichtbare Schilder umsetzbar. Auch, wenn solche in der StVo nicht explizit so vorgesehen ist, sind sie ja sicher nicht verboten. Helfen könnte auch ein explizites Verbot, Radfahrer zu überholen. Wir vertrauen auf Ihre Sachkompetenz und erwarten Ihre Lösungsvorschläge."

Kerstin Weber
Vitus Lohmann
Gerd Buchweitz
(Initiative Verkehrsberuhigung Kinzdorf)

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