Versprochen ist versprochen

Leserbriefe

Zu den neuen Plänen für den Kalksteinbruch in Freigericht-Altenmittlau äußert sich Erika Reußwig-Trageser aus Somborn, die für die LFB/FDP-Fraktion im Freigerichter Gemeindeparlament sitzt.

Autohaus Nix

Nach der Attacke aus dem letzten Jahr liegt nun der nächste Vorstoß zur Verwendung des Kalksteinbruchs auf dem Tisch. Die Firma Trageser will dort (weiter) Bauschutt verarbeiten. Vor allem die Art und Weise, wie die Sache von Verwaltung und Gemeindevorstand vorangetrieben wird, ist schon … erstaunlich.

1. Was man verspricht, das muss man auch halten!

Viele Jahre – zuletzt 2012 – wurde immer und immer wieder betont, die Verfüllung des Geländes sei bis Ende des Jahres abgeschlossen. Eine weitere industrielle Verwendung sei wirklich nicht vorgesehen. Darauf haben die Anwohner sich verlassen, dort gebaut und geduldig gewartet. Wen kann es nun verwundern, dass sie langsam aber sicher die Nase gestrichen voll und Schaum vor dem Mund haben? Welcher Zusage darf man denn eigentlich noch trauen? Wo schon der letzte Versuch 2012 kläglich gescheitert ist (Servator)?

2. Wieder Mauschelei durch die Hintertür?

Warum wird der Antrag nicht so behandelt, wie es sich in einer Demokratie gehört? Das Anliegen gehört öffentlich vorgetragen und erläutert, fachlich geprüft und alle Betroffenen müssen Gelegenheit haben, sich zu äußern. Statt endlich für Transparenz zu sorgen, wird versucht, Anwohner und Gemeindevertretung mit einem Gewaltakt zu überrumpeln. Warum diese Eile? Warum spricht der Bürgermeister nicht erst einmal direkt mit den betroffenen Leuten? Warum versucht Herr Brönner, die Angelegenheit mit aller Gewalt im Schweinsgalopp durch das Genehmigungsverfahren zu peitschen? Man kommt sich vor wie in alten Golfplatz-Tagen. Irgendwas ist faul?

3. Uneingeschränkt JA zu unternehmerischen Investitionen!

Wir brauchen Gewerbetreibende, die damit verbundenen Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Davon haben wir sowieso viel zu wenig. Viele für uns interessante Unternehmen haben in der Vergangenheit Freigericht enttäuscht verlassen: wegen schlechter Rahmenbedingungen, aber auch wegen rabiater Anwohner, die nach dem St.-Florians-Prinzip leben (wollen): Verkehr, Dreck, Gestank und Lärm sollen immer woanders stattfinden, aber auf keinen Fall vor ihrer eigenen Haustüre. So geht es halt auch nicht. Jeder Bürger muss Kompromisse eingehen. Ergo muss der Firma Trageser im Freigericht ein vernünftiger und dauerhafter Standort angeboten werden. Keine Frage! Aber eben nicht im Hauruck-Verfahren. Die Gremien sind gefordert.

4. Einzigartiges Azurit völlig ausgeblendet!

Es gäbe für den Steinbruch viel versprechende Alternativen zu einer Bauschutt-Verarbeitung, die vielleicht auch mit den Interessen der Nachbarn besser zu vereinbaren wären:

- Das Altenmittlauer Azurit-Vorkommen ist einzigartig in ganz Deutschland. Warum machen wir nichts daraus? Wir haben ein absolutes Alleinstellungs-Merkmal – und alle schlafen! Ich könnte mir durchaus eine bescheidene Ausgabe des Konzepts der „Grube Messel“ vorstellen. Man könnte als Mineraloge, privater Besucher oder mit Schulklassen

  • als „Mauerspecht“ an der Kalkwand Azurit freilegen dürfen
  • und über Mineralogie informiert werden,
  • plus nettem Rahmenprogramm zur Abrundung (Spielplatz, Bewirtung, Zeltplatz etc.).

Ein Bezug zum Spessartbogen wäre denkbar. Da fährt kein einziger Lastwagen, es gibt keinen Schmutz, nur vielleicht ein wenig Lärm, sofern man (Kinder-)Lachen so sehen will.

- Kreativität ist gefragt: Wieso bauen wir in den Steinbruch nicht zusätzlich eine rustikale Freiluft-Arena für verschiedene Veranstaltungen und Konzerte? Das können wir bei unseren vielen Vereinen ohnehin gut gebrauchen. Dafür könnte sich ein Trägerverein z. B. aus Anwohnern und Vereinen gründen, die bei der Gestaltung selbst Hand anlegen. Die Gemeinde würde die Materialkosten übernehmen. So würde sich zudem das leidige Thema „Begegnungsstätte“ einfach realisieren lassen – ohne Millionen-Objekt mit irrsinnigen Folgekosten wie beim „Gasthaus Freigericht“. (Für mich gehört dort nach wie vor ein gutes Lokal mit regionalen Speisen und Getränken hinein!)

Wenn man weiter nachdenkt, kommen bestimmt noch mehr gute Ideen ins Spiel. Also brauchen wir Zeit, Ruhe und ein geordnetes Vorgehen, dann kommen wir auch zu einem vernünftigen Ergebnis. Ziel: Anwohner und Unternehmen können zufrieden und produktiv nebeneinander existieren, ALLEN ist gedient.

Auf die weitere Diskussion bin ich gespannt.

Erika Reußwig-Trageser
Heckenweg 6
63579 Freigericht

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