Gemeinsam für ein weltoffenes und buntes Bad Orb

Leserbriefe
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"Wir sind eine Gruppe von jungen Erwachsenen, die auf Grund der politischen Lage in Deutschland sowie unserem Heimatort Bad Orb einen Leser*innenbrief verfasst haben", heißt es im Anschreiben an die Redaktion zu diesem Leserbrief.



"23% wählten die AfD! Das ist das Ergebnis der vergangenen Landtagswahl im Wahlkreis von Bad Orb. Vier Jahre zuvor tötete ein Rassist am 19. Februar in Hanau neun Menschen. In der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag diesen Winters brannte die Wohnung einer Familie in Wittgenborn. Laut Angaben der Stadt Wächtersbach wurde an die Wände der Wohnung 'Ausländer raus' geschrieben. Vor Kurzem fand in Potsdam ein geheimes Treffen von Rechtsradikaldn statt, darunter mehrere Mitglieder der AfD, das dazu diente, millionenfache Zwangsdeportationen für Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland zu planen...

Wir wurden aufgerüttelt und sind wachsamer geworden. Ereignisse wie diese, vor allem wenn sie in unserem unmittelbaren Umfeld stattfinden, müssen ernst genommen und können nicht länger als 'Einzelfälle' und 'Randerscheinungen' gedeutet werden. 

WIR - sind einige junge Erwachsene, die teilweise nicht mehr in Bad Orb wohnen, aber alle nach wie vor eine große Verbundenheit zu unserem Heimatort empfinden und pflegen. Seit der Landtagswahl treffen wir uns regelmäßig online, um uns auszutauschen und einen Umgang mit diesem Ergebnis zu finden. Uns alle verbindet die Sorge um die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Wir sehen, dass es für viele Menschen im Hinblick auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen und Krisen unserer Zeit Gründe gibt, mit der aktuellen (Bundes-) Politik zu hadern. Auch wir stellen uns drängende Fragen für die anstehende Zeit: Was hat die aktuelle Entwicklung für Konsequenzen für unsere Demokratie? Wie schaffen wir es, während der aktuellen Kriege (in Gaza und Israel, der Ukraine, dem Sudan…) mit weltweiten Auswirkungen, der Klimakrise und steigender Inflation, auch in Bad Orb nachhaltige Integration zu ermöglichen? Wie kann jetzt und in Zukunft Sicherheit für alle Menschen in Bad Orb sichergestellt werden? Es braucht dafür wirklich gute Antworten, die auch wir nicht sofort parat haben.

Was wir aber sicher wissen ist, dass wir keine Probleme lösen, indem wir Menschen diskriminieren, aktuelle Krisen relativieren oder leugnen, finanzielle Ungleichheit fördern und uns als Bundesrepublik isolieren. Es ist nicht länger möglich, zu leugnen, dass es sich bei der AfD um eine rechts bis rechtsradikale Partei handelt, die die faschistische Geschichte dieses Landes wiederholen will. Schon vor 100 Jahren haben sich deutsche Wählerinnen und Wähler aus Angst, Systemmisstrauen und falschem Nationalismus von einer rechtsradikalen Partei in falsche Versprechen führen lassen. In Bad Orb haben sich bei der Landtagswahl aber mit knapp über 23% (Wahlkreisstimmen) der Wählenden mit dem Kreuz bei der AfD für genau diese Konsequenzen entschieden. Wir sprechen hier von fast jeder vierten Person!

Das bestürzt uns zutiefst. Wir machen uns Sorgen um unsere Zukunft, wir machen uns Sorgen um unsere Heimat!

Wir erleben in unserem persönlichen Alltag, der sich in verschiedenen Orten und Blasen unserer Gesellschaft abspielt, dass ein friedliches und respektvolles Zusammenleben möglich ist. Wir wissen, dass sich vieles verstehen und aufbauen lässt, wenn man miteinander in Kommunikation tritt, anstatt übereinander zu reden. Wir fordern ein rücksichtsvolles Miteinander, indem man auf unsere komplexe Welt nicht sofort mit Pauschalisierung und dem Zeigen auf Sündenböcke antwortet. Wir sind die öffentlich sichtbare Gegenrede zu lauten, rechten Parolen. Wir wollen nicht, dass sich der Rechtsruck durch die AfD schleichend normalisiert. Denn es sind nicht nur 'die da oben' verantwortlich, wir alle haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Wir alle tragen die Verantwortung, unsere Demokratie aktiv am Leben zu erhalten. Für unsere Heimat wünschen wir uns Empathie, Inklusion, geistige Offenheit und Solidarität. Einen Ort, an dem Entscheidungen aufgrund von universellen Menschenrechten und in differenzierten, auf Wissen und wissenschaftlichen Fakten basierenden Diskussionen erarbeitet werden.

Und wir wünschen uns Ihre/n und Eure/n sichtbare/n Solidarität, Sensibilität und Mut! Die Mitte hat zu lange geschwiegen. Wir freuen uns über weitere Personen, die unseren Aufruf unterzeichnen, über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!."

Yanik Acker, Hanna Acker, Leonie Adam, Sophia und Theresa Angelstein, Elena und Elias Bien, Frida und Paula Böhm, Paul Dinkel, Laurel Döppenschmitt, Patricia Geipel, Franziska und Johanna Heimrich, Philomena und Theo Hummel, Senta Hinze, Alina Kolb, Simon Sachs, Leonhard Schaal, Jakob Schäfer, Laura Schäfer, Kirsten und Marleen Wilmes, Mona Wink

Hinweis der Redaktion: Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen oder nicht zu publizieren. Online eingesandte Leserbriefe werden nicht direkt veröffentlicht, sondern zuerst von der Redaktion geprüft. Leserbriefe sind immer mit dem Namen und der Anschrift des Autors zu versehen und spiegeln die Meinung des oder der Autoren wider. Die E-Mail-Adresse zur Einsendung von Leserbriefen lautet Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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