Klaus Reuter, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Großkrotzenburg, meldet sich in der Debatte über die Fernwärme-Versorgung zu Wort.
"Die Stadtwerke Hanau liefern die Fernwärme an die GWG (Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH) genauso wie Uniper zu einem bestimmten Vorbezugspreis. Der sollte aber deutlich niedriger sein als der Bezugspreis der Hanauer Endkunden und ist Verhandlungssache. Wenn die Gemeindewerke gut verhandeln, kommen wir hier mit den Kosten des Betriebes des Großkrotzenburger Netzes auf einen ähnlichen Endpreis wie in Hanau. Wenn aber die Flusswärmepumpe gebaut wird, was die Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH ja vorhaben, dann wird es deutlich teurer für unsere Fernwärmekunden.
Betont werden muss auch die Verlässlichkeit des Vorwärmebezugs aus Hanau, denn die Fernwärme von dort ist sofort verfügbar, während die Inbetriebnahme des Krotzenburger Luftschlosses in den Sternen steht. Eine Fertigstellung 2026 ist reines Wunschdenken, wesentliche Teile der Anlage sind gerade erst europaweit ausgeschrieben worden. Bis die Aufträge vergeben werden, fließt noch viel Wasser den Main hinunter.
Als die Gremien der Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH das eigene Modell in 2020/2021 abgesegnet haben, war eine Inbetriebnahme Ende 2024 als realistisch geplant. Das hätte einen einigermaßen reibungslosen Übergang von Uniper auf die eigene Wärmeversorgung gegeben, die damalige Prognose war aber sehr optimistisch bis unrealistisch. Jetzt haben wir schon 18 Monate Verzögerung, macht 3,6 Millionen Euro Mietkosten für die Mietkessel. Realistisch betrachtet kann die Anlage vielleicht Ende 2027 laufen, dann sind schon 7,2 Millionen Euro Mietkosten aufgelaufen, die sich auf immer weniger Endkunden der Fernwärme verteilen werden.
Jeder der kann, wechselt jetzt auf Wärmepumpe, weil die massiv gefördert wird. Und jeder hat Angst, dass die Förderung der Wärmepumpe genauso von einem Tag auf den anderen eingestellt wird wie beim Elektroauto und beeilt sich deswegen mit dem Wechsel. Der Exodus der Endkunden ist in vollem Gange! Die Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH werden Insolvenz anmelden müssen, wenn sie den Geschäftsbetrieb angesichts der hohen Mietkosten der Mietkessel bei zurückgehenden Fernwärmekunden nicht mehr kostendeckend fahren können.
Und für die Investitionen von mindestens 30 Millionen Euro der gemeinsamen Tochtergesellschaft, Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH und für die in 2023 gründete „Wärme Energie Großkrotzenburg GmbH bürgt sicher die Gemeinde Großkrotzenburg.
Das könnte ein ungutes Ende nehmen für alle Bürgerinnen und Bürger. Trotzdem würde ich jetzt nicht überstürzt handeln, sondern zunächst die Verhandlungen der Stadtwerke Hanau GmbH und Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH abwarten, denn Fernwärme ist absolut umweltfreundlicher und kann auch auf erneuerbare Energien zurückgreifen. Die Nutzer brauchen keine eigene Heizanlage im Haus und sparen damit auch Wartungskosten. An diese Vorteile sollten wir auch denken!
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - so lautet die Reaktion der Interessenvereinigung des geplanten Bürgerbegehrens/Bürgerentscheids in Sachen Fernwärmebelieferung der Großkrotzenburger Kunden durch die Stadtwerke Hanau GmbH.
Durch die Interessenvereinigung ist laut gleichlautender Aussage von Bürgermeisterin Theresa Neumann und der Stadtwerke Hanau GmbH, Geschäftsführerin Martina Butz, Bewegung in die von den Kunden geforderten Gespräche und Verhandlungen gekommen. Bereits vor dem Jahreswechsel habe es zu technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen ein erstes Gespräch gegeben, die Verhandlungen, an denen auch Gemeindewerke-Geschäftsführer Martin Müller teilnimmt, sollen in Kürze fortgesetzt werden.
Im Moment rechnen die Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH alle privaten Endverbraucher mit mindestens 10kW, oder sogar mit 15kW Leistungspreis ab. Anders bei Stadtwerke Hanau GmbH, wo jedes einzelne kW als Leistungspreis gerechnet wird und genau diesen Leistungspreis erwarten wir auch von unserer Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH! Ich empfehle der Geschäftsführung der GWG, dass sie umgehend mit den Großabnehmern der Fernwärmeleistungen eine faire und tragfähige Lösung findet, damit diese Kunden nicht andere Wege gehen und wir sie sonst als Abnehmer der Fernwärme verlieren würden. Das wäre hinsichtlich einer neuen Preiskalkulation für die vorhandenen Kunden der Fernwärme eine Katastrophe.
Die Interessenvereinigung begrüßt die Fortsetzung der Gespräche zwischen den Stadtwerken Hanau GmbH und den GWG und werden mit der Einleitung eines Bürgerbegehrens/Bürgerentscheids so lange warten, bis auf einer von den Verhandlungspartnern Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH (GWG) und Stadtwerke Hanau GmbH angekündigten weiteren Informationsveranstaltung greifbare Ergebnisse präsentiert werden, die eine abschließende Bewertung über die künftige sichere, nachhaltige und vor allem bezahlbare Versorgung der Großkrotzenburger Kunden mit Fernwärme zulassen.
Abschließend wünsche ich Ihnen nachträglich ein gesundes, glückliches neues Jahr 2025, verbunden mit einer für alle Beteiligten einvernehmlichen Lösung der Fernwärmeversorgung in Großkrotzenburg zu fairen Preisen!"
Klaus Reuter
Großkrotzenburg
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