Zur Bürgermeisterwahl in Linsengericht äußert sich VORSPRUNG-Leser Markus Kievel in seinem Leserbrief.
Zur Bürgermeisterwahl in Linsengericht äußert sich VORSPRUNG-Leser Markus Kievel in seinem Leserbrief.
"Im kommenden Frühjahr wählen wir eine neue Bürgermeisterin oder einen neuen Bürgermeister, denn Albert Ungermann tritt nach fast 24 Jahren nicht erneut an. Ich sehe darin eine große Chance für einen Neuanfang für Linsengericht. Doch es geht nicht nur um eine Personalie.
Wir sollten gewillt sein, gewohnte Wege zu verlassen und mutige, vielleicht unkonventionelle Entscheidungen treffen. Die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern muss sich deutlich verbessern. Eine Politik nach Gutsherrnart hat aus meiner Sicht ausgedient. Der Bürgermeister sollte als leitender Angestellter der Gemeinde gesehen werden, der ein offenes Ohr für alle Bürger hat. Jeder Mensch möchte ernst genommen werden und nicht als Vasall gesehen werden. Gleichzeitig ist es wichtig, wieder mehr miteinander zu reden. Unbequeme Meinungen sollten Gehör finden, denn Demokratie lebt vom Mitmachen aller!
Derzeit sind zwei Kandidatinnen bekannt: Frau Rost von der SPD und Frau Dein von der BGL, deren Parteien aktuell die Regierung stellen. Frau Rost gehört sogar der Partei des amtierenden Bürgermeisters an. Ich befürchte, dass sich bei der Wahl einer der beiden politisch wenig ändern wird – 'Alter Wein in neuen Schläuchen'.
Auch die CDU wird am 24.08.2025 ihren Kandidaten vorstellen. Als ehemaliges Vorstandsmitglied, dass viele Sitzungen miterlebt hat, sehe ich momentan keinen ernsthaften Willen zu echten Veränderungen. Zu groß ist der Einfluss bestimmter Akteure auf verschiedenen Ebenen. Zudem befindet sich die CDU in einem Dilemma. Die Brandmauer, manifestiert im Unvereinbarkeitsbeschluss auf dem Bundesparteitag der CDU, könnte der Partei auch hier in Linsengericht zum Verhängnis werden. Angesichts der erwarteten Stimmenzuwächse der AfD wird es schwierig, jenseits von Rot–Grün konservativ/ bürgerliche Mehrheiten zu organisieren. Dazu kommt, dass wir noch nicht wissen, ob die BGL ihre Kooperation mit der SPD in der kommenden Legislaturperiode fortsetzen wird oder doch wieder mehr mit der CDU zusammenarbeitet.
Die Welt hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Einige Entwicklungen bereiten mir Sorgen. Was noch vor ein paar Jahren vertretbar war, erscheint heute rückblickend als Weg in die Sackgasse. Durch die angespannte wirtschaftliche Lage brechen sicher geglaubte Einnahmen weg. Außerdem rächt sich der fehlende Wille in den vergangenen Jahrzehnten, ein nachhaltiges Konzept für Straßensanierungen auszuarbeiten. Das sehen wir bei der grundhaften Sanierung der Backhausstraße in Eidengesäß und den daraus resultierenden wiederkehrenden Straßenausbaubeiträgen, was für einige von uns richtig teuer wird – dies nur als ein Beispiel von vielen. Darüber hinaus gönnt sich die Gemeinde eine Rathauserweiterung, die aus meiner sich überdimensioniert ist. Auch hier entstehen hohe Kosten, die auch noch die nachfolgenden Generationen tragen müssen.
Für die Zukunft brauchen wir eine klare Vision und den Mut, neue Wege zu gehen. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen und offen für Veränderungen sind. Nur so können wir unsere Gemeinde zukunftsfähig gestalten und die Herausforderungen der kommenden Jahre meistern. Noch haben wir über ein halbes Jahr Zeit bis zu den Bürgermeisterwahlen. Vielleicht findet sich noch der Ein oder Andere mutige und unabhängige Bewerber oder Bewerberin."
Markus Kievel
Linsengericht
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