Zum Bau von Rechenzentren in Hanau äußert sich VORSPRUNG-Leser Dr. Ralf-Rainer Piesold (FDP), ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter und Stadtrat a.D. der Stadt Hanau, in diesem Leserbrief.
Zum Bau von Rechenzentren in Hanau äußert sich VORSPRUNG-Leser Dr. Ralf-Rainer Piesold (FDP), ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter und Stadtrat a.D. der Stadt Hanau, in diesem Leserbrief.
"Die aktuelle Entwicklung rund um Rechenzentren in Hanau zeigt eindrucksvoll, dass die Stadt und ihre Wirtschaftsförderung ihre Hausaufgaben gemacht haben. Die Ansiedlung großer Player wie Google ist kein Zufall, sondern Ergebnis vorausschauender Standortpolitik und professioneller Wirtschaftsförderung. Hanau hat schon vor fast 20 Jahren erkannt, dass eine gut organisierte Wirtschaftsförderung der Schlüssel zum Erfolg ist. Deshalb wurde im ersten Kleeblatt-Bündnis, in dem ich als Wirtschaftsdezernent von 2006 bis 2011 mitwirkte, die Wirtschaftsförderung konsequent umgewandelt, professionell als GmbH neu aufgestellt und mit einer erfahrenen Geschäftsführerin aus der hiesigen Wirtschaft besetzt. Der damalige Oberbürgermeister hat klugerweise diese Entwicklung konsequent fortgeführt.
Die Früchte dieser Entscheidungen kann man heute an der Entwicklung der digitalen Infrastruktur Hanaus deutlich erkennen. Bereits damals wurde das Potential von Rechenzentren erkannt: So plante 2009 das Kommunikationsunternehmen 1&1 den Bau eines großen Rechenzentrums in Hanau-Wolfgang. Obwohl dieses Projekt aus verschiedenen Gründen nicht realisiert wurde, legte es den Grundstein für die heutige Entwicklung. Auf dem Gelände des damals geplanten Rechenzentrums befindet sich nun das Hyperscale-/Cloud-Rechenzentrum von Google mit einer Investitionssumme von rund 1 Milliarde Euro. Ein weiterer Meilenstein ist das Hyperscale-/Campus-Rechenzentrum von Data4 auf der ehemaligen Großauheimer Kaserne, in das mehr als 2 Milliarden Euro investiert werden. Ergänzt wird die Entwicklung durch das Hyperscale-/Colocation-Rechenzentrum CyrusOne FRA5 auf dem Goodyear-Gelände, in das voraussichtlich über eine halbe Milliarde Euro fließen wird. Für die Bewertung dieser Investitionen sind nicht nur die Summen entscheidend, sondern auch Folgeinvestitionen und Prestigegewinn. Hanau, das schon immer als High-Tech-Standort wahrgenommen wurde, erhält dadurch zusätzliche internationale Reputation.
Leider verlief die Entwicklung im restlichen Main-Kinzig-Kreis bisher eher bescheiden. Obwohl mein Kollege, der Gelnhäuser Liberale Kolja Saß, und ich schon vor Jahren auf das Potential hingewiesen hatten, scheiterte die FDP 2021 mit einem Antrag auf eine Potenzialanalyse zur Ansiedlung von Rechenzentren im Kreistag. Wenn nun der CDU-Wirtschaftsdezernent des Main-Kinzig-Kreises das Projekt 'Frank Cube' in Birstein als wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung und nachhaltige Energieversorgung darstellt, hat er zwar recht, kann aber nur teilweise den Vorwurf widerlegen, dass der Kreis hinter der Stadt zurückbleibt. Auch in der Wirtschaftsförderung gilt wie beim Schach der Grundsatz: 'Wer strategisch plant, sichert seinen Erfolg auf Dauer' oder 'wer nicht plant, plant sein Scheitern'."
Dr. Ralf-Rainer Piesold
Hanau
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