Zur Bürgermeisterwahl in Linsengericht am 15. März 2026 äußert sich VORSPRUNG-Leser Michael Bollmann (SPD), Vorsitzender der Gemeindevertretung Linsengericht, in diesem Leserbrief.
"Die Attraktivität eines Bürgermeisteramtes und die Bereitschaft zur Kandidatur, ist seit einigen Jahren rückläufig. Gründe, wie zunehmende Beleidigungen, Anfeindungen bis hin zu Bedrohungen, sind mehr als bedauerlich und weitgehend bekannt. Hinzu kommen die fehlenden finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten der Kommunen. Umso erfreulicher ist das hohe Interesse, ins Linsengerichter Rathaus einziehen wollen. Eine Erklärung dazu habe ich bislang noch nicht gefunden.
Nachdem sich in den vergangenen Tagen zwei weitere Bewerber auf unterschiedliche Weise präsentiert haben, bleibt abzuwarten, wer sich noch bis 5. Januar 2025 aus den Startlöchern traut. Insider wissen vom siebten Kandidaten, der noch fleißig Unterschriften sammelt, wer weiß, ob es gelingt oder noch mehr werden. Fast alle sechs der bislang geouteten BewerberInnen und Bewerber berichten, sie wollen es anders oder besser machen oder sogar neue Wege gehen. Nahezu übereinstimmend gibt es grundsätzliche Gemeinsamkeiten und Vorstellungen darüber, wie man Linsengericht "regieren" will.
Es scheint gerade so, als hätte man Google bemüht und die KI gebeten, die Richtung vorzugeben, wie man so zu sein hat, als Bürgermeister: Transparenz, Praxishähe, Offenheit, Seriösität, Verlässlichkeit, Gestaltungswille usw. sind beliebte Schlagworte. Die Digitalisierung ist natürlich auch für alle ein Thema. Offensichtlich wissen aber nicht alle, dass kaum eine Kommune so weit fortgeschritten, digital arbeitet und aufgestellt ist, wie wir in Linsengericht. Auf diese Vorreiterrolle darf die Gemeinde stolz sein. Und da komme ich auf den absolut herausragenden Punkt: Alle wollen Bürgernähe!
Letzte Woche hatten wir die jährlich vorgeschriebene Bürgerversammlung. Dazu sind alle eingeladen, Fragen zu stellen und sich zu informieren, was übrigens das ganze Jahr über im Rathaus geschieht. Als Vorsitzender der Gemeindevertretung war ich natürlich gespannt darauf, wieviele unserer Bürgermeisterkandidatinnen und -Kandidaten sich die Anregungen, Wünsche und Fragen unserer Bürgerinnen und Bürger, quasi bürgernah, anhören. Auch andere Anwesende hatten dies erwartet und mich darauf angesprochen. Ok, es gibt immer Gründe, aber da nur eine Kandidatin (bürgernah) anwesend war, ist es für mich mehr als nachdenkenswert.
Ich frage mich zudem nach den wahren Beweggründen einiger, den Rathaussessel erobern zu wollen. Wie kommt man auf die Idee, ohne sich in reichlich angebotenen, öffentlichen Ausschusssitzungen in Gemeindevertretersitzungen und vielfältigen Veranstaltungen, die wir als Gemeinde anbieten schlau zu machen, es anders oder besser machen zu wollen, ohne überhaupt zu wissen, wie es um Linsengericht bestellt ist oder worum es in der Realität geht. Ja, unsere gelebte Demokratie macht das möglich und das ist auch gut so. Viel Mut, aber auch ein bisschen Traum und Blauäugigkeit gehören sicher dazu.
Wenn die Stimmen ausgezählt sind, gibt es nur einen Chefsessel im Rathaus. Hoffen wir, dass die Enttäuschung der nicht Gewählten nicht allzu groß ist und deren Begeisterung bleibt, sich dann ehrenamtlich weiter gesellschaftspolitisch zum Wohle für Linsengericht zu engagieren."
Michael Bollmann
Linsengericht
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