Zum Wohnungsmarkt in Großkrotzenburg äußert sich VORSPRUNG-Leser Sven Hinterschuster in seinem Leserbrief.
"Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Großkrotzenburg spitzt sich zunehmend zu. Trotz einzelner Initiativen ist es bislang nicht gelungen, den bestehenden Rückstand beim Angebot an bezahlbarem Wohnraum aufzuholen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Ein wichtiger Schritt ist der Schutz vorhandenen Wohnraums. Gerade dort, wo Menschen auf bezahlbare Wohnungen angewiesen sind, müssen diese erhalten bleiben. Dazu gehören insbesondere die Wohnungen der Baugenossenschaft Steinheim am Main, der Nassauischen Heimstätte sowie die Seniorenwohnanlagen I und II.
Darüber hinaus bietet sich das ehemalige Posthotel als Chance für zusätzlichen Wohnraum an. Eine Umgestaltung durch einen privaten Investor zu bezahlbaren Wohnungen wäre sehr zu begrüßen. Auch um im Posthotel kostengünstig die in Großkrotzenburg lebenden Flüchtlinge unterzubringen. Auf diese Weise könnte sich die Gemeinde Großkrotzenburg den Bau eines eigenen Gebäudes ersparen, der mit Kosten von bis zu fünf Millionen Euro verbunden wäre.
Besorgniserregend ist außerdem der geplante viergleisige Ausbau der Bahnstrecke, durch den Wohnraum verloren gehen könnte. Die Deutsche Bahn muss hier für Transparenz sorgen und der Gemeinde Großkrotzenburg sowie dem Main-Kinzig-Kreis ein echtes Mitspracherecht einräumen. Ein Ausbau der Infrastruktur darf nicht dazu führen, dass dringend benötigter Wohnraum verdrängt wird.
Zugleich ist es wichtig, dass das Neubaugebiet Melmensee (auch „Römergärten“) endlich zügig umgesetzt und nicht weiter verzögert wird. Bei künftigen Bauprojekten sollte zudem ein angemessener Anteil an Mehrfamilienhäusern mit bezahlbaren und barrierefreien Wohnungen vorgesehen werden. Gerade diese Wohnform ist in Großkrotzenburg knapp und bietet vielen Menschen, welche auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind, eine passende Wohnmöglichkeit. Dazu zählen insbesondere Senioren, Alleinerziehenden, Singles, Studierenden, Auszubildenden, Menschen mit Beeinträchtigungen oder Familien mit geringem Einkommen.
Schließlich sollte geprüft werden, welche Fördermittel von Bund, Land Hessen und dem Main-Kinzig-Kreis genutzt werden können, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. In diesem Zusammenhang ist auch die Initiative von Landrat Thorsten Stolz (SPD) zur Gründung einer kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft unterstützenswert. Ziel ist es, gemeinsam mit den Kommunen, auch in Großkrotzenburg, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und langfristig zu sichern."
Sven Hinterschuster
Großkrotzenburg
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