Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Regionalgruppe Rhein-Main, das Bündnis Verkehrwende Frankfurt und der Fahrgastverband PRO BAHN (Rheinland-Pfalz/Saarland) haben sich in einem offenen Brief an den RMV und die Deutsche Bahn gewandt.
"Wir sind Aktive aus verschiedenen Verbänden und Initiativen, die sich für eine Verbesserung des Systems Bahn stark machen. Fahrgäste wenden sich immer wieder an uns, um Probleme zu adressieren, damit wir diese weitertragen können. Die Unzuverlässigkeit der S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Gerade deswegen ist eine gute Fahrgastinformation wichtig. Wir sehen an der Stelle noch viel Verbesserungspotential.
Bei Verspätungen kommt es auf verschiedenen S-Bahnlinien immer wieder zu vorzeitigen Wenden vor Erreichen des Zielbahnhofes. Aus unserer Sicht sollte das Ziel sein, die vorzeitige Wende eines S-Bahnzuges immer mindestens 15 Minuten vor Erreichen des vorzeitigen Endbahnhofes anzukündigen. Diese 15 Minuten sind ein Erfahrungswert, den wir aus der Analyse verschiedener Strecken gewonnen haben. Nur so können sich Fahrgäste, die von der vorzeitigen Wende betroffen sind, noch rechtzeitig nach Alternativen umschauen. Für die Fahrgäste im Zug ist dabei neben einer Änderung der Zugbeschilderung vor allem eine Durchsage des Triebfahrzeugführers wichtig. Von ebensolcher Bedeutung ist es, diese Information zeitgleich in die Verbindungsauskünfte von RMVgo und DB Navigator einzuspielen. So können sowohl Anzeigen auf den Bahnsteigen als auch Lautsprecheransagen aktualisiert werden. Nur so können Fahrgäste, die noch überlegen, den entsprechenden Zug zu nutzen, rechtzeitig über die Veränderung informiert werden.
Bisher wird eine vorzeitige Wende der verspäteten S-Bahn oft nur sehr wenige Minuten vorher bekanntgegeben. Dann ist es für die Fahrgäste zu spät, sich nach einer Alternative umzusehen. Aus unserer Sicht ist es unverständlich, warum diese Informationen nicht frühzeitiger bekanntgegeben werden, gerade wenn die S-Bahnzüge in der Regel schon längere Zeit mit einer höheren Verspätung unterwegs sind.
Beispielsweise endet die S2 aus Richtung Dietzenbach öfters vorzeitig in Hofheim und fährt nicht weiter nach Niedernhausen. Die aus Richtung Friedberg kommende S6 endet bei Verspätung häufig schon in Frankfurt Süd und fährt nicht mehr weiter nach Langen. Auch auf anderen S-Bahnlinien kommt es regelmäßig zu vorzeitigen Wenden.
Angenommen sei, dass ein Fahrgast in Frankfurt Berkersheim in einen 12 Minuten verspäteten Zug der S6 mit dem Fahrtziel Langen steigt und dieser Zug vorzeitig in Frankfurt Süd wenden wird. Wenn der Fahrgast, welcher nach Langen möchte, schon vor dem Frankfurter Hbf wüsste, dass der Zug vorzeitig in Frankfurt Süd wendet, hätte er die Möglichkeit sich nach einer Alternative umzuschauen. In dem Fall würde es sich (in der Regel) gut eignen, alternativ am Frankfurter Hbf in einen Regionalzug der Linien RE60 oder RB68 umzusteigen, um so Langen zu erreichen. Wenn über die vorzeitige Wende aber erst (was leider sehr oft geschieht)an der Ostendstraße oder später informiert wird, kann der Fahrgast nicht mehr angemessen reagieren.
Dasselbe gilt übrigens auch bei netzbedingten Störungen. Höchstens für die erste S-Bahn gilt die Störung als kurzfristig aufgetreten; bei den folgenden S-Bahnen ist sie dann schon länger bekannt. Als es vor wenigen Wochen, am 3. März, eine Weichenstörung auf der Strecke zwischen Frankfurt-Höchst und Wiesbaden gab, sorgte dies dafür, dass die Züge der S1 vorzeitig in Flörsheim wenden mussten. Es war nach einiger Zeit absehbar, dass die Störung länger anhalten würde. Es wurde sich um die Beschaffung von Ersatzverkehrsbussen bemüht. Dennoch wurden die Züge der S1 häufig bis kurz vor Erreichen des vorzeitigen Endhaltepunkts Flörsheim in den Verbindungsauskünften sowie an den Bahnsteigen noch als bis Wiesbaden verkehrend beauskunftet. Eine frühere Eintragung der Information wäre in dem Fall gut möglich gewesen.
Am besten wäre es natürlich, wenn vorzeitige Wenden gar nicht mehr nötig wären. Wir würden es sehr begrüßen, wenn Maßnahmen zur Steigerung der äußerst unzufrieden stellenden Betriebsqualität ergriffen würden. Gewisse Verbesserungen sollten sich auf den S-Bahnlinien S3, S4, S5 und S6 mit dem neuen Verkehrsvertrag 'Gallus' ab Dezember 2032 - unter anderem durch die Erhöhung der Wendezeiten und mehr überschlagende Wenden - ergeben. So lange können die Fahrgäste im Rhein-Main-Gebiet aber nicht auf Verbesserungen warten!
Neben den genannten Problemen gibt es auch viele weitere Verbesserungsvorschläge, die von uns an Sie adressiert werden könnten. Dazu möchten wir gerne mit Ihnen ins Gespräch kommen. Bitte senden Sie uns Terminvorschläge für ein Gespräch zu."
Verkehrsclub Deutschland (VCD), Regionalgruppe Rhein Main
i. A. Mathias Biemann, Sprecher
Fahrgastverband PRO BAHN Rheinland-Pfalz/Saarland
i. A. Martin Mendel
Bündnis Verkehrswende Frankfurt
i. A Willi Loose, Sprecher
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