Zur Zukunft des Bürgerhauses in Großkrotzenburg äußert sich VORSPRUNG-Leser Klaus Reuter, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde, in diesem Leserbrief.
"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, mit großer Aufmerksamkeit und auch mit Sorge verfolge ich die derzeitige Diskussion um die Zukunft unseres Bürgerhauses. Für viele mag es auf den ersten Blick „nur“ ein Gebäude sein. Für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ist es jedoch seit Jahrzehnten ein zentraler Ort des gesellschaftlichen Lebens, der Begegnung, der Kultur und des Miteinanders. Hier finden Vereinsveranstaltungen, Familienfeiern, kulturelle Angebote, Bürgerversammlungen, Seniorennachmittage, Konzerte und viele weitere Veranstaltungen statt. Das Bürgerhaus ist damit ein wichtiger Mittelpunkt unserer Gemeinde ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft gelebt wird. Solche Orte sind heute wichtiger denn je.
Nun liegen zwei Sanierungsgutachten vor, die die notwendigen Investitionen auf rund 7 Millionen Euro beziffern. Ohne Frage handelt es sich dabei um eine erhebliche Summe, über die verantwortungsvoll gesprochen werden muss. Doch eine rein oberflächliche Betrachtung der Kosten greift zu kurz. Denn ebenso wichtig ist die Frage, welche Alternativen es tatsächlich gibt und was diese am Ende kosten würden. Ein Abriss oder eine Aufgabe des Bürgerhauses wären keineswegs automatisch die günstigere Lösung. Auch ein Neubau würde Millionenbeträge verschlingen, hinzu kämen hohe Planungs- und Genehmigungskosten, lange Bauzeiten sowie erhebliche Unsicherheiten. Gleichzeitig würde unsere Gemeinde für Jahre einen wichtigen Veranstaltungsort verlieren. Hinzu kommt: Was über Jahrzehnte gewachsen ist, lässt sich nicht einfach neu schaffen.
Eine Sanierung hingegen bietet die Chance, das Bürgerhaus technisch und energetisch auf einen modernen Stand zu bringen, Barrierefreiheit zu verbessern und das Gebäude für kommende Generationen fit zu machen. Förderprogramme von Bund und Land sollten dabei konsequent geprüft und genutzt werden, um die finanzielle Belastung für die Kommune zu reduzieren. Auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist eine Sanierung häufig sinnvoller als Abriss und Neubau. Bestehende Bausubstanz zu erhalten spart Ressourcen, reduziert Abfall und vermeidet zusätzlichen Flächenverbrauch. Wer heute verantwortungsvoll handeln will, sollte auch diesen Aspekt berücksichtigen. Ein weiterer wichtiger Punkt in der aktuellen Diskussion ist die Erstellung eines fundierten Sanierungskonzeptes. Die bisher genannten Kosten von rund 7 Millionen Euro beruhen auf Gutachten und groben Gesamtschätzungen. Doch erst ein konkretes Sanierungskonzept zeigt transparent auf, welche Maßnahmen tatsächlich zwingend notwendig sind, welche Arbeiten in Bauabschnitten umgesetzt werden können und wo Einsparpotenziale bestehen. Die Gemeinde hat für die Dachsanierung bereits 450.000 Euro in 2025 ausgegeben.
Nicht alles muss sofort und gleichzeitig erfolgen. Zudem können auf dieser Grundlage gezielt Fördermittel für energetische Modernisierung, Barrierefreiheit oder kommunale Infrastruktur beantragt werden. Ein solches Konzept schafft Klarheit, ermöglicht einen fairen Vergleich mit möglichen Alternativen und verhindert vorschnelle Entscheidungen allein auf Basis einer hohen Gesamtsumme. Wer verantwortungsvoll handeln will, sollte daher zunächst ein durchdachtes Sanierungskonzept erarbeiten lassen, bevor über die Zukunft unseres Bürgerhauses endgültig entschieden wird.
Vor allem aber dürfen wir den ideellen Wert nicht vergessen: Unser Bürgerhaus ist ein Stück Heimat und Identität. Viele Menschen verbinden persönliche Erinnerungen damit Hochzeiten, Vereinsjubiläen, Feste, Konzerte oder Begegnungen mit Nachbarn und Freunden. Solche Orte stiften Zusammenhalt und Lebensqualität. Ich werbe daher eindringlich dafür, die Zukunft unseres Bürgerhauses mit Sachlichkeit, Augenmaß und Weitblick zu betrachten. Nicht nur die Kosten von heute sollten zählen, sondern auch der Nutzen für unsere Gemeinde in den kommenden Jahrzehnten. Wer Gemeinschaft erhalten will, muss auch Räume erhalten, in denen Gemeinschaft stattfinden kann."
Klaus Reuter
Bürgermeister a.D.
Großkrotzenburg
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