„Ein gutes Stück heimischer Erinnerungskultur“

Literatur

Landrat Thorsten Stolz (SPD) hat in Schlüchtern gemeinsam mit Schriftleiter Dr. Georg-Wilhelm Hanna, Norbert Griebel von der gleichnamigen Druckerei sowie Bürgermeister Matthias Möller (Schlüchtern) und Bürgermeister Carsten Ullrich (Sinntal) die 69. Ausgabe des Bergwinkel-Boten Heimatkalenders vorgestellt.

Morgenpost

Dabei dankte er vor allem den Autorinnen und Autoren, die wieder mit Begeisterung und Engagement daran mitgewirkt haben.

„Auch in diesem Jahr ist es dem Redaktionsteam um Schriftleiter Dr. Hanna mit Bravour gelungen, eine besondere Auswahl an Beiträgen aus allen Teilen des Bergwinkels zusammenzustellen“, blickte der Landrat auf das neue Werk. Es sei klar zu erkennen, dass hier „ein ausgewiesener Kenner der Geschichte der Kommunen des Bergwinkels“ die Verantwortung trage.

Das traditionsreiche Buch habe in den vergangenen Jahren ein Niveau erreicht, das jedem Vergleich mit anderen heimatgeschichtlichen Kalendern landesweit standhält. Heute kann man sagen, dass der Bergwinkel-Bote unbestritten großen Anteil am „kollektiven Gedächtnis“ der Region Bergwinkel hat. Mit Schriftleiter Dr. Hanna sei auch die an wissenschaftlichen Kriterien orientierte Darstellungsweise der Leitthemen umgesetzt worden.

Ein weiterer Garant für die Fortsetzung dieser Tradition sei Firma Griebel Druckdienstleistungen, die in mittlerweile über mehr als 25-jähriger Tradition und mit großem Engagement das Heimatjahrbuch „Bergwinkel-Bote“ auf den Weg zu bringet, gestaltet und vertreibt. Außerdem dankte Landrat Thorsten Stolz den Inserenten, die maßgeblich an der Finanzierung dieser dokumentierten Heimatgeschichte beteiligt sind. „Damit zeigen die regionalen Unternehmen ihre Solidarität und unterstützen ein gutes Stück heimischer Erinnerungskultur“, sagte er.

Anschließend gab Dr. Georg-Wilhelm Hanna einen Einblick auf die Themen der neuen Ausgabe, die auf rund 200 Seiten wieder zeitnahe Dokumentationen sowie historische Themen zu Ereignissen liefert. Im Kern steht die leidvolle und noch immer folgenreiche „Europäische Tragödie“. Kein Ereignis habe Europa zwischen Reformation und Französischer Revolution so geprägt wie der Dreißigjährige Krieg.

Ein weiterer Text geht 70 Jahre zurück und erinnert an die Einführung der Deutschen Mark im Jahr 1948. Dr. Elisabeth Heil schildert in einer äußerst gelungenen und einfühlsamen Darstellung Georg Flemmigs “Gedankenwelt” zum Ersten Weltkrieg - vom großen „Opfer“ zum „Neuen Werk“ und sein Gedenken an das Ende der Materialschlachten vor 100 Jahren.

An die Hungerzeit mahnt ein Wächtersbacher Wandteller von 1915. Dem schließt sich Dr. Georg-Wilhelm Hanna mit der Revolution und Ende des Deutschen Kaiserreiches 1918 an. Rainer Geschwindner hält die archäologische Grabung fest: Wüstung Stubbach bei Steinau-Ulmbach.

Dr. Georg-Wilhelm Hanna hat auf dem Kartenwerk auf der Francia orientalis des Sebastian von Rotenhan aus dem 16. Jahrhundert den Poeta Huttenus entdeckt. Dr. Benedikt Mario Röder erforscht das Jüdische Leben in Ulmbach und schildert die Erinnerung an ihre fast vergessene bzw. verdrängte Geschichte. Für Hermann Tilp ist der sozialgeschichtliche Umgang mit „Armen, Bettlern, Müßiggängern und herrenlosem Gesindel“ am Beispiel einer Bettelfuhre: Herolz - Keutzelbuch und zurück von Bedeutung.

Beschrieben werden die Hintergründe der Fuldaer Medaille zu Hungersnot und Teuerung 1816/17 und Dr. Benedikt Mario Röder sammelt über Klesberg Nachrichten aus 900 Jahre Geschichte für den Zeitraum von 1118 bis 2018. Das Hinkelhofer Schul-Strafbuch von 1912 bis 1919 war für den ehemaligen Lehrer Ernst Müller-Marschhausen ein konfliktgeladener Fund und weckte sein besonderes Interesse. Gesammelte Verse des leider so früh gestorbenen Hans-Walter Siemon bereichern weiterhin den Heimatkalender.

Im Bombenkrieg des Zweiten Weltkriegs werden 45 Frankfurter Kinder mit ihren Lehrern umquartiert, erforscht der Pädagoge Ernst Müller-Marschhausen die Kinderlandverschickung 1944 nach Sterbfritz. Veronika Sawatzki thematisiert die verlorene Zeitkapsel des Bad Sodener Ehrenmals am „Blauen Platz“, denn diese eingemauerte Blechdose ging verloren und ist 2015 wieder aufgetaucht.

Der ehemalige Kreisbeigeordnete und Jurist Dr. Hermann Schönfelder beleuchtet in seinem Gedichtband hintersinnig den Richter. An der Existenz der Didacta – der Welt größte Lehrmittelmesse haben die Schlüchterner Bürger Albert und Ursula Häussermann großen Anteil und hoben die weltgrößte Europäische Lehrmittelmesse mit aus der Taufe, meint Bernd Ullrich.

Ein Namenloser hinterlässt etwas zum Schmunzeln: Die Geschichte vom Blumentopf und dem Bier. Die künstliche Vermehrung von Äschen in der Sinn trägt zum natürlichen Erhalt dieser lebenswichtigen Fischwelt bei, so Karl Th. Hahn in einem seiner Lieblingsthemen. Mit einem Nachruf werden die geschätzten Mitarbeiter am Heimatkalender gewürdigt: Adolf Grammann (1911-2017) und Gustav Hildebrand (1925-2017).

Ein wichtiger Bestandteil des Heimatkalenders ist erneut der „Jahresablauf im Bergwinkel“ von Norbert Griebel sowie eine Übersicht der Aufgaben und Funktionen der Verwaltung des Main-Kinzig-Kreises. Abschließend dankte Schriftleiter Dr. Hanna allen mitwirkenden Personen für die erneut sehr erfolgreiche Zusammenarbeit. Das Buch ist ab sofort für fünf Euro im Handel sowie bei einigen Kommunen zu bekommen.

Foto: Landrat Thorsten Stolz (Mitte) stellte gemeinsam mit allen mitwirkenden Personen den neuen Bergwinkel Boten Heimatkalender vor.


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