Bindrim: Wie kam es zum „Griechischen Zyklus“?

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In seinem Sammelband „Unter der Sonne Homers“ (Münster: AT Edition 2020) veröffentlicht Magister Hans-Wolfgang Bindrim, der Germanist aus Schlüchtern, auch die Gedichtsammlung „Griechischer Zyklus“ mit Anhang.

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Insgesamt umfasst der Zyklus 24 und neun, also 33 Gedichte. Auf die Frage, wie er dazu gekommen sei, ausgewählte Figuren der griechischen Mythologie in Gedichten zu thematisieren, gibt er jetzt in einer Pressemitteilung Auskunft:

"Schon als Schüler des Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums Schlüchtern war ich mit 15 Jahren vertraut mit den „Schönsten Sagen des klassischen Altertums“, wie Gustav Schwab sie lebendig und anschaulich erzählt. Im Lesebuch, das wir in der Schule benutzten, erfuhren wir etwas über den Raub der schönen Helena und über den dadurch verursachten Trojanischen Krieg. Meine Neugier war geweckt: Ich interessierte mich dafür. Zu meiner Lektüre gehörten deshalb bald auch Homers Epen „Ilias“ und „Odyssee“ in der Übertragung von Johann Heinrich Voß, Johann Wolfgang Goethes Schauspiel „Iphigenie auf Tauris“, Heinrich von Kleists Dramen „Amphitryon“ und „Penthesilea“, aber auch die von Sophokles geschriebenen Tragödien „König Ödipus“ und „Antigone“ in aktuellen deutschen Übersetzungen. So liest man nur einmal in seinem Leben. Vor dem geistigen Auge sah ich Agamemnons Tochter Iphigenie bei den Taurern, wie sie – „das Land der Griechen mit der Seele suchend“ – am Ufer der Halbinsel Krim steht.

Unvergesslich, weil beeindruckend, und immer wieder gern gesehen – der italienische Monumentalfilm „Die Fahrten des Odysseus“ („Ulisse“) aus dem Jahre 1954: Kirk Douglas in der Titelrolle, Silvana Mangano sowohl als Circe als auch als Penelope. Wie dramaturgisch geschickt, aber auch wie psychologisch aufschlussreich, sie in dieser Doppelrolle zu besetzen! Die verführerische Zauberin und die treue Ehefrau! Anthony Quinn als Antinoos, der Anführer der Freier. Die Film-Bilder prägten sich ein.

Eine im Fernsehen gezeigte moderne Inszenierung der einzig erhaltenen griechischen Tragödien-Trilogie an der Berliner Schaubühne aus dem Jahre 1980, nämlich „Die Orestie“ von Aischylos, verfehlte nicht ihre Wirkung auf mich: „Agamemnon – Der Schlächter wird geschlachtet“, „Choephoren – Der Befreier wird wahnsinnig“ und „Eumeniden – Die Vampire segnen die Stadt“. Mit den Schauspielerinnen Edith Clever und Jutta Lampe. Regie: Peter Stein. Als Student sah und hörte ich zum ersten Male die von Richard Strauss klangstark komponierte Oper „Elektra“, deren Libretto Hugo von Hofmannsthal lieferte, indem er sein gleichnamiges Drama bearbeitete, bei dessen Niederschrift er sich auf die gleichnamige Tragödie von Sophokles gestützt hatte. Die Musik verstärkte die Gefühle und hallte in mir nach.

Nicht ohne Eindruck auf mich blieb es, dass ich die Vorlesungen der Poetik-Dozenten an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M. im berühmten Hörsaal VI besuchte. In diesem Zusammenhang sind vor allem zwei Dozenten für mich von Bedeutung: Im Sommersemester 1982 sprach Christa Wolf über die Voraussetzungen ihrer Erzählung „Kassandra“, Walter Jens im Sommersemester 1992 über die „Arbeit mit Mythen“. Der spätere Buchtitel lautet: „Mythen der Dichter“. Ihm durfte ich meinen „Griechischen Zyklus“ als Manuskript überreichen. Später signierte er handschriftlich mein Exemplar seines Buches, das ich ihm mit einem Brief zugeschickt hatte: „Hans-Wolfgang Bindrim sehr dankbar für seinen Brief zugeeignet Walter Jens August 1993“.

Johann Joachim Winckelmann, der das berühmte Wort über die antiken griechischen Kunstdenkmäler geprägt hat, dass „eine edle Einfalt und eine stille Größe“ sie kennzeichne, ist nie in Griechenland gewesen. Die Dichter Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Hölderlin haben sich zwar für das antike Griechenland begeistert, aber nie eine Reise in das Land selbst unternommen. Immerhin hat der Weimarer Geheimrat auf seiner „Italienischen Reise“ dorische Tempel im süditalienischen Paestum und auf Sizilien in Augenschein genommen.

Heinrich von Kleist und Friedrich Nietzsche werfen als Intellektuelle, nicht als Reisende einen ganz anderen Blick auf die Antike als Winckelmann und Goethe und betonen das Dionysische, den wilden Rausch, als Untergrund des klassischen Altertums. Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse, verdanken wir überhaupt „die tiefen Blicke“ in die menschliche Psyche und damit in unser sexuelles Triebleben. Dank moderner Untersuchungsmethoden zeichnet die Archäologie seit einiger Zeit ein neues Bild der antiken griechischen Kunst: Nicht weißer Marmor, sondern grelle Buntheit ist ihr Kennzeichen. Meine Schwester Elke hat zusammen mit ihrem Freund im Urlaub die Insel Kreta besucht und auch den minoischen Palast von Knossos besichtigt. Sie hat mir einen Stierkopf als kleine Statuette von ihrer Reise mitgebracht, die auf meinem Schreibtisch steht. Mir selbst ist Griechenland bislang nur ein intellektuelles Lese-Erlebnis."

Hans-Wolfgang Bindrim: „Unter der Sonne Homers – Drei Versuche im antiken Mythos: Penthesilea (Performance), Griechischer Zyklus (Gedichte) und Prometheus (Essay)“. Münster: AT Edition 2020. 104 S. 19,90 Euro. (ISBN 978–3–89781–272–7)

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