„Hessen & Highlander 1746“

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Bereits vor einigen Wochen erschien die Kombi-Publikation aus Buch und CD mit dem Titel „Hessen und Highlander 1746“ im Verlag Ralf Liebe, Weilerswist.

Diese wird nun der Öffentlichkeit vorgestellt, in Schotten, dem Wohnort des Musiker-Duos Rebel’s Menuet, Johanna Wildhack (Violine, Viola) und Quest (verschiedene Sackpfeifen, Querflöte, Gesang), der auch die Erzählung verfasst hat. Die Präsentation wird natürlich vom Duo live gespielte Beispiele aus der Musik der CD beinhalten, sowie Auszüge aus dem Buch: Textstellen, auf die sich die Musikstücke beziehen, szenisch vorgetragen von Quest. Weiterhin wird eine knappe historische Einordnung geleifert und auf eine mögliche Relevanz in heutigen Tagen hingewiesen.

Auf kurzweilige Art wird bei der Präsentation die Epoche der Handlung zum Leben erweckt von Mitgliedern der Organisation für Lebendige Geschichte „Jacobite History“. Diese verkörpern auf musealem Niveau schottische Highlander der Zeit um 1745, in originalgetreu gefertigter Kleidung, Ausrüstung und Bewaffnung, die im Rahmenprogramm erläutert und vorgeführt werden. Es wird die Entstehung des „Schottenrockes“ demonstriert, mit Steinschlossmusketen exerziert und vielleicht sogar getanzt. Auch die Musikinstrumente von Rebel’s Menuet sind Rekonstruktionen historischer Originale. Neben Buch und CD gibt es eine dritte Neuvorstellung, nämlich die Rekonstruktion der historischen „Pastoral Bagpipe“, einer in Vergessenheit geratenen Salon-Sackpfeife des 18. Jahrhunderts.        

Buch-&-CD-Präsentation
Sonntag, 11. September 2022, in Schotten (Vogelsberg), Altes Rathaus, Marktstraße 1
„Hessen & Highlander 1746“
von Quest und Rebel’s Menuet
Rahmenprogramm ab 14:30 Uhr
Buch-&-CD-Präsentation um 15:30 Uhr

Das Buch erzählt die wahren, aber kaum bekannten Ereignisse um die Entsendung von 5.100 an Großbritannien vermietete hessische Soldaten nach Schottland. Diese sollten dort im März 1746 den Kampf gegen die aufständischen schottischen Jakobiten (Stuart-Anhänger) unterstützen. Als ihr Kommandant Prinz Friedrich von Hessen-Kassel merkt, dass seine Truppen in eine Polizeimaßnahme hineingezogen werden sollen, die vor Kriegsverbrechern an Gegnern und an der Zivilbevölkerung nicht haltmacht, verweigert er die Ausführung der Befehle des britischen Kommandanten William, Duke of Cumberland.

Der Musiker Quest, der auch Geschichtsvermittler ist und bürgerlich Christian Tewordt heißt, konzipierte „Hessen & Highlander 1746“ ursprünglich als Live-Aufführung, in dem er als historischer Ich-Erzähler die wahre Geschichte leicht humoristisch erzählt. Zu Beginn der Corona Pandemie ersann er ein Programm, das mit Minimalbesetzung (Duo) und ohne Technik-Kosten auch vor einem sehr kleinen Publikum bescheiden kostendeckend funktioniert.

In diesem Mini-Musical hangelt er sich mit seiner Duo Partnerin Johanna Wildhack an schottischen Musikstücken des 18. Jahrhunderts entlang, deren Titel sich auf Orte, historische Personen oder historische Ereignisse beziehen, die in den Erlebnissen der Hessen und der Jakobiten in der Grafschaft Perthshire eine Rolle spielten. Als die Pandemie immer länger dauerte, und das Programm weiterhin nicht aufgeführt werden konnte, ging das Duo Rebel’s Menuet in eines der besten Aufnahmestudios für Alte Musik in Deutschland, das Studio Katharco in Nordhessen (am Fuße der Sackpfeife).

Dort nahmen sie die von ihnen arrangierten historischen oder traditionellen Musikstücke aus ihrem Bühnenstück „Hessen & Highlander 1746“ in der professionellen Obhut der renommierten Musiker Marco Ambrosini und Katharina Dustmann auf. 

Jetzt fehlte der CD nur noch ihr „Booklet“. Und weil die Musikauswahl nur wegen der ihr zugrundeliegenden Geschichte aus der Geschichte genau so ist, wie sie ist, schrieb Quest diese Geschichte aus demselben Blickwinkel wie die Live-Version noch einmal ausführlich in Buchform auf: ohne jeden Respekt vor vermeintlichen Helden, aber mit jedem Respekt vor dem aktuellen Forschungsstand der Geschichtswissenschaft. Im Buch stellte er der „Hauptgeschichte“ noch ein kleines Prequel voran (das in Hessen spielt), sowie eine Literaturliste sowie natürlich ausführliche „CD-Sleevenotes“, in der die Quellen für die historischen Musikstücke akribisch aufgeführt werden.

Musikaufnahme und Erstellung des Textes wurden, wie bereits die Konzeption der „Live-Version“, durch Corona Stipendien des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst in Zusammenarbeit mit der Hessischen Kulturstiftung finanziell unterstützt. Der Plan, anstatt einer „CD mit Booklet“ ein „Buch mit CD“ herauszubringen, konnte schließlich nur Wirklichkeit werden dank des wunderbaren Verlages Ralf Liebe, der in der verlagseigenen Druckerei und Buchbinderei dieser Tandem-Veröffentlichung eine handwerklich und ästhetisch überzeugende Form gab.

Die Kosten für die Herstellung von Büchern und CDs wurden zum Teil gedeckt durch eine stilechte Finanzierungsform des Barockzeitalters, nämlich der Subskription. Hierbei bestellen und bezahlen Interessenten ein Buch bevor es gedruckt und gebunden ist. Aber auch mit Projektstipendien und Subskriptionen war das aufwändige Projekt letztendlich nur mit einem sehr flexiblen Verlag und familiärer Unterstützung realisierbar. In der kurzen Zeit seit seinem Erscheinen ist das Buch-&-CD-Bundle erfreulich wohlwollend aufgenommen worden – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schottland.

Ein mit dem Duo befreundeter renommierter schottischer Musiker hofft auf Aufführungen des Live-Stückes in Schottland, in einer erweiterten Besetzung aus deutschen und schottischen MusikerInnen – sofern dort ein Sponsor gefunden wird. Jedoch muss Quest bis auf weiteres auf Verkäufe von „Hessen & Highlander 1746“ hoffen. Denn vollständige Konzertprogramme zu spielen, also auch die Live-Bühnenversion von Buch und CD, ist ihm vorerst verwehrt: eine Nervenschädigung („Ramsay-Hunt-Syndrom“) macht es ihm seit Februar unmöglich, seine Hauptinstrumente Querflöte und mundgeblasene Dudelsäcke (Highland Bagpipes) zu spielen und länger vor größerem Publikum laut zu sprechen, auf nicht absehbare Zeit.  

Darum ist diese Präsentation eine Ausnahme, und darum wird das Werk nicht mit einer Aufführung des vollen Programmes vorgestellt, sondern nur mit den ausgewählten Musikstücken, die Quest auf verschiedenen Blasebalg-betriebenen, also nicht mundgeblasenen, Kammer-Sackpfeifen spielen kann, und mit den dazugehörigen ausgewählten Textstellen. Und darum ist Quest umso dankbarer für die Unterstützung bei dieser Release-Veranstaltung durch seine Freundinnen und Freunde der historischen Darstellungsgruppe Jacobite History, durch seinen Verleger Ralf Liebe, durch Tourist-Schotten und vor allem durch seine Partnerin Johanna Wildhack.

kompaersrebel az