Michel Friedman berichtet über den Entstehungsprozeß seines gerade erschinenen Buches "Fremd", das der Autor am Sonntagabend in der Bad Orber Konzerthalle vorstellte.

Eigentlich, so der Autor, habe er ein "kluges" Buch schreiben wollen. "Das ist mir misslungen", urteilt Friedman. Herausgekommen ist am Ende ein sehr persönlicher, ein sehr berührender Text, der sich den üblichen Zuschreibungen in der Literatur - Roman? Sachbuch? - entzieht. Sehr reduziert: "Der Text - das sind nur die Knochen. Kein Fett, kein Fleisch, keine Haut", beschreibt der Autor sein Werk, das er dem Publikum in drei Textpassagen exemplarisch vorstellt.

Moderiert wurde die knapp zweistündige Veranstaltung von Andrea Euler, die in Kooperation mit der Bad Orber Kur GmbH für die Wächtersbacher Altstadt-Buchhandlung "Dichtung & Wahrheit" die Reihe "Bad Orb er-lesen" organisiert hat. Friedman sagt, er habe sein Buch nicht für sich schreiben wollen. Sondern für all jene, die immer "mit einem Fuß draußen" bleiben aus der deutschen Gesellschaft. Die auch in der dritten Generation einfach deswegen stigmatisiert werden, "weil sie Özmir heißen". Der Begriff "Integration" ist für den Autoren schwierig. "Wenn ich jetzt in München bin- da trinken sie alle Bier - muss ich da jetzt Bier trinken, um integriert zu sein?", fragt er sich.

Klar wendet sich Friedman gegen rassistische und antisemitische Einschläge, die mit der rechtsradikalen AfD in deutsche Parlamente eingezogen sind. "Es glaubt doch hier wohl keiner, dass die sich nicht einen neuen Sündenbock suchen, wenn die "Kanaken" und "Drecksjuden" erstmal alle draußen sind", sagt er. "Der Herr Gauland und der Herr Höcke, die müssten sich doch erstmal integrieren." Und er fordert von seinen Zuhörern klare, unmissverständliche Bekenntnisse. "Wenn Oskar Schindler das konnte, dann sage mir keiner, er selbst könne nichts tun, wenn etwa schwarze Fußballspieler auf deutschen Plätzen mit Bananen beworfen werden oder von den Zuschauern durch Affenlaute rassistisch beleidigt werden."

Friedman polarisiert. Von seinen Gegnern wird der promovierte Jurist, Publizist, Philosoph, Fernsehmoderator und Bundesverdienstkreuzträger oft reduziert auf die sogenannte "Friedman-Affäre". Doch greift das zu kurz. Nahezu seine gesamte Familie wurde im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Seine Eltern und die Großmutter wurden als sogenannte "Schindlerjuden" aus Krakau gerettet. Friedman wurde 1956 in Paris geboren, 1965 kam die Familie nach Deutschland. Bei Friedmans Bar Mizwa war Oskar Schindler Ehrengast.

Allein sein Gesicht scheint Rassisten und Antisemiten zu Ausfällen zu reizen, wie sich im Vorfeld der Lesung in den sozialen Netzwerken auch hier in Orb gezeigt hat. Was sagt Friedman den Hetzern? "Ihr werdet nicht das letzte Wort haben!" Aber: "Jüdisches Leben ist gefährdet, jüdisches Leben ist ein Leben mit vielen Wolken", beschreibt es der Autor. Wortgewaltig und nachdenklich, traurig, aber mit einem feinsinnigen Humor ausgestattet, so hat das über hundertköpfige, nahezu lautlos lauschende, beeindruckte Publikum Michel Friedman erlebt.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Pianistin Irina Mauer.

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