Jugendlicher Straftäter muss über Weihnachten in Arrest

Bad Soden-Salmünster

Wütend verließ gestern ein 21-Jähriger aus Bad Soden-Salmünster den Gerichtssaal in Gelnhausen: Das Jugendschöffengericht hatte ihn gerade zu einem dreiwöchigen Dauerrest verurteilt, was der jungen Mann mit einem Tritt gegen die Sitzgruppe im Gerichtsgebäude kommentierte.

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Wegen acht Fahrten ohne Ticket mit dem Zug musste er sich verantworten, eigentlich ein Bagatell-Verfahren, wie auch die Staatsanwaltschaft feststellte. Seine zahlreichen Voreintragungen veranlassten das Gericht aber, diesmal deutlich härter als bisher durchzugreifen.

Im Gerichtsgebäude kennt sich der Romsthaler bestens aus: Bereits am 17. Oktober saß er vor dem Strafrichter und mussten sich mit zwei Freunden wegen Leergutdiebstahls bei einem Getränkemarkt in Hailer verantworten. Damals wurde das Verfahren gegen ihn im Hinblick auf die jetzige Verhandlung eingestellt. Sachbeschädigung, Diebstahl mit und ohne Waffengewalt sowie unzählige Schwarzfahrten waren weitere Delikte, weswegen der 21-Jährige bereits angeklagt und verurteilt worden war. Bislang ließen die Richter allerdings Milde walten, mehr als Arbeitsstunden wurden nicht auferlegt. Doch selbst die leistete der Angeklagte nur teilweise ab. Seit April sollte er 60 Stunden bei einer gemeinnützigen Einrichtung abarbeiten, bis jetzt hat er davon nicht einmal die Hälfte geschafft.

Auffällig ist vor allem die Anzahl der Schwarzfahrten in seinem Strafregister: Einmal wurde er wegen Beförderungserschleichung in 30 Fällen verurteilt, dann waren es mal 20 oder 10. Die Dunkelziffer dürfte mindestens das Doppelte sein. Meist wurde er auf der zwischen Strecke Wächtersbach und Hailer/Meerholz erwischt, wo der 21-Jährige schon einmal gewohnt und nach eigenen Angaben noch viele Freunde hat. Sein Versuch, in einer eigenen Wohnung ein selbstständiges Leben zu beginnen, ist allerdings gescheitert, inzwischen lebt er wieder bei seiner Mutter.

Die kam auch mit zur Verhandlung und war über die Strenge des Gerichts ebenso erstaunt wie ihr Sohn. Zwar befindet sich dieser derzeit in einer Schulungsmaßnahme, was die Staatsanwaltschaft aber nicht davon abhielt, den dreiwöchigen Dauerarrest zu beantragen. Das Jugendschöffengericht folgte diesem Vorschlag und hatte gleich die nächste böse Überraschung für den 21-Jährigen parat: Der Arrest wird in die Weihnachtsferien gelegt, vermutlich wird er am 21. Dezember  seine Zelle beziehen. An den Weihnachtsfeiertagen und über Silvester wird der notorische Schwarzfahrer somit genügend Zeit haben, über seinen weiteren Lebensweg nachzudenken.


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