Bei Lettgenbrunn (Jossgrund) kommt eine sehr seltene und besonders attraktive Wildpflanze vor: die sibirische Schwertlilie, Iris sibirica.

Sie hat eigentlich ihren Verbreitungsschwerpunkt im osteuropäischen /asiatischen Raum kommt in Deutschland, wo sie den westlichen Rand ihres Verbreitungsgebietes erreicht, bis an den Rhein vor. Der Standort bei Lettgenbrunn ist der einzige im Spessart und einer von ganz wenigen in Hessen. Sie bewohnt relativ nährstoffarme Feuchtwiesen und braucht gute Belichtung. Bei extensiver Nutzung durch Mahd oder Beweidung kann sie sich gut halten, sie ist an das menschliche Wirtschaften angepasst.
Die sibirische Schwertlilie war Blume des Jahres 2010, die alljährlich von der Loki Schmidt Stiftung in Hamburg gekürt wird. Iris sibirica war die letzte Art, der diese Ehre zu Loki Schmidts Lebzeiten zuteilwurde. Diese Fläche und das Vorkommen von Iris sibirica ist seit fast 200 Jahren bekannt und schriftlich dokumentiert und es gibt schon seit 15 Jahren Bemühungen vor Ort, diese Art zu schützen und zu unterstützen. Die amtliche Zuständigkeit liegt beim Forstamt Jossgrund, das in den letzten Jahren die Pflege des Grundstückes über eine Beweidung mit Schafen sichergestellt hat. Die Beweidung führte u.a. wohl auch zu einer erwünschten Bodenverwundung, die die Neu-Ansiedlung weiterer Pflanzen erleichtern konnte.
Bemerkenswert ist die jahrelange gute Kooperation verschiedener Akteure vor Ort und insbesondere der engagierte Einsatz der Jossatalschule aus Oberndorf zum Wohl der sibirischen Schwertlilie. Seitens des ehrenamtlichen Naturschutzes kümmert sich Herr Klaus Weismantel aus Jossgrund seit vielen Jahren intensiv um das Vorkommen der Iris. Zusammen mit Lehrer Peter Ommert organisiert er die wiederholte Bestandsaufnahme mit den Schülern aus Oberndorf. Dabei konnte eine Zunahme des Bestandes festgestellt werden, der sicher auch auf die fürsorgliche Betreuung zurückzuführen ist. Die Schüler überprüfen nämlich auch die Wirksamkeit der angebrachten Zäunungen, um den Schaf- und Wildverbiss zu minimieren.
Seit 2013 lässt die Untere Naturschutzbehörde bestimmte wertvolle Pflanzenarten auf regionaler Ebene untersuchen und möchte im Anschluss die Arbeiten zum Schutz dieser Pflanzen unterstützen. Der Landschaftspflegeverband hat die Ausführung für einige der Arten übernommen, Iris sibirica ist eine dieser Arten. Im Rahmen dieser Bearbeitung wurde klar, dass neue und stabilere Einzelschutzzäune gebraucht wurden. Auf Antrag des Landschaftpflegeverbandes MKK hin gewährte die Untere Naturschutzbehörde die nötigen Finanzmittel, der Forst führte die Arbeiten aus.
Am 12.6. war es dann soweit, dass die Schüler der 7.ten Klassemit ihrem Lehrer Peter Ommert, Förster Peter Könnemann, Klaus Weismantel, der ehemaligen Rektorin der Jossatal-Schule Frau Silvia Mehlhorn und Winfried Imkeller eine Exkursion auf die Fläche unternahmen. Es wurde genau dokumentiert, wie viele Pflanzen in welchem Zustand auf zu finden waren, wo sie genau wachsen und in welchem Zustand die Zäune sind.
Allgemein war festzustellen, dass es wohl eine weitere Vermehrung der Pflanzen gegeben hat, die auch einen recht gesunden Eindruck machten, aber durch den trockenen April der Blütenansatz eher spärlich war. Da die Pflanzen mehrjährig sind, schadet dies der Pflanze selbst nicht, nur die Verbreitung durch Samen wird wohl gering sein in diesem Jahr. Festgestellt haben die Schüler auch, dass die bisher neu gezäunten Bereiche nicht alle Vorkommen erfassen. Es muss im Laufe des Sommers beobachtet werden, ob weitere Pflanzen geschützt werden sollten.
Foto: Fahrt zum Einsatz, es wird ein Neuer Zaun aufgestellt.
Foto: Projektbetreuer Klaus Weismantel leitet bei der Dokumentation an.
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