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Gezeigt wurden Zeichnungen des damals 13-jährigen Thomas Geve, der als jüdischer Junge die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebte. Seine kindlichen, zugleich erschütternden Darstellungen geben einen beklemmenden Einblick in das Lagerleben und machen das Geschehene auf eindrückliche Weise greifbar.

Zwei Tage später fand an der Schule ein besonderes Zeitzeugengespräch mit Werner Fromm statt – dem Enkel von Karl Reidel, der von 1938 bis 1945 als politischer Häftling in Buchenwald inhaftiert war. Fromm engagiert sich seit vielen Jahren für eine lebendige Erinnerungskultur. Die Ausstellung mit Geves Zeichnungen wurde auf seine persönliche Initiative hin entwickelt und wird inzwischen deutschlandweit gezeigt. In bewegenden Worten erzählte Fromm die Geschichte seines Großvaters: Karl Reidel war überzeugter Kommunist, engagierter Gewerkschafter bei der Deutschen Bahn und aktives Mitglied der Naturfreundebewegung. Bereits in den frühen 1930er-Jahren verteilte er Flugblätter gegen das NS-Regime und wurde 1933 verhaftet. Er kam in das frühe Konzentrationslager Sonnenburg-Küstrin, später in das Polizeigefängnis in Hanau, das Gefängnis in Butzbach und schließlich nach Buchenwald, wo er unter schwersten Bedingungen überlebte.

Fromm schilderte anschaulich den grausamen Alltag im Lager: schwere Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten und Willkür prägten das Leben der Häftlinge. Reidel überlebte nur dank seiner körperlichen Konstitution und der Hilfe solidarischer Mithäftlinge. Später arbeitete er im sogenannten Hygiene-Institut des Lagers – dort begegnete er auch dem später bekannten Publizisten Eugen Kogon. Die Schülerinnen und Schüler beteiligten sich aktiv am Gespräch. Fromm beantwortete viele Fragen – etwa zur Rolle von Frauen im Lager, zur systematischen Verfolgung politischer Gegner, von Sinti und Roma, Homosexuellen sowie Menschen mit Behinderung. Auch die Frage, wie Thomas Geve überhaupt zum Zeichnen kam, wurde thematisiert: Seine Bilder entstanden vor allem nach der Befreiung – als Versuch, das Erlebte zu verarbeiten.

Besonders eindrücklich schilderte Fromm das Thema „Überleben im Lager“: verschimmeltes Brot, Futterrüben, Kartoffelschalen – wer etwas „organisierte“, also stahl, hatte eine größere Überlebenschance. Reidel überlebte nicht nur wegen seiner Kraft, sondern auch, weil Mithäftlinge ihn in einem entscheidenden Moment retteten. Zum Abschluss ermutigte Werner Fromm die Jugendlichen, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen und ihre Bedeutung für die Gegenwart zu erkennen: „Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht in exakt gleicher Form – aber bestimmte Muster kehren immer wieder zurück. Wer informiert bleibt, sich einmischt und seine Stimme nutzt, kann dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft offen, demokratisch und menschlich bleibt.“

Abschließend heißt es aus der Schule: "Ein besonderer Dank gilt Herrn Fromm für das eindrucksvolle Gespräch, Frau Schumann für die Organisation, Frau Prüßmeier für die inhaltliche Vorbereitung der Klasse sowie Herrn Lang für die technische Unterstützung, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben."

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